07.07.2021 - 10:41 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Am Bau ist manches Material Mangelware

Wer neu bauen oder ein bestehendes Gebäude renovieren will, muss momentan tiefer in die Tasche greifen. Nicht nur Holz, auch andere Baustoffe wie Stahl oder Dämmmaterial sind teuer - und knapp.

Bei Neubauten kann es wegen Lieferengpässen von Rohstoffen aktuell zu längeren Wartezeiten kommen.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Das Statistische Bundesamt führt in einer Pressemitteilung die starken Preissteigerungen im Mai 2021 auf eine erhöhte Nachfrage während der Corona-Pandemie und Lieferengpässe bei Rohstoffen zurück. So war Betonstahl in Stäben im Mai 2021 um 44,3 Prozent teurer, Betonstahlmatten kosteten 30,4 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Betonstahl wird unter anderem zur Verstärkung von Bodenplatten, Decken oder Wänden eingesetzt. Wie reagiert die Baubranche in der Region darauf? Wir haben uns bei einigen Betrieben und einer Behörde umgehört.

  • Pravida Bau GmbH, Pressath

Knapp sind derzeit Elektrokabel und alles, was mit Kunststoff zu tun hat, also zum Beispiel Rohre, sagt Otto Pravida. Der Geschäftsführer der Pravida Bau GmbH in Pressath vermutet allerdings, dass diese Baustoffe "nur knapp gehalten werden". Die Großindustrie versuche, "die Märkte abzuklopfen". Wegen Massenartikeln wie Schrauben, Kabel oder Rohren könnte es zu längeren Wartezeiten kommen. So etwas habe Pravida in den 40 Jahren, in denen er nun schon im Geschäft ist, noch nicht erlebt. "Bauunternehmen sollten ein Viertel- oder halbes Jahr zusperren und kein Material mehr abnehmen", ärgert sich Pravida. Seine Firma sei jedoch nicht ganz so stark betroffen, weil die Lager rechtzeitig aufgefüllt worden seien. Die Entwicklung habe bereits im Januar und Februar eingesetzt, deswegen habe er im Frühjahr auch bereits Dämmmaterial geordert. "Man muss etwas weiterdenken und zum Beispiel Zimmertüren schon vor Baubeginn bestellen und nicht erst wie bisher wenn der Rohbau fertig ist."

Eine Preissteigerung hat Pravida ebenfalls festgestellt. So habe eine Tonne Baustahl im Herbst um die 650 Euro gekostet, nun seien es 1050 Euro. Insgesamt sei Baumaterial um etwa ein Drittel teuerer geworden, Kosten für Einfamilienhäuser seien seit 2019 um 15 Prozent gestiegen. Es gibt aber noch ein weiteres Problem: "Rohstoffe werden irgendwann zur Neige gehen", weiß der Pressather. Der Forderung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), mineralische Abfälle wie Abbruch und Bauschutt künftig öfter als Ersatzbaustoffe für neue Bauten einzusetzen, steht er aber kritisch gegenüber. Einerseits "denkt niemand dran, dass das auch Wertstoffe sind", andererseits müssten in Sachen Recycling sofort politisch umsetzbare Lösungen her. "Von Industrie und Handwerk gäbe es zielführende Ansätze, aber die bürokratischen Hürden sind zu hoch", bedauert Pravida.

  • Hierold Bau GmbH, Moosbach

Die Moosbacher Firma Hierold Bau betreibt seit über 20 Jahren Recycling. Baustoffe wie Beton, Putz oder Bruchstein werden für Wegebau, Unterbau von Hallen oder Bodenverbesserung aufbereitet und wiederverwendet, informiert Geschäftsführer Josef Hierold. Das Unternehmen sei ausschließlich im Tiefbau unterwegs und habe derzeit keine großen Probleme. Höchstens Rohre "sind ein Thema", sagt Hierold.

  • Kreisbaumeister Werner Kraus, Landratsamt Neustadt

Das beste Recycling wäre, ein bestehendes Haus weiterhin nachhaltig zu nutzen statt es abzureißen, findet Kreisbaumeister Werner Kraus vom Landratsamt Neustadt. Allerdings komme das natürlich auf den Zustand des Gebäudes an. Außerdem entscheide der Preis: "Wenn Material günstig auf dem Markt ist, wird man sich für neues entscheiden." Die aktuelle Entwicklung sieht Kraus in weltpolitischen Zusammenhängen begründet, die von der Pandemie beeinflusst werden. Rohstoffknappheit resultiere auch daher, dass die Produktion bestimmter Materialien wegen gesunkener Nachfrage oder krankheitsbedingter Ausfälle zurückgefahren worden sei. Und Länder wie China oder die USA, in denen die Konjunktur wieder früher angesprungen sei, würden Produkte zunächst im Inland nutzen.

Bauvorhaben des Landkreises wie die Generalsanierung des Neustädter Gymnasiums seien weniger betroffen, da hier die Aufträge längst vergeben worden waren und die Firmen Vorräte hätten, betont der Kreisbaumeister. Schwierigkeiten könnte es bei der Zulieferung von speziellen Bauteilen geben. Problematischer sei die ganze Situation allerdings für neuere Maßnahmen, vermutet Kraus.

  • Reim + Kraus Bau GmbH, Schirmitz

Ausschließlich im Sanierungsbereich ist die Reim + Kraus Bau GmbH in Schirmitz tätig. Mineralputz, Mörtel oder Beton seien aktuell nicht knapp, erklärt Geschäftsführer Peter Kraus. Engpässe gebe es bei Kunststoffrohren für Kanäle und Lieferzeiten bis drei Monate oder länger beim Vollwärmeschutz für Gebäude. Doch Kraus vermutet eine gewisse "Hysterie dahinter". Die Pandemie sieht er ebenfalls nicht als Grund für die Situation. Denn: "Gebaut wird immer, und wenn das Handwerk nicht durchgearbeitet hätte, wäre Deutschland jetzt pleite."

  • Josef Reger Bau GmbH, Vohenstrauß

"Die aktuellen Lieferengpässe bei bestimmten Materialien haben wir gut im Griff, weil wir rechtzeitig disponiert haben", informiert Marco Heinz, Einkaufsleiter bei der Josef Reger Bau GmbH. Die Vohenstraußer Firma recycle zudem Baustoffe und verwende sie als Auffüllmaterial oder Frostschutz wieder. Nichtsdestotrotz seien Baustahl und Betonstahl teuer und teilweise auch Mangelware. Abflussrohre oder Dämmstoffe zu bekommen, sei ein Riesenproblem.

Auswirkungen für Bauherren und Firmen seien Kostensteigerungen, längere Lieferzeiten oder erhöhter Planungsaufwand. Beim Verkauf schlüsselfertiger Häuser bleibe ein Bauunternehmen nun auf den Mehrkosten sitzen. Neue Baustellen seien schwer zu kalkulieren, weil weitere Preiserhöhung von Herstellerseite schon angekündigt seien, informiert der Sprecher. Auch die Globalisierung spiele eine Rolle, denn Teile kommen aus vielen Ländern. Wenn nur ein Glied der Lieferkette unterbrochen werde, bedeute dies sofort Wartezeiten. Zudem seien Transportkosten gestiegen und Frachtraum in Schiffen, der früher beispielsweise mit Granit aus China aufgefüllt worden war, werde nun für andere Ware genutzt. Corona habe sich Heinz zufolge zeitverzögert auf die Situation ausgewirkt. Voriges Jahr seien Lager noch gut gefüllt gewesen, nach dem zweiten Lockdown im November hätten viele Hersteller die Produktion zurückgefahren und kämen nun nicht mehr hinterher.

Lesen Sie hier einen Beitrag über die Situation auf dem Holzmarkt

Neustadt an der Waldnaab

Hier finden Sie die Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts

Bei Neubauten kann es wegen Lieferengpässen von Rohstoffen aktuell zu längeren Wartezeiten kommen.
Bei Neubauten kann es wegen Lieferengpässen von Rohstoffen aktuell zu längeren Wartezeiten kommen.
Hintergrund:

Bauanträge im Landkreis Neustadt seit 2019

  • 2019: 945
  • 2020: 1000
  • erstes Halbjahr 2021: bisher 587 (Stichtag 25. Juni)

Berücksichtigt wurden Baugenehmigungen, Baugenehmigungen-Sonderbau, Tektur, Tektur-Sonderbau, Werbeanlagen, isolierte Abweichungen, isolierte Befreiungen, Vorbescheide und Denkmalschutz.

"Rohstoffe werden irgendwann zur Neige gehen."

Otto Pravida, Geschäftsführer der Pravida Bau GmbH in Pressath

 

 

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