18.06.2021 - 10:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

IT-Ausstattung zu wenig benutzt: Bürgermeister kritisieren Lehrer

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Viel Geld ist in die digitale Ausstattung der Schulen geflossen. Von Bürgermeistern aus dem Landkreis Neustadt kommt jetzt Kritik am mangelnden Einsatz dieser neuen Möglichkeiten. Außerdem stellt sich die Frage nach der IT-Betreuung.

Studienrat Michael Preisinger, Systembetreuer an der Lobkowitz-Realschule Neustadt, setzt im Unterricht auf den Einsatz digitaler Geräte. Doch das ist nicht an allen Bildungsstätten so, auch wenn die Ausstattung vorhanden ist.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Manche Lehrer teilen immer noch Blätter aus und die teuren, neuen Geräte werden zu wenig genutzt", machte Flossenbürgs Gemeindeoberhaupt Thomas Meiler in der Bürgermeisterdienstversammlung des Landkreises Neustadt in der Stadthalle der Kreisstadt seinem Ärger Luft. Die Schule in seiner Gemeinde sei aufgerüstet und digitalisiert worden, aber nicht alle Lehrer seien auf dem Stand, auf dem sie eigentlich sein sollten. "In fünf Jahren sind die Geräte veraltet und müssen ersetzt werden, obwohl sie wenig genutzt wurden", befürchtet Meiler.

Es sei schade, wenn die digitalen Chancen nicht genutzt würden, sagte auch Landrat Andreas Meier. "Im Lockdown haben wir gesehen, wie das gewachsen ist." Sowohl dem Landkreischef, wie auch dem Digitalberater des staatlichen Schulamts, Norbert Herrmann, ist bewusst, dass es mit Aufwand und viel Arbeit für die Pädagogen verbunden sei, diese Medien sinnvoll in den Unterricht einzubauen. "Digitales Material gibt es in unterschiedlicher Qualität von allen Schulbuchverlagen." Alte Folien abzufotografieren, mache wenig Sinn. "Ich muss kein teures Board für das Klassenzimmer kaufen, wenn es nur als besserer Bildschirm gebraucht wird."

Als Bürgermeister dürfe man in diese Richtung argumentieren und nachfragen, wie die Ausstattung genutzt werde, meinte Herrmann. Die Digitalisierung sei Teil des Wandels des Lehrens und des Lernens. Das Schulamt biete Fortbildungen an, aber verantwortlich für den Weg sei der Schulleiter, appellierte der für die Landkreise Neustadt und Tirschenreuth sowie die Stadt Weiden zuständige Digitalberater mehrfach an die Schul-Chefs. "Wenn in der Wirtschaft eine neue Maschine kommt und die alte rausfliegt, schult man die Leute. Das gibt es in der Schule so nicht. Dort ist es der Schulleiter, der den Weg vorgeben muss."

Immer größeren Aufwand bedeutet die Betreuung der schulischen EDV. Herrmann wies die Bürgermeister in der Stadthalle auf ein für die Anstellung von IT-Administratoren und Wartungsverträge aufgelegtes Förderprogramm hin. "Lehrer mit zwei Freistellungsstunden schaffen die Aufgaben als Administratoren nicht mehr."

Sebastian Hartl aus Luhe-Wildenau und Reiner Gäbl aus Eslarn wiesen darauf hin, das derartige Stellen an kleinen Schulen schwierig mit Aufgaben zu füllen und mit geeignetem Personal zu besetzen seien. Als mögliche Lösung plädierten sie für Verbünde mehrerer Bildungsstätten oder eine Anbindung der Administratoren an das Schulamt als Sachaufwandsträger.

"Wir sehen die Administration vorrangig nicht als Aufgabe der Sachaufwandsträger, sondern als staatliche Aufgabe", entgegnete Landrat Meier. Er sei aber trotzdem bereit, über eine Kooperation auch bei der EDV-Betreuung an den Schulen, wie man das in anderen Bereichen bereits tue, zu reden, wenn es um gemeinsam finanziertes Personal gehe. "Wir haben die Geräte angeschafft, und ich hoffe dass sie dann auch genutzt und gewartet werden."

Der Freistaat gebe an dieser Stelle wie die von Herrmann vorgestellten Zuschussprogramme zeigten, viel Geld aus. Aber die Betreuung der Digitalausstattung sei nicht geregelt, kritisierte stellvertretender Landrat Albert Nickl. "Der Freistaat und der Bund sind gefordert." Außerdem sprach sich der Speinsharter Bürgermeister für eine höhere Freistellung der Lehrer aus, die sich um die EDV an den jeweiligen Schulen kümmern.

Digitalberater Herrmann forderte, dass nach der vom Freistaat kommenden Umstellung des Videokonferenzsystems BigBlueButton auf Visavid nicht einzelne Schulen beim alten System bleiben dürften. "Das muss einheitlich sein und für alle Schularten gelten." Kinder und Eltern müssten ein einheitliches Verfahren vorfinden. "Das heißt, dass sich die Lehrer und Schulen umstellen müssen", appellierte er an deren Verantwortung. Ausschließlich für den internen Gebrauch werde BigBlueButton aber weiter zum Einsatz kommen.

Der Wald als frei zugänglicher Raum mit grünen Klassenzimmern

Neustadt an der Waldnaab
Studienrat Michael Preisinger ist Systembetreuer an der Lobkowitz-Realschule Neustadt und unterrichtet eine Klasse mit den Möglichkeiten, die ihm die moderne EDV bietet.

Wenn in der Wirtschaft eine neue Maschine kommt und die alte rausfliegt, schult man die Leute. Das gibt es in der Schule so nicht. Dort ist es der Schulleiter, der den Weg vorgeben muss.

Digitalberater Norbert Herrmann

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.