15.03.2019 - 16:41 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mitgliederzuwachs bei Parteien wie nie

Die Kommunalwahl 2020 lässt grüßen. Einige Bürgermeister im Landkreis hören auf. In einer Gemeinde sind bei der CSU die Mitgliederzahlen explodiert.

Rupert Troppmann in Neustadt/WN geht 2020 in Ruhestand.
von Martin Staffe Kontakt Profil

In einem Jahr, am 15. März 2020, gehen in Bayern die Kommunalwahlen über die Bühne. Die Bürger sind aufgerufen, Oberbürgermeister und Landräte, Bürgermeister, Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte zu bestimmen. Auf den Wahlscheinen werden die Namen von Hunderten Kandidaten stehen.

Schon jetzt wird an den Stammtischen eifrig diskutiert, wer den Hut in den Ring wirft. Besonders spannend wird es wohl in Luhe-Wildenau. Die CSU wittert Morgenluft und rechnet sich gute Chancen aus, erstmals seit 1996 wieder den Bürgermeister zu stellen.

Amtsinhaber Karl-Heinz Preißer (63) hat schon immer gesagt, dass nach vier Perioden grundsätzlich Schluss sei. "Aber 100-prozentig möchte ich nicht ausschließen, dass ich noch einmal antrete", verriet er am Donnerstag. Er sei davon ausgegangen, dass ein Bürgermeisterkandidat aus dem Ortsteil Luhe komme.

Von der CSU offenbar nicht. Nachdem am vergangenen Wochenende der CSU-Vorsitzende und Hoffnungsträger Norbert Wildenauer sein Amt überraschend abgab, läuft wohl alles auf den Oberwildenauer Sebastian Hartl hinaus. Für den 37-jährigen Marketing-Fachmann haben sich bereits die Ortsverbände Oberwildenau und Neudorf ausgesprochen.

Luher CSU chancenlos

Im Hintergrund gab es in der Großgemeinde in den vergangenen Monaten eine noch nie dagewesene Mitgliederwerbeaktion. Die drei Ortsverbände rüsten für eine mögliche Kampfabstimmung. Die Mitgliederzahlen schnellten beispiellos in die Höhe: im größten Gemeindeteil Luhe von 66 auf 105, in Oberwildenau von 62 auf 175 und sogar im kleinen Neudorf von 33 auf 89. Damit hat ein Bewerber aus Luhe so gut wie keine Chance mehr auf eine Nominierung.

CSU-Kreischef Stephan Oetzinger ist natürlich begeistert von dem Zuwachs für seine Partei. Auch wenn er weiß, dass Luhe-Wildenau ein Ausreißer ist. "Das hat sicher auch mit einer Aufbruch- und Wechselstimmung zu tun, da sich die Chance bietet, dass die CSU ab 2020 nach 24 Jahren wieder den Bürgermeister stellen wird."

Allerdings verweist der Landtagsabgeordnete auch auf einen Aufschwung in anderen Ortsverbänden wie Mantel oder Georgenberg und hält fest, dass der Kreisverband seit Januar deutlich den Sprung über die 3000er-Marke geschafft habe. "Damit konnten wir unsere Position als größter Kreisverband in der Oberpfalz weiter ausbauen."

Aber auch der SPD-Kreisverband Neustadt ist mit dem Mitgliederverlauf zufrieden. Laut Geschäftsführerin Gisela Birner konnte die Partei ihre Zugewinne aus dem letzten Jahr halten. Hier hätten sich Etzenricht und Vohenstrauß (jeweils plus 8) hervorgetan, und als Spitzenreiter Neustadt/WN (plus 9). Ähnlich wie Oetzinger in Luhe-Wildenau führt Birner den Optimismus in der Kreisstadt auf den bereits nominierten Bürgermeisteraspiranten Sebastian Dippold (32) zurück. Die Genossen liebäugeln mit dem Chefsessel im Rathaus. Der SPD-Kreisverband zählt 1507 Männer und Frauen.

Dippold nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Für 2019 hat er sich selbst ein Mammutprogramm an Seminaren und Schulungen der Friedrich-Ebert-Stiftung aufgeladen. Die erste an diesem Wochenende trägt den Titel "Ich will Bürgermeister werden".

Fünf hören auf

Von den 38 amtierenden Rathauschefs werden 2020 auf jeden Fall 5 nicht mehr antreten. Das sind in Neustadt/WNRupert Troppmann (63), in FloßGünter Stich (60), in MoosbachHermann Ach (48), in KohlbergRudolf Götz (63) und in EschenbachPeter Lehr (60).

Weitere 7 Bürgermeister lassen die Kandidatur offen. In Pirk will sich Michael Bauer am 23. März zu seiner Zukunft äußern. Es wird erwartet, dass er es aber noch einmal wissen will. Pressathserster Mann Werner Walberer (61) hat sich schon entschieden, will das aber erst zu einem späteren Zeitpunkt kundtun. Thorsten Hallmann (42) in Schwarzenbach, Gerhard Löckler (61) in Schlammersdorf, Gerhard Scharl (57) in Bechtsrieth, Karlheinz Preißer (63) in Luhe-Wildenau, Johann Maurer (65) in Georgenbergund Marianne Rauh (67) in Theisseilmöchten sich ebenfalls noch nicht festlegen.

Junge Union mit eigener Kreistagsliste:

Bei der Aufstellung der Kreistagsliste stürmt die die Junge Union förmlich voran. Kreisvorsitzender Benedikt Grimm kündigt eine eigene Liste an. Dies habe der engere Vorstand beschlossen. Eine Gesetzesänderung ermögliche es 2020 erstmals, dass eine Untergliederung einer Partei mit einer separaten Liste antreten dürfe.

"Wir haben so viele gute Kandidaten, die wir auf der CSU-Liste nicht unterbringen", begründet der Neustädter den überraschenden Vorstoß. Amtierende Kreisräte träten wieder an, jede Gemeinde beziehungsweise Verwaltungsgemeinschaft müsse berücksichtigt werden, ebenso die Arbeitsgemeinschaften. Laut Grimm hat der CSU-Nachwuchs schon 25 Bewerber zusammen. Der Organisator geht davon aus, dass mindestens drei JU-Leute den Einzug in den Kreistag schaffen werden.

Bei der Mutterpartei hat sich inzwischen der Ausschuss Kreistagsliste konstituiert. Federführend sind Landrat Andreas Meier und Kreisvorsitzender Stephan Oetzinger. Jetzt gehe es darum, erste Gespräche mit möglichen Kandidaten zu führen, sagt der Landtagsabgeordnete. "Wir wollen auch 2020 die stärkste politische Kraft bleiben", gibt Oetzinger das Ziel vor. Der Zeitplan sieht vor, dass im Juli der Landratskandidat auf den Schild gehoben wird. Man muss kein Prophet sein, dass das wieder Andreas Meier sein wird. Der Windischeschenbacher soll nach Oetzingers Worten auch die 60-köpfige Kreistagsliste anführen, die im Herbst verabschiedet wird.

Die SPD habe die Ortsvereine beauftragt, ihre Kandidaten dem Kreisverband zu melden, erläutert Kreisvorsitzender Markus Ludwig. Als nächstes werde ein Gremium gebildet, das festlegt, wer auf welchem Platz stehen soll. Die Kreistagsliste mit Namen werde dann nach dem Sommer aufgestellt.

Im gleichen Stadium befinden sich die Freien Wähler und die ÖDP. "Wir sind auf der Suche nach Kandidaten", erklärte stellvertretender FW-Fraktionsvorsitzender Gerhard Steiner. Der Großteil der acht amtierenden Räte werde wieder antreten. Der Neustädter hofft auf eine ausgewogene Liste und kündigt auch einen Landratsbewerber an.

Auch die ÖDP führe Gespräche mit möglichen Bewerbern, informiert Fraktionschefin Barbara Kindl. Im Herbst soll die Liste stehen. Einen Landratskandidaten werde die ÖDP nicht bringen. „Wir fangen gerade an“, sagen Volker Wappmann (FDP) und Klaus Bergmann (Grüne) unisono. In der demnächst stattfindenden Jahreshauptversammlung erfolgten die ersten Sondierungen, verrät Bergmann.

Der Kohlberger Bürgermeister Rudolf Götz hört 2020 auf.
Peter Lehr macht in Eschenbach den Chefsessel im Rathaus frei.
Bild: Huber Günter Stich (SPD)
Aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen zieht sich Hermann Ach in Moosbach zurück.
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