20.05.2020 - 12:33 Uhr
NeusorgOberpfalz

König aus Neusorg im politischen Ruhestand

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Günther König gibt seinen Platz als Kreisrat nach 36 Jahren frei. Schon sein Onkel Ludwig König war politisch engagiert, seine beiden Kinder sind im Gemeinderat und Cousin Peter König ist Bürgermeister.

Mit seinem kleinen Hund macht Günther König nun lange Spaziergänge oder fährt mit ihm nach Südtirol in Urlaub.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wer Günther König sucht, findet ihn draußen im Garten oder beim Spaziergang mit seinem Hund. Der 76-Jährige hat jetzt mehr Zeit für seine Hobbys, er hat alle politischen Ämter abgelegt. Seit Ende April ist der ehemalige Gemeinderat und Altbürgermeister auch kein Kreisrat mehr. Nach 36 Jahren im Kreisrat und insgesamt 48 Jahren in der Kommunalpolitik geht der SPD-Mann ohne Abschiedstränen.

Denkt König an die politischen Ämter zurück, zählen für ihn nicht allein die Erfolge für Neusorg und den Landkreis. Er denkt an die Menschen, die ihm in dieser Zeit begegnet sind und Freunde wurden. "Der SPD-Ortsverein fragte, ob ich für den Gemeinderat kandidiere", erzählt er von den Anfängen 1972. Warum er Sozialdemokrat wurde, liegt an den familiären Wurzeln. "Mein Onkel war Bürgermeister in Neusorg. Das hat mir immer gefallen." Der Onkel Ludwig sollte nicht der einzige "König" im Neusorger Rathaus bleiben. Sein Neffe, der als Formengießer bei Rosenthal gearbeitet hat, folgte 1990 dem Beispiel und führte Neusorg bis 2008 als besonnener Bürgermeister.

1984 wurde König in den Kreistag gewählt, dem er 36 Jahre treu blieb. Drei Landräte, begonnen mit Franz Weigl über Karl Haberkorn bis zu Wolfgang Lippert, hat König "überlebt". Politisch geprägt, sagt er, habe ihn aber weit mehr der letzte Kemnather Landrat und Landtagsabgeordnete Valentin Kuhbandner. Er sei sein großes Vorbild gewesen.

Gern denkt er an die Jahre zwischen 2008 und 2014 zurück, als er stellvertretenden Landrat war. "Ich reiste nach Polen und war in München in der Staatskanzlei. Das waren interessante Jahre, ich habe viel kennengelernt." Als keine gute Erinnerung hat er das Ausbluten der Krankenhauslandschaft im Landkreis vor Augen. Auch sei deshalb die Sparpolitik des Kreistags zunichte gemacht worden.

"Aber wir hatten auch eine tolle Zeit", kann Günther König der Kommunalpolitik viel Gutes abgewinnen. Lachend erzählt er, dass er erst in seiner Funktion als Kreisrat den "hinteren Landkreis" kennenlernte. "Ich wusste bis dahin nicht, wo Bärnau liegt oder Wildenau." Die Gebietsreform von 1972 sei bis heute nicht angekommen, sinniert der Sozialdemokrat über die imaginäre Trennlinie "hinterer und vorderer Landkreis", die immer noch in den Köpfen der Bürger bestehe. Beide Teile seien in all den Jahren nicht wirklich zusammengewachsen.

Die Zeit als Bürgermeister hat König nach 18 Jahren beendet, weil seine Frau krank wurde. Den Zusammenhalt über Parteigrenzen hinweg und die gute Freundschaft zu den Kreistagskollegen wie Toni Dutz, Rainer Fischer oder Franz Kühn stellt er in seinen Erinnerungen vorne an: "Bis auf kleine Plänkeleien haben wir immer gemeinsam unsere Ziele für den Landkreis angestrebt." König spricht die Sanierung das Stiftland-Gymnasiums mit dem anstehenden Turnhallenbau an und freut sich, seinen Teil beigetragen zu haben zum Bau der neuen Kemnather Realschule.

"Verbohrt euch nicht in parteiliche Belange. Schaut die Kommunalpolitik als gemeinsame Sache über Parteien hinweg an", gibt der erfahrene Sozialdemokrat den jungen Nachfolgern im Kreistag mit auf den Weg. Was Günther König sehr stolz macht: Sein 31-jähriger Sohn und seine 36-jährige Tochter sind kürzlich in Neusorg als Gemeinderäte vereidigt worden. Und weil Günther Königs Onkel einst Bürgermeister war und zudem sein Cousin Peter König amtierender Bürgermeister ist, lässt das nur einen Schluss zu: Den "Königen von Neusorg" wird die Politik direkt in die Wiege gelegt.

Jetzt freut sich der Altbürgermeister über ruhige Tage im Garten und Spaziergänge mit seinem kleinen Hund. Was er vermisst, sind derzeit einzig seine Reisen nach Südtirol. "Vergangene Woche wollte ich fahren", bedauert er die krisenbedingte Stornierung. Langeweile kommt im Wortschatz des Pensionisten dennoch nicht vor. Günther König füllt seine Tage mit all den schönen Tätigkeiten, die früher hinten anstehen mussten.

Hintergrund:

1972 wurde Günther König im Alter von 28 Jahren SPD-Gemeinderat. Von 1990 bis 2008 lenkte er die Geschicke von Neusorg als Bürgermeister. 1984 wurde er Kreisrat und blieb 36 Jahre lang im Kreistag. Unter anderem begleitete König mehrere Ausschüsse. Von 2008 bis 2014 war er Stellvertretender Landrat. Der gelernte Formengießer arbeitet während seiner politischen Karriere auch als ehrenamtlicher Richter am Landgericht Weiden. Königs politisches Engagement dauerte 48 Jahre. In diesen Jahren wurden dem heutigen Altbürgermeister und Ehrenbürger der Gemeinde Neusorg zahlreiche Ehrungen zuteil. Günther König ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und erhielt für seine Verdienste die Goldene Landkreismedaille, die Goldene Ehrenmedaille und den Silbernen Goldenen Ehrenring. Außerdem hat er die Kommunale Verdienstmedaille in Silber und Bronze bekommen.

Kreisrat Günther König bei der Überreichung des Bundesverdienstordens durch Minister Joachim Herrmann.
Günther König hatte viele politische Ämter. Er war Bürgermeister, Kreisrat und stellvertretender Landrat.

Auch SPD-Kollege Rainer Fischer hat sich aus der Politik zurückgezogen:

Waldsassen

CSU-Kollege Ludwig Spreitzer hat sich ebenfalls aus dem Kreistag verabschiedet:

Waldsassen

Ebenfalls 36 Jahre Kreisrat war Karl-Heinz Ernstberger:

Mitterteich

SPD-Kollegin Hannelore Bienlein-Holl zog sich nach 37 Jahren als Kreisrätin zurück:

Fuchsmühl

Sogar 44 Jahre als Kreisrat hat Franz Kühn hinter sich:

Tirschenreuth
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