17.12.2018 - 11:58 Uhr
NeusorgOberpfalz

So viel Lebensqualität wie möglich

Bastian hat es nicht leicht: Geboren als extremes Frühchen, leidet er bis heute unter Spastiken, Krampfanfällen und Gleichgewichtsstörungen. Durch eine Delfintherapie macht er aber gewaltige Fortschritte.

Mama Sandra Reichl probiert gerne neue Therapieformen aus. Auf dem Tablet kann Bastian selbstständig Videos, die im gefallen auswählen und lernt dabei sich auf eine Sache zu konzentrieren.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Als Bastian vor fast zwölf Jahren zur Welt kam, war er 34 Zentimeter groß und wog gerade mal 670 Gramm. Der Junge kam als Frühchen zur Welt, in der 25. Schwangerschaftswoche. "Der Arzt meinte damals, Bastian werde nie sprechen, laufen oder ohne Sauerstoffgerät und Sonde leben können", erinnert sich sein Papa Wolfgang Reichl. Auf der Intensivstation im Krankenhaus mussten sie ihren Sohn bereits nottaufen lassen, doch danach ging es mit ihm wieder aufwärts. "Es war wie ein Wunder", sagt Mama Sandra.

Sie und ihr Mann versuchen ihrem Jungen soviel Lebensqualität wie möglich zu bieten. Und das, obwohl sie nicht viel Geld zur Verfügung haben. "Lieber stecken wir zurück, damit es ihm besser geht", meint Wolfgang Reichl. Bastian hat mehrere Spastiken, besonders betroffen ist seine linke Körperhälfte. Der Elfjährige ist an einen Rollstuhl gefesselt. "Er leidet oft unter starken Krampfanfällen und Gleichgewichtsstörungen. Bastian ist an den Stuhl festgeschnallt damit er nicht rausfallen kann", betont Sandra Reichl. Seine Eltern sind aufgeschlossen für verschiedene Therapieformen. Seit einigen Jahren macht Bastian eine Hippotherapie in Waldsassen. Dabei reitet er unter Aufsicht auf einem Pferd. Inzwischen kann er alleine auf dem Tier sitzen bleiben und braucht nur leichten Halt von außen. "Das hilft, dass Bastians Rücken und Hüften locker bleiben."

Vor zwei Jahren machte das Ehepaar einen Spendenaufruf für ihren Sohn. Es wollte ihm eine Delfintherapie ermöglichen. Die Kosten einer solchen Therapie belaufen sich auf 12 000 Euro, alleine hätte das die Familie nicht stemmen können. Nach dem Aufruf kam eine enorme Hilfsbereitschaft aus der Region. Dafür ist die Familie sehr dankbar.

"Oft wurde ich gefragt, ob die Delfintherapie was bringt?", sagt Sandra Reichl. Ihre Antwort lautet: "Ja." Schon zwei Mal flog die Familie auf die Karibikinsel Curaçao. "Dort kümmerten sich drei Therapeutinnen um Bastian. An zehn Tagen trainierten sie mit ihm jeweils für zwei Stunden", berichtet Wolfgang Reichl. Bastian absolvierte verschiedene Übungen. Beispielsweise sollte er auf einem Xylofon musizieren, bei Massagen ruhig halten und Trainingsgeräte richtig bedienen.

Immer wenn er seine Aufgaben richtig löste, durfte er als Belohnung mit den Delfinen schwimmen. Mit Hilfe der Therapeuten durfte er mit den Tieren kuscheln, spielen oder sie füttern. Bei der letzten Delfintherapie in diesem Jahr wurden die Eltern in therapeutische Maßnahmen involviert. "Wir lernten spezielle Massagen, Dehnübungen und wie man Bastians Muskeln stimuliert."

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Ab und an bekommt Bastian Wutkrämpfe. Jetzt weiß Papa Wolfgang wie er damit umgeht: "Als Anhaltspunkt gebe ich ihm meinen Daumen, damit er seine Hand darum klammern kann. Dann warte ich darauf, dass er sich wieder entspannt." Nach der Delfintherapie machte Bastian enorme Fortschritte. "Zuvor konnte er seine linke Hand nicht kontrollieren. Mittlerweile kann er den Lenker eines Therapiefahrrades festhalten", erzählt Sandra Reichl. "Bastian verbringt am liebsten Zeit draußen. Auf dem Rad kann er schon ein bis zwei Stunden mit uns Fahrrad fahren." Außerdem spricht Bastian seit der zweiten Therapie in ganzen Sätzen. So sagt er: "Mama, ich hab Hunger" oder fragt "Fahren wir mit dem Auto?". "Die Therapie machte Bastian selbstbewusster und aufgeschlossener. Er kann jetzt auch viel besser auf andere zugehen", meint sein Vater.

Ende November ist Familie Reichl umgezogen, von Pullenreuth nach Neusorg. Das alte Haus war nicht behindertengerecht gebaut. Es gab keine Heizung, die Räume waren eng. Weil das Bad zu klein war, konnte Bastian nicht mit dem Rollstuhl hineinfahren. Seine Mutter badete ihn oft in der Küche, weil das einfacher ging. Bastians Zimmer befand sich im ersten Obergeschoss. Mutter Sandra trug ihn immer eine schmale Holzwendeltreppe nach oben. Eine Sanierung wäre teuerer gewesen als ein Neubau.

"Eigentlich wollten wir in Pullenreuth bleiben. Aber da haben wir kein Grundstück bekommen. Lange hat Wolfgang Reichl mit der Bank gekämpft, um die Finanzierung zu sichern. "Ein Jahr hat es gedauert, bis wir mit dem Bau loslegen konnten." Im neuen Haus kann Bastian überall hinfahren, wo er möchte. Problemlos gelangt er von Raum zu Raum. Im Bad gibt es jetzt genügend Platz, um ans Waschbecken zu fahren oder zu duschen. "Wir können jetzt auch endlich im Haus verstecken oder fangen spielen", sagt Papa Wolfgang. Sein größter Wunsch wäre es, irgendwann einmal an der Hand mit seinen Sohn spazieren zu können.

Aber kaum ist ein Projekt abgeschlossen, steht das nächste an. Bastian liebt Autofahren. Um ihn in den eigenen Pkw zu setzen, müssen ihn seine Eltern aus dem Rollstuhl heben und ihn sowie seinen Stuhl ins Auto heben. "Noch geht das ganz gut, aber Bastian wächst und wird schwerer", erklärt Sandra Reichl. Aus diesem Grund benötigt die Familie ein neues Fahrzeug, das sich behindertengerecht umbauen lässt.

Da auch diese Maßnahme teuer ist und von den Krankenkassen nicht bezuschusst wird, wandten sich die Eltern an Daniela Pscherer von Sonnenblicke e. V. "Wir wollen schwer kranken Kindern helfen. Dieses Jahr haben wir Bastian bei uns aufgenommen", betont Daniela Pscherer von Sonnenblicke Nordoberpfalz. Rund 30 000 Euro werden der Pkw und der Umbau kosten.

Spendenkonto:

Um sich ein behindertengerechtes Fahrzeug anschaffen zu können, benötigt Familie Reichl Spenden. Wer helfen möchte, kann einen Betrag an folgendes Konto überweisen:

Empfänger: Sonnenblicke Nordoberpfalz e. V.

IBAN: DE 92 7706 9764 0003 2374 51

BIC: GENODEF1KEM

Verwendung: Bastian Reichl.

Weitere Informationen dazu gibt es auf der Webseite von Sonnenblicke e. V.

Eine Hippotherapie hilft Bastian, der sonst an einen Rollstuhl gebunden ist, dass sein Rücken und seine Hüften locker bleiben. Seit zwei Jahren kann er alleine auf einem Pferd sitzen.
Mit Trainingsgeräten wie diesem lernt Bastian, seinen Körper besser zu kontrollieren. Durch die Delfintherapie kann er das Gerät lange mit der linken Hand festhalten. Das macht seine Eltern stolz.
Zwei Delfintherapien hat Bastian Reichl hinter sich. Der Elfjährige machte dadurch enorme Fortschritte in seinem Alltag.
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