11.09.2020 - 17:04 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Baum des Jahres 2020: Die robuste Robinie eine Baumart der Zukunft

Sie ist eine Sonnenanbeterin, anspruchslos und hat kaum Schädlinge oder Feinde: Die Robinie wurde nicht umsonst zum Baum des Jahres 2020 gewählt. Doch unter Naturfreunden ist sie umstritten.

von Kathrin Moch Kontakt Profil

Auf 120 bis 130 Jahre schätzt Forstdirektor Gerhard Hösl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) die Robinie, die an der Serpentine Richtung Mühlberg in Neustadt ihre knorrigen Äste in die Höhe reckt. "Die Robinie wächst immer zum Licht." Bis zu 30 Meter hoch kann die Baumart, die vor rund 300 Jahren von Nordamerika nach Europa kam, werden. "Sie ist ein richtiger Waldbaum." 2020 steht dieser Waldbaum besonders im Mittelpunkt: Die Robinie wurde zum Baum des Jahres gekürt.

Baum der Zukunft

Bei der Wahl ihres Standortes sei die Robinie anspruchslos und könne auch unter extremen Standortbedingungen gedeihen, so Hösl. "Die Robinie hält auch heiße Temperaturen und trockene Standorte aus. Das macht den Baum für uns für die Zukunft interessant." Aktuell seien der Klimawandel und damit einhergehende Veränderungen, zum Beispiel im Schädlingsbefall, die größten Herausforderungen in der Forstwirtschaft. "Die Robinie ist eine Baumart an die man im Klimawandel denken sollte." Mitunter deswegen sei sie auch zum Baum des Jahres ernannt worden.

Die alte Robinie in Neustadt ist für den Revierleiter der Forstdienststelle Neuhaus, Andreas Arnold, ein ideales Beispiel für ihre Robustheit: "Drumherum erkennt man bereits zwei abgestorbene Kiefern. Eigentlich kommt auch die Kiefer gut mit Trockenheit zurecht." Die Hitze der vergangenen Jahre habe ihnen zugesetzt. "Was stehen bleibt, sind die Robinie und die Eiche."

Wertvolles Holz

Ein besonders schönes Schauspiel ist außerdem die Blüte der Robinie im Frühjahr. Fliederartige weiße Blüten hängen dann am ganzen Baum. "Das ist natürlich wertvoll für die Bienen", sagt Hösl. Da die Robinie auch als "falsche Akazie" oder "Scheinakazie" bekannt ist, kann aus ihrem Nektar Akazienhonig hergestellt werden.

In Amberg wird der Baum des Jahres gepflanzt

Amberg

Wertvoll ist aber auch das Holz der Robinie. "Es ist viel dichter und fester als andere Holzsorten. Es eignet sich gut für den Außeneinsatz, da es kaum verwittert." Im Forst würden manchmal Robinien-Stäbe zur Befestigung im Boden verwendet. "Alle anderen Baumarten faulen innerhalb von ein bis zwei Jahren zusammen." Von den heimischen Arten hat nur die Hainbuche noch dichteres und härteres Holz.

Robinie bei Naturfreunden nicht beliebt

Unumstritten ist der Hoffnungsträger Robinie nicht. Vor allem Naturschützer melden Zweifel an, befürchten eine Verdrängung der heimischen Arten. "Die Robinie kann sich durch Wurzelbrut und Stockausschlag vermehren." Stockausschlag bedeutet, dass ein Baum wieder treibt, nachdem man ihn abgeschnitten hat. Bei der Wurzelbrut entstehen Triebe aus den flachen Wurzeln. Dadurch kann sie bestehende Wälder unterwandern und sich ausbreiten. Hösl relativiert das Gefahrenpotenzial: "Da sie viel Licht benötigt, ist das in geschlossenen Wäldern sehr unwahrscheinlich."

Eine Gefahr für den heimischen Baumbestand sieht Hösl auch aus einem weiteren Grund nicht: "Sie hat zwar Potenzial Flächen schnell einzunehmen. In Deutschland hat die Robinie aber eine Verbreitung von circa 0,3 Prozent, in Bayern noch weniger." Anders sehe die Lage beispielsweise in Ungarn aus, dort liege das Hauptverbreitungsgebiet der Robinie in Europa.

Ziel: Mischung im Bestand

Hinzu kommt, dass die Robinie giftig und damit nicht ungefährlich für Mensch und Tier ist. Arnold erzählt von einem Alpakabesitzer, der die Tiere in der Nähe von Robinien hielt. "Die sind alle eingegangen, weil sie die Blätter gefressen haben." So zart die gefiederten Blätter der Robinie anmuten, so gefährlich sind allerdings die Dornen, die vor allem bei jungen Bäumen auf Griffhöhe sitzen.

Der Baum des Jahres 2019: Flatter-Ulme

Amberg

Dennoch plädieren beide Waldexperten für eine möglichst große Bandbreite an Baumarten in den Wäldern, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Niemand wisse schließlich genau, wie sich der Klimawandel noch auswirken wird, sagt Hösl. Arnold meint: "Das Ziel ist eine gute Mischung im Bestand, um auch in der Zukunft noch stabile Wälder zu haben." Im Amtsbereich habe es bereits erste Versuche gegeben, wo einer Neukultur Robinien beigemischt wurden. Wer einmal eine Robinie in voller Pracht sehen möchte, findet entlang des Mühlbergweges in Neustadt zahlreiche ausgewachsene und junge Exemplare.

Info:

Steckbrief der Robinie

  • Kam vor rund 300 Jahren von Nordamerika nach Europa
  • Charakteristisch sind kleine runde Blättchen, die federartig angeordnet sind
  • Fliederartige Blüten im Mai und Juni
  • Wird circa 20 bis 30 Meter hoch
  • Stark lichtbedürftig
  • Hält trockenen, heißen Sommern stand (und ist deshalb eine relevante Baumart im Klimawandel)
  • Vermehrt sich über Wurzelbrut und Stockausschlag (und ist deshalb bei Naturfreunden umstritten)
  • Die ganze Pflanze gilt als giftig
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