02.11.2020 - 19:24 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Dachstuhl knickt ein: Notabriss in Neustadt

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„Mit einem Schlag ist der Dachstuhl heruntergekommen“, beschreibt die Eigentümerin den Moment, als Balken nachgaben und Ziegel herunterstürzten. Zutage kommt bei dem Unglück auch ein Streit mit dem Denkmalschutz.

Mit den Händen unterstützten die Feuerwehrleute den Notabriss des alten, maroden Hauses in der Freyung, nachdem der Dachstuhl eingeknickt war. Bretter schützen das Nachbaranwesen.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

„Ist jemandem etwas passiert?“, war der erste Gedanke, den die Besitzer hatten, als es am Sonntagvormittag buchstäblich gewaltig im Gebälk des Elternhauses des jetzigen Besitzers krachte. Das war nicht der Fall. Der Dachstuhl war in der Mitte durchgeknickt und drohte die Giebel wegzuschieben. Das über 300 Jahre alte Gebäude steht seit langer Zeit leer, ist sich selbst überlassen. Nach dem ersten Schreck informierten die Eigentümer, die ungenannt bleiben wollen, das Landratsamt.

Notabriss in Neustadt

Sachgebietsleiter Marcus Rudnik besichtigte den Schaden, sah unmittelbaren Handlungsbedarf und rief die Polizei. Der Dachstuhl war eingeknickt, das Haus einsturzgefährdet. Die Polizei alarmierte gegen 14 Uhr die Feuerwehr. Die rückte mit 18 Helfern an. Gegen 18 Uhr war der Einsatz beendet, berichtete Kommandant Michael Spranger. Mit vor Ort waren auch das THW aus Weiden mit 9 Leuten und zwei Bagger eines benachbarten Unternehmens sowie das Rote Kreuz.

Das THW schickte einen Fachberater und zog einen Bausachverständigen hinzu. Schnell war klar, dass Abstützmaßnahmen wenig Sinn hätten. Die Balken waren komplett morsch, zum Teil gebrochen, berichtete Thomas Schiller vom Technischen Hilfswerk. „Fensterstürze waren herausgebrochen, das Mauerwerk porös.“ Notabriss lautete die Entscheidung.

Die erste Meldung vom Einsturz

Neustadt an der Waldnaab

Feuerwehr und THW sicherten die Fassade des ebenfalls historischen Nachbarhauses durch Holzplatten. Bagger trugen Ziegel und Gebälk ab. Feuerwehr-Kommandant Spranger sprach von einem einmaligen Einsatz, wie er ihn in 40 Jahren noch nicht erlebt hatte. Die Kosten der Aktion muss der Hausbesitzer tragen.

Länger als 30 Jahre steht das Haus bereits leer. Schon der Schwiegervater habe es nicht so nutzen und verändern dürfen, wie er es gerne gewollt habe. „Uns sind die Hände gebunden“, sagt die Besitzerin. Auch wie es weitergehe, wisse sie nicht. „Darüber entscheidet der Denkmalschutz.“ Der war zwar am Sonntag vor Ort, bat aber am Montag, vor weiteren Auskünften noch warten zu dürfen. In der bayerischen Denkmalliste ist das ehemalige Wohnstallhaus als eingeschossiger Steildachbau beschrieben.

Hintergrund:

Vor über 300 Jahren erbaut

Das Haus Freyung 23 gehört zu den ältesten noch erhaltenen Häusern der Stadt. Ob sich an dieser Stelle die 1621 abgerissene Judenschule befand, ist nicht gesichert. Man kann allerdings davon ausgehen, das die vier bis sechs in der Stadt ansässigen jüdischen Familien in diesem Bereich der Freyung wohnten.

  • Nach den Steuerlisten ist das Haus um 1700 von dem Maurer Bartl Fogenauer erbaut worden und blieb über 100 Jahre im Besitz dieser Familie.
  • Um 1800 taucht als Besitzer Rubner Baptist auf.
  • Von 1832 bis etwa 1875 gehört es dem Drechsler Felix Walch.
  • Um 1875 geht das Haus in den Besitz der Familie Reichl über, die aus Meerbodenreuth stammt und bis heute in der Freyung ansässig ist.
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