01.12.2020 - 09:50 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Per Laptop ins Sprechzimmer: Landkreis Neustadt/WN Modellregion für Gesundheitsversorgung auf dem Land

Praxissterben, Hausarztmangel. Gegen diese Schlagworte soll ein Modellprojekt des Bundes helfen. Wenn es wirkt, wäre der Landkreis Neustadt/WN ganz vorne mit dabei.

Um mit der Ärztin über Beschwerden sprechen zu können, ist nicht mehr überall ein Besuch der Praxis notwendig. Wie die Alternative konkret aussehen könnte, will die Bundesregierung im Landkreis Neustadt/WN testen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat im November 2019 ein neues Förderprogramm aufgelegt. Es nennt sich "Smarte Landregionen". Gefördert werden Vorhaben, die für das Landleben der Zukunft Vorbildcharakter haben könnten. Digital begleitet werden die Teilnehmer dabei vom Fraunhofer-Institut.

Der Landkreis Neustadt ließ sich nicht lange bitten und reichte zwei Projekte ein - einmal in Sachen Bildung, einmal zur Gesundheitsvorsorge. Bei Letzterem wurden das Ministerium in Berlin hellhörig. Aus 68 eingegangen Bewerbungen hat eine Jury Anfang Oktober Neustadt/WN und sechs weitere Landkreise aufgefordert, aus der Projektskizze einen Antrag zu formulieren.

Das hat die Wirtschaftsförderung im Landratsamt um Barbara Mädl offenbar so gut gemacht, dass daraus ein gut gefördertes Telemedizin-Experiment wird. Von einer Million Euro Gesamtkosten übernimmt der Bund 90 Prozent.

Nun muss der Landkreis daraus zusammen mit dem Kreis Lörrach, der einen ähnlichen Ansatz verfolgt, etwas Konkretes machen.

Zwei Varianten

Wie das aussehen könnte, skizzierte Barbara Mädl im Kreisausschuss. Sie nennt es "digital-analoges Versorgungszentrum". Darunter versteht man eine Anlaufstelle ähnlich einer Arztpraxis mit entsprechenden medizinischen Geräten. Allerdings begegnen sich Arzt und Patient darin nur virtuell.

Zwei Varianten sind denkbar: In der ersten besucht der Patient das Versorgungszentrum, wo Medizische Fachangestellte oder Physician Assistants schon auf ihn warten, um Diagnose und Therapie vorzubereiten oder zum Teil zu übernehmen. Der Allgemein- oder Facharzt wird per Video zugeschaltet. Der Arzt würde sich dabei im ländlichen Raum viele Wege sparen. Die eingesparte Zeit soll Patienten zugute kommen. Denkbar wäre auch, dass der Allgemeinarzt im Versorgungszentrum vor Ort ist und Fachärzte zugeschaltet werden.

Hohe Förderung

In Variante zwei läuft es umgekehrt. Haus- oder Fachärzte aus dem Landkreis sitzen im Versorgungszentrum, und der Patient wird per Video zur Sprechstunde zugeschaltet. Beide Varianten sind ausbaubar, etwa mit einem Apothekenservice oder durch digitale Übermittlung von Rezepten.

Landrat Andreas Meier hat dafür in einer Eilentscheidung alles in die Wege geleitet: "90 Prozent Förderung kriegen wir nicht jeden Tag." Karl Lorenz (Freie Wähler) erkennt darin eine "super Geschichte" und träumt bereits davon, dass beide Varianten zum Zug kommen. Barbara Kindl (ÖDP), selbst Ärztin, räumt dem Projekt durchaus Chancen ein, dämpft aber die Erwartungen: "In der Medizin läuft vieles zwischenmenschlich ab, das kann man nicht alles digital auffangen."

"Wir wollen das eine tun, ohne das andere zu lassen", antwortete Landrat Meier. Wo so ein Versorgungszentrum im Landkreis eingerichtet werden soll, welche niedergelassenen Ärzte mitmachen und wie die Arbeitsteilung mit dem Landkreis Lörrach aussieht, steht noch nicht fest.

Mehr zur Digitalstrategie des Landkreises

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Hintergrund:

"Smarte Landregion"

  • Erprobung und Einführung digitaler Dienste in ländlich geprägten Landkreisen zur Verbesserung der Daseinsvorsorge oder Grundversorgung
  • Erprobung und Einführung einer vernetzenden Plattform
  • die Entwicklung einer inhaltlichen Strategie zur Digitalisierung in jedem teilnehmenden Landkreis,
  • Gewinnung und Transfer von Erkenntnissen über die Potenziale der Digitalisierung für die Stärkung ländlicher Regionen.

Quelle: Bundesregierung

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