17.06.2021 - 14:59 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Über Stock und über Stein konfliktlos durch den Wald

Fast zu jeder Tages- und Nachtzeit sind Menschen im Wald zu Erholungszwecken unterwegs. Wie viel Nutzung verträgt der in Coronazeiten noch stärker frequentierte Forst, fragt Flossenbürgs Forstchef Stefan Bösl.

Felsen, üppiges Grün und verschlungene Pfade wie am Schellenberg lassen das Herz von Wanderern höher schlagen. Auch Mountainbiker fühlen sich in dieser Umgebung wohl. Das Miteinander verläuft nicht immer konfliktfrei. Mittendrin sind die Forstverantwortlichen, die auch die Erholungsfunktion der Wälder gewährleisten.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

"In Coronazeiten hat die Nutzung des Waldes zu Erholungszwecken stark zugenommen", sagte Forstbetriebsleiter Stefan Bösl in der Dienstversammlung der Bürgermeister des Landkreises Neustadt in der Stadthalle der Kreisstadt. "Anders als an manchen Stellen in den Alpen ist es hier noch zumeist erträglich", urteilte der Chef der Bayerischen Staatsforsten in Flossenbürg. Dennoch komme es zu Konflikten zwischen Wanderern, Joggern, Radfahrern, Mountainbikern, Langläufern, Reitern und Skifahrern untereinander aber auch mit den Bedürfnissen der Waldbewirtschaftung. "Der Ausgleich zwischen den Interessen ist sehr sehr schwierig", blickte Bösl auf Beispiele wie Fällaktionen und den Wegebau.

Bösl muss mit seinem Team neben der Erholungsfunktion und einer Holzproduktion von 180.000 Festmetern pro Jahr den Natur- und Klimaschutz, den Boden, das Wasser, den Lebensraum für Insekten und andere Tiere im Blick haben. "Der Kranich ist mit wenigen Exemplaren in der Region wieder heimisch. Wir beobachten die Vögel mit der Wildkamera", freute sich der Förster. Auch die Jagd sei wichtig, nicht zuletzt um gegen die afrikanische Schweinepest anzukämpfen.

Das in der Region noch gültige Erholungskonzept stammt von 2005. Damals wurden mit Touristikern und Naturschutzverbänden Routen festgelegt zum Wandern, Radeln und Langlauf. "Derzeit gibt es Anfragen nach neuen Wegen." Das Konzept müsse angepasst werden. Aber: "Wenn etwas neues dazukommt, muss auch etwas anderes wieder wegkommen", verwies Bösl beispielsweise auf das Projekt eines Premiumerholungsweges genannten Pfades zwischen Eslarn und Waidhaus. "Der geht parallel zum Bockl auf einer schmalen Schneise mitten durch den Wald, bereitet uns Probleme und ist auch naturschutzfachlich schwierig."

Bösl nannte das freie Betretungsrecht des Waldes eine tolle Errungenschaft, die noch auf die Germanen zurückgehe. Im römischen Recht habe es das nicht gegeben und gebe es daher im Mittelmeerraum und England bis heute nicht. "Wenn man schon das Recht hat, sich auf dem Eigentum eines anderen bewegen zu dürfen, sollte man sich auch wie ein Gast benehmen", verweis der Forstbetriebsleiter au die Verpflichtung aus dieser Freiheit, die sich aber nicht gleichermaßen auf das Radeln oder Reiten beziehe. "Das geht nur auf Wegen, die sich dafür eignen."

Ob Radler fahren dürfen, entscheide der Untergrund. Wenn er erosionsgefährdet ist, haben Biker dort ebenso wenig zu suchen wie in Holzrückegassen. Außerdem dürfen Fußgänger nicht gefährdet werden. "In Baden-Württemberg ist das einfacher. Dort sind alle Wege für Radler tabu, die nicht breiter als 2 Meter sind." Eine Strecke, auf der es immer wieder zu Konflikten zwischen Radlern und Fußgängern kommt, ist der Pfad von der Planer Höhe zwischen Waldkirch und Georgenberg zum Schellenberg.

"Wenn sich alle an die sechs Wegeregeln der Deutschen Initiative Mountainbike hielten, hätten wir keine Probleme." Bösl ist sich bewusst, dass diese Outdoor-Sportler die Herausforderung suchen. Er versprach, "Projekte konstruktiv zu begleiten." Zugleich warnte er vor unerlaubt im Wald aufgebauten Rampen oder Sprungschanzen. "Das muss der Waldbesitzer wegräumen, sonst ist er bei Unfällen haftbar."

Solche Anlagen zählen ebenso zu sogenannten atypischen Gefahren im Wald wie auch nicht ordnungsmäßig gesicherte Holzpolter, tiefe Schlaglöcher oder unangekündigte Schranken, bei denen die Verkehrssicherungspflicht des Besitzers greife. Bei Fällarbeiten an nicht einsehbaren Wegen seien die Staatsforsten gehalten, am Beginn und Ende der Maßnahmen nicht nur den Weg abzusperren, sondern auch Posten aufzustellen. "Das ist richtig teuer", sagte der Forstexperte.

Immer wieder sind solche Wegesperrungen Anlass für verärgerte Anrufe bei den Forstämtern, berichtet Bösl. Er gibt aber zu, dass die vor Jahren vereinbarte Infokette für Umleitungen nicht mehr so gut funktioniere. Sie führte vom Forst zur Tourismusabteilung des Landratsamtes und von dort an die Kommunen, die dann den Bauhof mit der Beschilderung beauftragen sollten. Bösl: "Wir müssen eine Regelung für die Zukunft besprechen."

Für Gefahren, die für den Wald typisch sind wie Wurzeln, Felsen, abbrechende Äste, überflutete oder schlammige Wege müsse der Waldbesitzer nicht haften, verwies der Forstchef auf ein höchstrichterliches BGH-Urteil. Die Benutzung von Waldwegen geschehe auf eigene Gefahr. Anders sei die Verkehrssicherheitspflicht allerdings bei öffentliche Feld- und Waldwegen. Kritisch sieht Bösl steigende Sicherheitsansprüche. "Viele wollen überall an die Hand genommen werden und brauchen einen Schuldigen", machte er seiner ganz persönlichen Meinung über Klagen Luft, mit der auch sein Forstbetrieb zu kämpfen hat.

Steter Konflikt zwischen Bikern und Wanderern

Georgenberg
Hintergrund:

Erholung im Bereich der Staatsforsten Flossenbürg

  • Das Gebiet der Staatsforsten Flossenbürg umfasst 16.000 Hektar Wald im Osten der Landkreise Neustadt, Tirschenreuth und Schwandorf.
  • 105 Kilometer Wanderwege
  • 62 Kilometer Wanderpfade
  • 58 Kilometer Radwege
  • 33 Kilometer Loipen
  • 21 Wanderparkplätze
  • 2 Skiabfahrten
  • Weitere Erholungseinrichtungen wie Lehrpfade, Unterstellhütten, Ruhebänke, Aussichtspunkte sowie grüne Klassenzimmer.

 

 

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