12.02.2021 - 16:29 Uhr
NeusorgOberpfalz

Im Altlandkreis Kemnath und in München Zeichen gesetzt

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Valentin Kuhbandner sei ein "großer, aufrichtiger Politiker" gewesen, sagte einmal der frühere Bundestagsabgeordnete und SPD-Landeschef Ludwig Stiegler. Diesen Sonntag hätte der ehemalige Kemnather Landrat 100. Geburtstag feiern können.

Zwölf Jahre lang bestimmte Valentin Kuhbandner als Landrat die Geschicke des Landkreises Kemnath entscheidend mit. Vollen Einsatz zeigte er auch in seiner Funktion als SPD-Landtagsabgeordneter. Diesen Sonntag jährt sich sein Geburtstag zum 100. Mal.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Nicht nur dem SPD-Bundestagsabgeordneten a.D. Ludwig Stiegler war der am 14. Februar 1921 in Immenreuth geborene Valentin Kuhbandner ein Vorbild. Auch weitere Genossen, vor allem aus dem heutigen Landkreis Tirschenreuth, wie den Ex-Kreisrat und Altbürgermeister Günther König aus Neusorg, hat er geprägt.

Kuhbandners politische Laufbahn begann in seinem Geburtsort. Dort trat er nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft am 1. Oktober 1946 dem SPD-Ortsverein bei. Durch die Heirat mit seiner Frau Maria wechselte er seinen Wohnsitz nach Trevesen. Schließlich gründete Kuhbandner mit acht Gleichgesinnten am 1. Juli 1947 den SPD-Ortsverein Neusorg, dem er ab Oktober 1948 vorstand. Damit begann "seine allumfassende Kleinarbeit für die Bürger unserer Heimatgemeinde", heißt es in der Chronik der Neusorger Genossen.

Nach sechs Jahren Landrat

Bei der Kommunalwahl 1952 unterlag Kuhbandner knapp als Bürgermeisterkandidat, allerdings zog er sowohl in den Gemeinderat Neusorg als auch in den Kreistag Kemnath ein. Als vier Jahre später Ferdinand Neumann im Zuge des sogenannten "Weinschieberprozesses" vom Amt des Landrats suspendiert wurde, übernahm Kuhbandner dessen Amtsgeschäfte. 1958 folgte schließlich mit großer Mehrheit die Wahl zum Landrat. Seine Arbeit als Landkreischef honorierte die Bevölkerung. Sie schenkte ihm bei den folgenden Landratswahlen immer wieder das Vertrauen.

1970 musste Kuhbandner aus dem Amt ausscheiden, weil er seit 1966 zugleich für den Stimmkreis Tirschenreuth-Kemnath-Eschenbach Mitglied des Bayerischen Landtages war. Dies ließ sich nicht mit dem Rechtstellungsgesetz vereinbaren. Kuhbandner genoss als Haushaltsexperte und haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion großes Ansehen bei allen Parteien. Ein offenes Ohr hatte er stets für vor allem die Kommunen und Vereine seiner Heimatregion.

Für die Kreis-SPD sollte es Thomas Döhler bei der Landratswahl 2020 Valentin Kuhbandner gleichtun

Erbendorf

Der Vater zweier Töchter war darüber hinaus unter anderem zeitweise Mitglied des Zwischenausschusses, stellvertretendes Mitglied des Beschwerdeausschusses des Versorgungswerks, Mitglied des Stiftungsrats der Bayerischen Landesstiftung sowie des Ältestenrates. Innerhalb der SPD bekleidete er neben dem Posten des Neusorger Ortsvorsitzenden (sechs Jahre lang) auch das Amt des Kreisvorsitzenden in Kemnath und dann Tirschenreuth sowie des Unterbezirks- und Bezirksvorsitzenden. Sitz und Stimme hatte er zudem im Landesvorstand und im Parteirat.

Kemnather Ehrenbürger

Doch auch abseits der Politik engagierte sich Kuhbandner. So war er Vorsitzender des Bayerischen Roten Kreuzes im Landkreis Kemnath und Aktionsmitglied des SOS-Kinderdorfvereins. Für seine Verdienste nahm er 1972 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse entgegen. Zwei Jahre später erhielt er den Bayerischen Verdienstorden und 1977 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Außerdem war der Politiker unter anderem Träger der Bayerischen Verfassungsmedaille und - für seine Leistungen zur Förderung des Breitensports - der "Goldenen Plakette" des Bayerischen Landessportverbandes. Seine Heimatgemeinde Immenreuth, die Stadt Kemnath und die Gemeinde Mehlmeisel haben Kuhbandner, der am 16. September 1980 in Neusorg gestorben ist, die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Hintergrund:

Politische und berufliche Stationen

Valentin Kuhbandner absolvierte nach der Volksschule und vier Klassen an einem humanistischen Gymnasium eine Lehre als Industriekaufmann. Als Kriegsteilnehmer war er zuletzt Zugführer bei den deutschen Fallschirmjägern.

  • 1946: nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft Dolmetscher bei der Militärregierung
  • 1947: Wachenleiter der Bahnpolizei Marktredwitz
  • 1951: Betriebsbeamter der Deutschen Bundesbahn
  • 1952: Kreisrat
  • 1954: Zweiter Stellvertretender Landrat des Landkreises Kemnath
  • 1956: Bezirksrat des Regierungsbezirks Oberpfalz, Fraktionsvorsitzender der SPD, Erster Stellvertretender Landrat, Ernennung zum Ehrenmitglied des SPD-Ortsvereins Neusorg
  • 1958: Landrat (bis 1970)
  • 1966: Mitglied des Bayerischen Landtags (drei Wahlperioden lang bis 1978)
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