30.06.2021 - 15:26 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Lehrer im Landkreis Neustadt/WN suchen noch nach richtigem Weg ins Klassenzimmer 4.0

Einige Bürgermeister im Landkreis Neustadt finden, dass Schulen ihre teuere Digitalausstattung konsequenter verwenden sollten. Wie gehen die Pädagogen mit dieser Kritik um?

Die Achtklässler der St.-Felix-Schule in Neustadt/WN arbeiten im Unterricht mit Laptops. Das Sonderpädagogische Förderzentrum hat aktuell insgesamt 45 Tablets und 33 Laptops für die Buben und Mädchen.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

In der Dienstversammlung der Bürgermeister im Landkreis Neustadt hatten einige Rathauschefs kritisiert, dass Lehrer die IT-Ausstattung in den Schulen zu wenig nutzten. Wir haben uns im Pädagogenkreis umgehört.

  • Staatliches Schulamt Neustadt/WN

In den vergangenen eineinhalb Jahren habe die Digitalisierung im Schulamtsbezirk "an Fahrt aufgenommen", berichtet Schulamtsdirektorin Christine Söllner. Mit BigBlueButton sei eine einheitliche Plattform installiert worden, parallel dazu habe es "eine breite Fortbildung" gegeben, bei der grundsätzliche und spezielle Anforderungen geschult worden seien. "Den Lehrern wurde alles geboten, was möglich ist", betont Söllner. Jede Grund- und Mittelschule habe zudem ein Medienkonzept erstellt. Die Bildungseinrichtungen gäben ihr Bestes und seien gut aufgestellt, findet sie. Die Schulamtsdirektorin räumt jedoch auch ein: "Eine gesunde und intelligente Mischung macht's." Analoge Arbeitsblätter hätten genauso ihre Berechtigung wie digitale Geräte. Und momentan seien die Schulen noch auf der Suche nach der gesunden Mischung.

  • Gymnasium Eschenbach

"Wir sind nicht gut ausgestattet", bedauert Martin Meier, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums Eschenbach. Weit weniger als die Hälfte der Unterrichtsräume habe digitale Hilfsmittel. Lehrer könnten zwar mobile Beamer stundenweise buchen, der Auf- und Abbau koste jedoch immer Zeit. Soweit es die vorhandenen Möglichkeiten aber zuließen, seien sie gut genutzt worden, sagt Meier. Auch der Distanzunterricht per Microsoft Teams habe gut funktioniert, allerdings mussten viele Kollegen ihre privaten Geräte verwenden. Denn insgesamt habe sich die Entwicklung am Gymnasium verzögert, auch wegen pandemiebedingter Lieferengpässe. Bei Schülern und Kollegium schwanke die Stimmung zwischen Frust und "freudiger Erwartung". Im kommenden Schuljahr werde sich die Lage jedoch dank Investitionen des Landkreises Neustadt als Schulaufwandsträger verbessern.

Im Gymnasium Eschenbach sind viele Klassen noch nicht ausreichend digital ausgerüstet. Die Lehrer müssen noch mit mobilen Beamern arbeiten, die sie für die Unterrichtsstunden ausleihen müssen.

Für die Digitalisierung der Schulen im Landkreis Neustadt seien drei Schritte vorgesehen, informiert stellvertretender Landratsamts-Pressesprecher Marcel Weidner. Zuerst hatte die Breitband-Internetanbindung (ein Gigabit) höchste Priorität. Danach seien alle Klassenzimmer und Fachräume entsprechend verkabelt worden, "um eine Infrastruktur für Wlan, Internetzugang und eine schnelle hausinterne Kommunikation zu schaffen". Diese Grundlagen seien inzwischen weitestgehend umgesetzt worden. "Alleine für das Gymnasium Eschenbach wurden hierfür bereits circa 160.000 Euro investiert", teilt Weidner mit. Nächster Schritt sei nun die Ausstattung der Klassenzimmer mit digitalen Endgeräten. Für das Eschenbacher Gymnasium werde der Landkreis 36 Displays, 6 Distanzbeamer und 28 Pylonen-Klapptafeln anschaffen. "Die für die beabsichtigte öffentliche Ausschreibung dieser Leistungen erforderlichen Vergabeunterlagen befinden sich derzeit in der Vorbereitung und sollen alsbald veröffentlicht werden." Zum Anfang des Schuljahrs 2021/2022 soll die Ausstattung einsatzbereit sein.

  • Staatliche Realschule Vohenstrauß

Von der Kritik in der Dienstversammlung der Landkreis-Bürgermeister hat sich die Staatliche Realschule Vohenstrauß "nicht angesprochen gefühlt, weil es sehr gut läuft mit der digitalen Ausstattung", informiert Schulleiter Kilian Graber. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis funktioniere, und "Geräte, die wir anschaffen, werden auch bedarfsorientiert benutzt". Schulungen würden im Kollegium gut angenommen, auch bei Videokonferenzen und beim Distanzunterricht hätten alle Lehrer mitgezogen.

  • Grund- und Mittelschule Windischeschenbach

Ähnlich beschreibt Rektorin Annette Spreitzer-Hochberger die Situation an der Grund- und Mittelschule Windischeschenbach. "Wenn wir von der Stadt digitale Geräte bekommen, nutzen sie die Lehrer auch kompetent und lehrplangerecht." Dazu seien Fortbildungen organisiert worden, für jeden Klassenraum gebe es Lehrerlaptops, Tablets, Beamer und Dokumentenkameras. Die Digitalisierung werde zwar immer wichtiger, bei der Anwendung komme es aber auch immer auf das Thema an, meint die Schulleiterin.

  • Markus-Gottwalt-Schule Eschenbach

"Tafel und Kreide haben weiterhin ihre Berechtigung", findet auch Wolfgang Bodensteiner, Rektor der Markus-Gottwalt-Schule in Eschenbach. Der digitale Weg sei jedoch eingeschlagen worden, für die Unterrichtsräume seien Beamer und Dokumentenkameras gekauft worden, außerdem 30 Tablets, "die von Klassenzimmer zu Klassenzimmer wandern". Die Lebenswelt der Kinder müsse sich schließlich auch im Unterricht widerspiegeln. Die Pädagogen seien aufgeschlossen, sich auf die digitalen Möglichkeiten einzulassen. Junge Kollegen nutzten sie jedoch anders als ältere. Aber das, was angeschafft werde, müsse auch genutzt werden, und die Stadt sei offen für die Wünsche der Schule, betont Bodensteiner.

  • St.-Felix-Schule Neustadt/WN

Das Sonderpädagogische Förderzentrum hat schon lange in allen Räumen Wlan, Dokumentenkameras und Beamer, informiert Schulleiter Rainer Hetz. Neben einem Computerraum verfügt die Bildungseinrichtung mittlerweile auch über 45 Tablets und 33 Laptops. Während der Pandemie habe es allerdings Lieferschwierigkeiten gegeben. Der Distanzunterricht lief zweigleisig: In einer Notbetreuung konnten die Buben und Mädchen in fünf Gruppen mit Lehrern den Distanzunterricht im Schulgebäude verfolgen, während der andere Teil der Schüler und Pädagogen zu Hause war.

Die 30 Lehrer der St.-Felix-Schule hatten außerdem seit vergangenem Jahr an über 80 Online-Fortbildungen teilgenommen und nutzten die Geräte oder Medien nach wie vor "sehr fleißig". Erfahrungen aus dem Distanzunterricht oder Internetrecherche könnten gut in den künftigen Ablauf eingebunden werden. Kommendes Jahr soll zudem der Umstieg auf digitale Schulbücher in Angriff genommen werden. "Aber auch Arbeitsblätter wird es weiterhin geben", betont Hetz. Denn Schreiben lernen sei eine wichtige motorische Erfahrung.

Lesen Sie hier den Bericht über die Dienstversammlung der Bürgermeister im Landkreis Neustadt

Neustadt an der Waldnaab
Die St.-Felix-Schule in Neustadt/WN ist mit insgesamt 45 Tablets und 33 Laptops gut ausgestattet.
Hintergrund :

Digitalisierung der Schulen im Landkreis Neustadt in drei Schritten

  • Schritt 1: Umsetzung der breitbandigen (ein Gigabit) Internetanbindung der Schulen
  • Schritt 2: strukturierte Verkabelung für alle Klassenzimmer und Fachräume, um Infrastruktur für Wlan, Internetzugang und schnelle hausinterne Kommunikation zu schaffen
  • Schritt 3: Ausstattung der Klassenzimmer mit digitalen Endgeräten

 

 

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