03.06.2020 - 16:09 Uhr
NeusorgOberpfalz

Schweres Gerät in zarten Händen

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Mit dem 20 Tonnen schweren Harvester in die Werkstatthalle fahren, am 200 PS starken Traktor Reifen wechseln, den Vergaser einer Kettensäge reinigen oder reihenweise Rasenmäher in Gang setzen. Nichts für junge Frauen? Ganz im Gegenteil.

von Autor SOJProfil

Es ist ein ungewöhnlicher Beruf, den Antonia Kausler aus Zinst bei Kulmain nachgeht. Zumindest für eine junge Frau. Denn die 20-Jährige ist Land- und Baumaschinenmechatronikerin.

Sie erfüllte sich damit einen Kindheitswunsch. Die Faszination für Landtechnik packte die 20-Jährige schon von klein auf, als sie bei ihren Nachbarn oft mit dem Traktor unterwegs sein durfte. Die moderne Landwirtschaft ist hochtechnisiert. Tiere füttern, Äcker bearbeiten - für fast alle Arbeiten werden kleine und große Maschinen eingesetzt, welche Antonia Kausler schon früh kennenlernen konnte. So reifte in ihr der Wunsch, den Beruf der Land- und Baumaschinenmechatronikerin zu erlernen.

Praktika und Bewerbung

Während ihrer Schulzeit schnupperte sie in der Werkstatt der Firma HOWA Landtechnik GmbH in Neusorg. Wissbegierig und gebannt nahm sie dort möglichst viele Eindrücke über die Tätigkeiten der Mechaniker auf, die durch hohes Fachwissen und handwerkliches Geschick die komplizierten Maschinen am Laufen halten oder defekte Maschinen wieder gangbar machen. Letztlich hat sie den Traum in die Tat umgesetzt und sich bei HOWA um einen Ausbildungsplatz beworben.

Immer zielstrebig eignete sich Antonia Kausler während der dreieinhalbjährigen Lehrzeit Schritt für Schritt die notwendigen Kenntnisse und handwerklichen Fertigkeiten an. Mit der Tatsache, dass sie dabei die einzige Frau unter Männern war, kam sie von Anfang an problemlos klar. Auch in der Berufsschule und bei den überbetrieblichen Lehrgängen erkämpfte sie sich mit Humor und Schlagfertigkeit den Respekt ihrer Kollegen.

Antonia Kausler hat sich während ihrer Ausbildung zu einer von allen Seiten geschätzten Kollegin entwickelt und sich selbstsicher in dieser vermeintlichen Männerdomäne behauptet. Im Januar hat sie ihre Ausbildung mit der Gesellenprüfung in Neunburg vorm Wald beendet. Die Innung Oberpfalz und der Kreis Kelheim führten bei der Prüfung Regie. 45 junge Männer und Antonia als einzige Frau traten zur Prüfung an, 42 Prüflinge haben bestanden. Mächtig stolz ist nun das HOWA-Team mit Senior-Chef Norbert Horn und Junior-Chef Matthias Horn auf die überragende Leistung von Antonia Kausler: Sie erzielte die Note "Sehr gut" und war auch noch Prüfungsbeste.

"Freigesprochen"

Gerade noch rechtzeitig vor der Corona-Pandemie fand die Freisprechungsfeier für die 42 Junggesellen und -gesellinnen der Innung für Land- und Baumaschinentechnik Oberpfalz und dem Kreis Kelheim statt. Auch dort wurde Antonia Kausler herzlichst gratuliert und ihr eine Urkunde "Für hervorragende Leistung in der Gesellenprüfung" verliehen.

Die Regierung der Oberpfalz sprach ihr für ihren hervorragenden Abschluss der Berufsschule eine besondere Anerkennung aus. Zusätzlich erhielt sie einen Bildungsgutschein für Fortbildung bei der Handwerkskammer und sie wurde zum ehrenamtlichen stellvertretenden Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz berufen.

Blick in die Zukunft

Die Belegschaft der Firma HOWA Landtechnik gratulierte ebenfalls ihrer neuen Gesellin und freut sich sehr darüber, dass die junge Frau auch weiterhin das Team verstärkt. Auf ihren Wunsch hin übernimmt Antonia Kausler nun die Kleinmotorenabteilung (Kettensägen, Rasenmäher, Rasentraktoren, Schneefräsen).

Aufgrund des stetigen technischen Fortschritts und der zunehmenden Technisierung und Digitalisierung in der Branche gibt es natürlich auch weiterhin noch viele Möglichkeiten, sich mit zusätzlichen Lehrgängen und Zertifikaten fortzubilden. Als Landmaschinenmechatronikerin wird es eben nicht langweilig. Und auch die Jobsicherheit ist sehr hoch, denn das Können eines Land- und Baumaschinenmechatronikers und der Beitrag zur landwirtschaftlichen Produktion ist natürlich auch - oder vielleicht gerade - in Krisenzeiten gefragt.

Hintergrund:

Dass Frauen den Beruf der Land- und Baumaschinenmechatronikerin ergreifen, ist noch immer selten. Das zeigen die Zahlen der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz: Im Gebiet Niederbayern und Oberpfalz gab es Ende des vergangenen Jahres 531 Auszubildende im Beruf Land-und Baumaschinenmechatroniker/in, davon waren 8 weiblich (1,5 Prozent). Deutschlandweit schaut es ähnlich aus. Von 7816 Azubis in diesem Beruf waren 163 weiblich (2,1 Prozent). Im Jahr 2019 haben die Ausbildung abgeschlossen: im Gebiet Niederbayern und Oberpfalz 130 davon 2 weiblich ( 1,5 Prozent) und in Deutschland 2043 davon 36 weiblich (1,76 Prozent).

Wer möchte mehr über Frauen in Männerberufen wissen?

Weiden in der Oberpfalz
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