20.02.2019 - 14:23 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Blühende Bäume vors Schloss

Bonsai-Bäume will der Stadtrat nicht vor dem Schloss stehen haben. Doch Mammutgewächse werden es wohl auch nicht. Das Problem liegt unter der Erde.

Der Bauausschuss und Experten des Landratsamtes sprechen vor dem Hof zwischen Altem und Neuem Schloss über die künftige Gestaltung mit zwei Bäumen.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Dass die Eibe auf der linken Seite des Hofes zwischen Altem und neuem Schloss keine echte Zierde auf dem Stadtplatz ist, darüber war sich der Stadtrat schon im Dezember einig. Die Robinie dagegen gefiel den Räten an dieser Stelle schon. Mit dem, was an dieser Stelle künftig grünen soll, beschäftigte sich jetzt der Bauausschuss. Schließlich handelt es sich um städtischen Grund.

Hintergrund der Fragestellung ist der Plan des Landratsamtes, beide Gehölze zu entfernen. Zum einen soll ein Wegweiser hier vom Grün unverdeckt seine Dienste leisten. Zum anderen drückt die derzeit blätterlose Robinie gegen die Hofmauer und wird deshalb noch in diesem Monat gefällt. Nach dem 28. Februar darf er zum Schutz nistender Vögel gemäß Bundesnaturschutzgesetz nicht mehr abgesägt werden.

Zur Besprechung vor Ort waren vom Landratsamt Kreisbaumeister Werner Kraus und Landschaftsarchitektin Claudia Saller gekommen. Wegen des Kanals, der nah an der Mauer vorbeiführt, riet Saller von einem großen, schnell wachsenden Baum ab. "So groß wie oben die Krone ist auch unten die Wurzel", gab sie den Räten als Faustformel vor.

Sie sprach von einem extremen Standort für einen Baum mit viel Wärme und wenig Wasser. Der Klimawandel trage sein übriges dazu bei. Die Robinie werde groß, brauche ständigen Rückschritt und wurzele sehr weitläufig. Es brauchte nicht viele Worte der Fachberaterin für Außenanlagen, die Mitglieder des Bauausschusses davon zu überzeugen, den ursprüngliche Beschluss des Stadtrates zu verwerfen. Der hatte sich für deren Erhalt auf der einen und Neupflanzung auf der anderen Seite des Tores ausgesprochen. Sallers Vorschlag: "Stadtbäume, die nicht so schnell in den Kanal wurzeln."

Vier Ideen hatte sie für die Mitglieder des Bauausschusses parat:

  • Baummagnolie: Sie blüht im Frühjahr weiß und erreicht fünf bis sieben Meter Höhe. In den vergangenen Jahren hat sie sich als Alleebaum bewährt.
  • Eisenholzbaum: Er ist anpassungsfähig, wächst langsam bis zu einer Höhe von sechs bis sieben Metern nach vielen Jahren. Im Frühjahr zeigt er rote Blüten und im Herbst eine schöne Färbung.
  • Blumenesche: Sie präsentiert im Mai eine prächtige Blüte. Die pyramidale Form kommt auf sechs bis acht Meter Höhe. Der Baum verträgt Hitze und Trockenheit, ist sehr gesund und resistent gegen das Eschentriebsterben.
  • Hainbuche "Frans Fontaine": Das schlanke, säulenförmige Gewächs wird etwa acht Meter hoch und gilt als gesunde und robuste heimische Baumart.

"Ich hätte die Magnolie toll gefunden", gab Saller ihre persönliche Präferenz an. "Ein Magnolienpaar würde eine schöne Eingangszene auch zum romantischen Barockgarten schaffen und gut zum Stadtplatz passen." Doch jede der vier Baumarten habe gute Eigenschaften für diese Stelle.

Die Idee eines Rosenspaliers brachte Martin Filchner ins Gespräch. Er verwies auf die gegenüberliegende Seite des Stadtplatzes, wo sich beispielsweise bei Fahrrad Frisch Rosen an den Fassaden emporranken. Optisch passen, würde das, meinte Saller. Allerdings seien die Rosen anfällig und bräuchten viel Wasser.

Am Ende folgte das Gremium der Meinung von Rupert Troppmann. Dem Bürgermeister gefiel der Vorschlag mit den blühenden Bäumen, die wenig Pflege bräuchten. Auch sollten sie nicht zu groß werden, um den Blick auf die historischen Gebäude nicht zu beeinträchtigen. Eine Entscheidung, welche das sein werden, wird der Stadtrat am Dienstag, 12. März, treffen. Gepflanzt wird dann im Herbst. Bis dahin soll eine Zwischenlösung für Grün sorgen, wie sie schon im vergangenen Jahr mit Gräsern rechts des Tores gepflanzt war.

Der Bauausschuss und Experten des Landratsamtes sprechen vor dem Hof zwischen Altem und Neuem Schloss über die künftige Gestaltung mit zwei Bäumen.
Zwei knorrige Bäume:

Bäume gibt es an dieser Stelle schon lange, erinnert sich Ludwig Fritsch, der bereits als kleiner Bub vom Haus auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtplatzes den Hof des Schlosses im Blick hatte. Die Robinie, die jetzt gefällt wird, ist nach seinen Worten ein Wildwuchs aus den Wurzeln der ehemaligen knorrigen Bäume an dieser Stelle. Für Fritsch haben sie dem Schlossplatz ein "altes ehrwürdiges Aussehen verliehen." Vor dem Zweiten Weltkrieg habe man diese Bäume sehr gepflegt und klein gehalten, wusste er. (ui)

Der Bauausschuss und Experten des Landratsamtes sprechen vor dem Hof zwischen Altem und Neuem Schloss über die künftige Gestaltung mit zwei Bäumen.
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Der Bauausschuss und Experten des Landratsamtes sprechen vor dem Hof zwischen Altem und Neuem Schloss über die künftige Gestaltung mit zwei Bäumen.
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