Neustadt an der Waldnaab
01.07.2021 - 15:36 Uhr
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Digital arbeiten, regional kaufen, sauber tanken: Neustadt/WN bastelt an der Zukunft

Betriebe produzieren mit Hilfe von Wasserstoff, Fachkräfte kehren aus Metropolen zurück nach Luhe oder Waidhaus und kaufen ihre Lebensmittel bei Direktvermarktern ein. Drei Beispiele für eine Zukunftsvision des Landkreises Neustadt/WN.

Links eine Biogasanlage, dahinter ein schwimmendes Photovoltaikfeld und rechts eine Wasserstofftankstelle. Die Grafik zeigt keinen Hintergrund aus dem Landkreis Neustadt. Trotzdem stellt sich das Landratsamt so in etwa die energetische Zukunft zwischen Eslarn und Eschenbach vor. Grafik: © BMVI / Urheber: David Borgwardt
Links eine Biogasanlage, dahinter ein schwimmendes Photovoltaikfeld und rechts eine Wasserstofftankstelle. Die Grafik zeigt keinen Hintergrund aus dem Landkreis Neustadt. Trotzdem stellt sich das Landratsamt so in etwa die energetische Zukunft zwischen Eslarn und Eschenbach vor.

Gefühlt war es während der Lockdown-Monate auch im Landratsamt still. Doch still heißt nicht Stillstand. Das offenbart die Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses. Dort präsentieren einzelne Sachgebiete, was sie in Sachen Marketing, Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement auf die Beine stellen. Allerdings schwebt über allen Konzepten die Pandemie.

Impfstoff und Hunde

Um Corona zu bekämpfen, kann man auch PR-Instrumente nutzen, zeigt Öffentlichkeitsarbeiter Hannes Gilch. Wo sonst die Vorzüge des Landlebens wie günstiger Wohnraum und intakte Gemeinschaft im Internet beworben werden, haben er und seine Mitstreiter um Ostern herum massiv die Impfkampagne in der Region angeschoben. Hintergrund: Viel zu wenige Landkreisbürger haben sich zu diesem Zeitpunkt für die Covidimpfung registrieren lassen.

Dass die Seite new-perspektiven.de samt ihrer Ableger auf Facebook, Instagram und Youtube wirkt, macht Gilch an Besucherzahlen fest. Zwei einzelne Facebook-Posts hätten es auf eine Reichweite von 60167 Klicks gebracht. Die Folge sei eine massive Zunahme von Impf-Registrierungen gewesen. Zusätzlich hätten zwei Wochen Radiowerbung mitgeholfen.

Interessant dabei: Die Zielgruppen der Facebook- und Instagramkampagnen unterscheiden sich im Landkreis kaum, hat Gilch beobachtet. Die Online-Auftritte des Landkreises verfolgen am intensivsten Frauen und Männer inzwischen 20 und 45 Jahren. "Die wollen wir auch erreichen. Das ist die Lebensphase, wo wichtige Entscheidungen wie Familie, Hausbau und beruflicher Weg fallen."

Damit dabei die Nordoberpfalz eine Rolle spielt, will das Landratsamt möglichst viele Felder bespielen. Das geht von digitalen Baubroschüren über ein Firmenverzeichnis, Angebote für Familie und Jugendliche bis zu ganz emotionalen und schrägen Ansätzen. Etwa diesem: Unter #dogsofnew erzählen drei Hunde aus ihrer Perspektive, warum sie das Landleben lieben.

Dem Chef gefällt's: "Renommierte Agenturen bestätigen uns, dass wir damit Durchschlagskraft erreichen", sagt Landrat Andreas Meier. Damit ist auch gemeint, Abwanderung in Ballungsräume zu verhindern und Abgewanderte zur Rückkehr in die Heimat zu animieren.

Wasserstoff und Betreuung

An den ökonomischen Bedingungen soll es nicht scheitern, macht Wirtschaftsförderin Barbara Mädl deutlich. Industrie und Handwerk seien gut durch die Coronakrise gekommen. "Die Nachfrage nach Plätzen in Gewerbegebieten ist nach wie vor hoch." Auch Mädls Abteilung hat im vergangenen halben Jahr auf Covid-Modus umgestellt. Bei der Kommunikation mit Unternehmen hat die Wirtschaftsförderung vor allem mit Arbeitsschutzkonzepten oder Serviceleistungen wie Einreiseinformationen für tschechische Mitarbeiter Hilfestellung gegeben.

Da zur Wirtschaftsförderung auch Bildung gehört, forciert die Kreisverwaltung einen neuen Beruf: die Fachkraft für Grundschulkindbetreuung. Hintergrund ist der Rechtsanspruch auf Betreuung für alle Grundschüler ab 2025. Um dafür gerüstet zu sein, hat bereits die Qualifizierung von Betreuern begonnen. Parallel dazu läuft ein Lesementorenprojekt. "Weitsichtig", findet der Parksteiner Rektor Armin Aichinger. "Die Pandemie reißt riesige Lücken bei den Schülern. Das kann man nur mit geeigneten Leuten auffangen."

Neustadt an der Waldnaab10.09.2019

Komplizierter klingt das Thema Wasserstoff. Neustadt ist dafür vom Bund als eine von neun Modellregionen ausgewählt worden. Derzeit läuft der Antrag für die zweite Förderphase, berichtet Mädl. Bis zu 400000 Euro sind drin. Dabei geht es konkret um Wasserstofferzeugung aus Photovoltaik und Biogas, Wasserstofftankstellen und Konzepte für H-2-betriebene Busse, Dienstwagen und Lastwagenflotten. Wann der erste energieintensive Industriebetrieb auf diese Versorgungsart umsteigt, ist derzeit jedoch kaum abzusehen. Ein Interessent ist Pilkington in Weiherhammer.

Die nähere Zukunft bestimmt statt Wasserstoff das Virus. Es regiert kräftig in den Terminplan des Regionalmanagements rein, erklärt Marketingspezialist Bernd Stengl. Hinter Veranstaltungen wie dem Landkreis-Staffellauf, der Teilnahme an Messen wie der Consumenta oder einem Stand am Christkindlesmarkt in Nürnberg steht deshalb ein Fragezeichen.

Da heißt es flexibel sein. So ist als Ersatz für die NEW-Radltour samt Gemeinschaftsübernachtung in Turnhallen eine coronakonforme Idee entstanden. Sie nennt sich "NEW-Radlwochen" und hat bereits eine eigene Website: www.radlwochen.neustadt.de.

Lesestoff und Radtouren

Der Landkreis bietet dabei zwei Touren an, eine sportlich ambitionierte und eine eher familienfreundliche. Statt im Pulk sollen sich die Teilnehmer zeitlich individuell in den Sattel schwingen. Anmeldung ist von 10. Juli bis 8. August möglich. Wer sich registriert, bekommt die GPS-Daten für die jeweilige Strecke und einen QR-Code. Damit verbunden sind ein kostenloses Starterpaket, ein Rätsel mit Aufgaben entlang der Strecke und ein Fotowettbewerb samt Preisen.

Eine andere Baustelle des Regionalmanagements ist die Direktvermarktung. 162 Betriebe mit Verkauf ab Hof gibt es zwischen Eslarn und Kirchenthumbach. Ihr Angebot mit den Verbrauchern zusammenzubringen ist ein Anliegen der Landkreis-Zeitschrift "Gern.Land", in der neben Geschichten zu einzelnen Betrieben ein Direktvermarkterverzeichnis zu finden ist. Die Print-Geschichten als Audiodateien oder Videos wünscht sich Kreisrätin Tanja Renner. Einen Mitstreiter hat sie schon: "Gute Idee", findet Landrat Meier.

Neustadt an der Waldnaab15.02.2021
München14.06.2021

Zu den NEW-Radlwochen

Hintergrund:

Der Kreisentwicklungsausschuss

  • Einer von acht Ausschüssen des Kreistags Neustadt/WN
  • Ausschließlich beratende Funktion
  • Zwölf Mitglieder: Armin Aichinger (CSU), Tobias Groß (Freie Wähler), Severin Hirmer (CSU), Thomas Kleber (CSU), Peter Lehr (SPD), Markus Ludwig (SPD), Johann Maurer (CSU), Johann Maier (Grüne), Gerald Morgenstern (CSU), Tanja Renner (CSU), Thomas Riedl (Freie Wähler), Thomas Weig (ÖDP)
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