04.06.2018 - 17:52 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Ansteckende Freundschaft

Die Neustädter beweisen in Polen Ausdauer. Als einzige der 21 Delegationen besuchen sie am Sonntag auch noch den Gottesdienst zum Abschluss des Freundschaftstreffens, obwohl sie dann noch lange im Bus sitzen.

Mit einem fröhlichen „Pozdrawiamy“ – wir grüßen euch – erntet die Neustädter Delegation viel Zuspruch beim Festzug in Polen.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Die Erwartung der Teilnehmer am 40. Treffen der Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa haben sich wohl mehr als erfüllt. Eigentlich hätte es ein Heimspiel für die Oberpfälzer werden sollen. Geplant war, dieses Treffen der Neustädte als Höhepunkt zum Stadtjubiläum an die Waldnaab zu holen. Doch dann kam alles ganz anders und wurde zu einem gelungenen Freundschaftsfest in Nowe Miasto nad Pilica mit offiziellem Abend, Bürgermeisterempfang, viel Kultur, einem Feuerwerk sowie einem Pontifikalgottesdienst im Freien.
Zum Hintergrund: Ursprünglich wollte das polnische Städtchen bereits 2016 das Treffen ausrichten, zog die Bewerbung kurzfristig zurück. Neustadt an der Weinstraße sprang ein. Die Polen äußerten für 2018 den Wunsch, die verpasste Chance nachzuholen. "Es war richtig, dass der Stadtrat dem Vorschlag des Bürgermeisters gefolgt ist, ihnen den Vortritt zu lassen", resümierte Stadtrat Hermann Schmid auf der Rückfahrt.
Ziel sei es, das Verständnis zwischen den Menschen zu stärken, aufeinander zuzugehen und Vorurteile abzubauen, lautete der Tenor aller Redner bei der Auftaktveranstaltung am Freitagabend im Hotel Ossa bei Rawa Mazowiecka. "Ich glaube, dass es das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg ist, dass eine deutsche Stadt eine Fahne unter friedlichen Bedingungen an eine polnische Stadt übergibt", betonte der gastgebende Bürgermeister Mariusz Dziuba, als er auf der Bühne von seinem Amtskollegen Frank Rebhan aus Neustadt bei Coburg das Symbol der Städtefreundschaft entgegennahm. "Als Ausrichter des vergangenen Neustadt-Treffens freut es mich ganz besonders, dass wir in diesem Jahr den Brückenschlag von Deutschland nach Polen vollziehen."
Dass die Begegnung für beide Seiten ungewohnt war, zeigte sich beim Festzug am Samstag. Er war aber auch ein Zeichen, wie schnell und einfach es ist, aufeinander zuzugehen. Bürgerwehr, Marketenderinnen, die Frauen des Trachtenvereins, Pater Rafau, Bürgermeister, Stadträte, Zupfer-Moidln undeinige weitere Neustädter waren beeindruckt von der Begeisterung der Zuschauer. "Ein Höhepunkt war für mich der Umzug", bekannte Pater Rafau.
Die Neustädter Gruppe habe ihn gebeten, ihnen schnell etwas auf Polnisch beizubringen. "Pozdrawiamy" - wir grüßen euch - riefen die Deutschen den Einheimischen am Straßenrand zu. "Da hat man gemerkt, wie überrascht und froh meine Landsleute waren, etwas auf Polnisch von den Gästen zu hören." Bei den Gruppen zu Beginn des Zuges war das noch anders. "In Polen kennt man so einen Festzug kaum", berichtete Rafau. Mit Tänzen und kleinen Geschenken sorgten die Teilnehmer aus 21 Neustädten aus vier Ländern für die wachsende Begeisterung.
Trotz eines gewittrigen Nachmittags folgte auf dem Festgelände unter großen Bäumen dann ein mitreißendes Kulturprogramm. Nach den Darbietungen von Schülern aus Nowe Miasto nad Pilica enterte eine Rockband die Bühne. Dann überraschte eine dreistündige Musicalgala mit zahlreichen Sängern und Tänzern des Teatr Broadway aus Stettin. Vor dem halbstündigen Feuerwerk lockte ein Sänger auf der Bühne viele polnische Jugendliche an. Leider waren zu diesem Zeitpunkt mit Ausnahme der Oberpfälzer die meisten Deutschen bereits auf der langen Heimreise oder im Hotel.
Beim Pontifikalgottesdienst am Sonntag wirkte Pater Rafau als Konzelebrant mit. Der Sonntag sei ein Tag zur Erholung, für Begegnungen mit Freunden und Familien für die Familie sowie für das Gebet und die Begegnung mit Gott, habe Erzbischof Marek Jedrazewski aus Krakau gesagt, berichtete Rafau über den Inhalt der halbstündigen Predigt.
Außerdem habe er vom seligen Honorat erzählt, der Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts in Nowe Miasto nad Pilica wirkte. Er habe über zehn Ordensgemeinschaften gegründet und sich beispielsweise um die Betreuung behinderter Kinder in speziellen Einrichtungen gekümmert. Zum Abschluss der Messe erhielten die Zupfer-Moidln viel Applaus für ein spontanes Lied.

 

 

 

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