25.08.2020 - 12:27 Uhr
NeusorgOberpfalz

Glocke raubt Anwohner den Schlaf

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Das Angelusläuten der Neusorger Pfarrkirche wird von Pfarrer Josef Waleszczukum auf 7 Uhr verschoben. Ein neu zugezogener Nachbar hatte sich über den frühen Lärmpegel um 6 Uhr beschwert.Viele Neusorger Katholiken wundern sich.

Stein des Anstoßes: Das Kirchengeläut um 6 Uhr.
von Autor FPHProfil

Das Angelusläuten bedeutet in der katholischen Kirche das morgendliche, mittägliche oder abendliche Läuten der Kirchenglocken, bei dem das Angelusgebet gesprochen wird. Dazu kann es auch den Zeitpunkt für die Kirchenöffnung anzeigen. Dabei handelt es sich um einen alten christlichen Gebrauch, angeregt vom Franziskanerorden im 13/14. Jahrhundert.

Auch in der katholischen Pfarrgemeinde Neusorg gehört das Angelusläuten seit jeher zum kirchlichen Brauch. Es beginnt um 6 Uhr morgens. Während sich die Neusorger daran offenbar längst gewöhnt haben, sah das ein neu hinzugekommener Anlieger anders. Per Email beschwerte er sich beim zuständigen Pfarramt über das frühe Geläut, das ihn täglich aus dem Schlaf reißt.

Beim zuständigen Pfarrer Dr. Josef Waleszczuk stieß er damit nicht auf taube Ohren. „Ich habe Verständnis für den Wunsch des Nachbarn. Kirchenglocken sind nun mal laut,“ sagte der Pfarrer. Deshalb wolle er den Konflikt auch im gegenseitigen Einvernehmen lösen und keinen Streit mit dem Nachbarn haben. Kurzerhand beschloss Waleszczuk, das Läuten um eine Stunde auf 7 Uhr früh zu verschieben.

Ich habe Verständnis für den Wunsch des Nachbarn. Kirchenglocken sind nun mal laut.

Pfarrer Dr. Josef Waleszczuk

Damit könten juristische Schritte vermieden werden. In Deutschland gibt es schließlich kaum etwas, gegen das nicht geklagt wird: Baulärm, Kuhglocken, Kirchenglocken. Ein Beispiel aus Regen. Hier hat das Bistum dem dortigen Pfarrer Ludwig Limbrunner den Rücken gestärkt, als sich ein Anwohner anonym über das nächtliche Läuten der Kirchenglocken beschwert hatte.

Ein Sprecher des Bistums wies auf eine grundsätzliche Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 1991 über die Zulässigkeit nächtlicher Glockenschläge hin. Allerdings, so das Gericht, dürfe der Glockenschlag den Richtwert von 60 Dezibel nicht überschreiten. Ein überhöhter Wert müsse von dem Nachbarn, der sich gestört fühle, nachgewiesen werden. Der nächtliche Uhrenschlag sei ein Teil unserer Kultur und werde von vielen Menschen nicht als Beeinträchtigung, sondern als Verbindung zur Kirche empfunden.

Etwas gedulden aber muss sich der Nachbar in Neusorg wohl noch. Denn die Umstellung, so der Pfarrer, müsse digital vorgenommen werden. Und das könnte noch etwas dauern.

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Bayern

Interview mit Pfarrer Dr. Zbigniew Josef Waleszczuk

Mit einem Aushang an der Kirchentür werden die Gemeindemitglieder über das spätere Angelusläuten informiert.
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Kommentare

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Tanja Härtl

Das finde ich immer lustig, wenn neu hinzugezogene Mitbürger sich über etwas beschweren, das schon lange vor ihnen dort existiert hat. Aber es hat sicher auch sein Gutes, wenn die Glocken um 7 Uhr läuten, denn dann hören sie bestimmt mehr Mitbürger als um 6 Uhr, wo doch viele noch schlafen.

26.08.2020