Neustadt an der Waldnaab
26.01.2025 - 10:14 Uhr
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Neue Hilfe für pflegende Angehörige: Sprechstunden in acht Orten im östlichen Landkreis Neustadt/WN

Für pflegende Angehörige im östlichen Landkreis Neustadt/WN gibt es eine neue Anlaufstelle. Die Fachstelle berät zu Pflegethemen und soll Angehörige entlasten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Angebot.

Was ist eine Fachstelle für pflegende Angehörige?

Derzeit gibt es knapp über 100 Fachstellen für pflegende An- und Zugehörige in Bayern. Sie bieten zum Beispiel psychosoziale Beratung, unterstützen bei Fragen rund um die Pflege und Pflegeversicherung, begleiten Angehörige längerfristig und bieten Entlastung, zum Beispiel in Form von Angehörigengruppen. Ziel ist es, häusliche Pflege zu ermöglichen und die Pflegenden psychisch und physisch gesund zu halten. Rechtliche Beratung können und dürfen diese Fachstellen nicht anbieten.

Warum braucht es eine neue Fachstelle im Landkreis-Osten?

Im Landkreis Neustadt/WN wird die Einwohnerzahl laut dem Landesamt für Statistik bis 2033 im Vergleich zu 2019 um 7 Prozent sinken, zeitgleich wird aber der Anteil der Über-75-Jährigen um 36 Prozent steigen. Die meisten Pflegebedürftigen werden von Angehörigen versorgt. Dies und der ebenfalls steigende Fachkräftemangel erhöhen den Druck auf das Pflegesystem und die Belastung von Angehörigen. Ihr Beratungsbedarf ist bereits groß und wird weiter steigen. Seit rund einem Jahr gibt es eine Fachstelle für pflegende Angehörige in Grafenwöhr. Der Landkreis-Osten hatte bislang kein solches Angebot.

In welchen Orten im Osten des Landkreises finden demnächst Sprechstunden statt?

An der neuen Fachstelle sind acht der elf Kommunen der ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung) im Naturparkland Oberpfälzer Wald finanziell beteiligt, daher werden die Sprechstunden in diesen Orten stattfinden: Eslarn, Floß, Flossenbürg, Leuchtenberg, Moosbach, Tännesberg, Vohenstrauß und Waidhaus. Georgenberg, Pleystein und Waldthurn haben eine Beteiligung abgelehnt, hier wird es keine Sprechstunden geben.

Er wisse aus dem eigenen Umfeld, mit welchen Fragen pflegende Angehörige kämpfen, sagt Tännesbergs Bürgermeister Ludwig Gürtler gegenüber Oberpfalz-Medien. Er sei deshalb sofort vom neuen Angebot angetan gewesen. Als Vorteile zählt er zum Beispiel auf: Beratung ohne weite Anreise, Besuche in gewohnter Umgebung, leichter Zugang zum Angebot auch bei eingeschränkter Mobilität.

Wann machen die Berater an den genannten Orten Station?

Das steht noch nicht fest. Der Plan wird derzeit ausgearbeitet und dann unter anderem über die Tagespresse bekanntgegeben. Der Start ist im Februar geplant.

Was ist mit dem Landkreis-Westen und Weiden?

In Grafenwöhr gibt es seit rund einem Jahr eine solche Fachstelle, ins Leben gerufen von der Caritas-Sozialstation und den ILE-Kommunen Vierstädtedreieck: Eschenbach, Grafenwöhr, Kirchenthumbach, Neustadt am Kulm, Pressath, Schlammersdorf, Schwarzenbach, Speinshart, Trabitz und Vorbach. In Weiden gibt es eine Fachstelle für pflegende Angehörige, die von den Maltesern betrieben wird, außerdem berät die Seniorenfachstelle der Stadt rund um das Thema Pflege.

Was bietet die Fachstelle für pflegende Angehörige in Grafenwöhr?

Sechs bis sieben Beratungen leisten Fachstellen-Leiter Kilian Heinl und seine Kollegin Anja Brüderer im Schnitt jeden Tag. Heinl spricht von "festen Beziehungen" zu den Klienten. Rund ein Drittel werde längerfristig begleitet. Fast täglich bieten Heinl und Brüderer in einer der zehn teilnehmenden ILE-Gemeinden im Westen Sprechstunden an. Die Fachstelle stellt auch Kontakte zu Hilfsangeboten, Pflegeeinrichtungen und Vereinen her. Einmal im Monat können sich pflegende Angehörige in moderierten Gruppen in einem geschützten Rahmen austauschen.

Sind auch Hausbesuche möglich?

Ja, Heinl versucht, bei jedem neuen Kontakt einen Hausbesuch zu machen, um auch die Pflegebedürftigen kennenzulernen und die Gesamtsituation einschätzen zu können. Auch bei Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst sind er und seine Kollegin Anja Brüderer häufig dabei. Hausbesuche wird auch die Fachstelle im Osten ausdrücklich anbieten.

Was sind häufige Themen, mit denen sich pflegende Angehörige an die Fachstelle wenden können?

Wie man Anträge auf Pflegegrade stellt und was bei Begutachtungen zu beachten ist sind häufige Themen in den Beratungen in Kilian Heinls Fachstelle. Es ginge aber auch um die hohe Belastung von Angehörigen und immer häufiger auch um finanzielle Probleme, berichtet er.

Macht die Fachstelle Pflegediensten Konkurrenz?

Nein, sagt Kilian Heinl. Pflegedienste würden ihren Klienten die Fachstelle sogar empfehlen. Denn der Beratungsbedarf sei viel höher als das, was Pflegedienste selbst abdecken – und abrechnen – können. "Es geht nicht darum, einen neuen Pflegedienst zu schaffen, sondern darum, die vorhandenen Dienste zu entlasten", sagt Daniel Bronold, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbands. Da die Berater nicht am Menschen arbeiten, würden sich die Aufgaben nicht überschneiden, sagt auch Bürgermeister Gürtler.

Konzentriert sich die Beratung auf die Einrichtungen der Caritas?

Heinl kennt anfängliche Vorbehalte, seine Fachstelle würde sich womöglich auf die Dienste der Caritas beschränken. Diese hätten sich aber inzwischen verflüchtigt, betonen er und Caritas-Geschäftsführer Daniel Bronold jeweils im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, dass wir die bestmögliche Versorgung wollen, unabhängig vom Träger", sagt Heinl. So will es auch die neue Fachstelle im Osten handhaben.

Wer leitet die neue Fachstelle?

Andreas Wagmüller, examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger, der zuletzt das Team der Außenstelle Floß der Caritas-Sozialstation Vohenstrauß geleitet und hat darüber hinaus beruflich in Kliniken und beim Gesundheitsamt Tirschenreuth Erfahrungen gesammelt hat. Unterstützt wird er von Tamara Bauer. Inhaltlich wollen sie im Landkreis-Osten ein Angebot wie im Westen schaffen.

Wer betreibt und bezahlt die neue Fachstelle?

Die Fachstelle für den östlichen Landkreis Neustadt wurde von acht der elf ILE-Gemeinden im Naturparkland Oberpfälzer Wald und der Sozialstation Vohenstrauß der Caritas ins Leben gerufen. Finanziert wird die Fachstelle von diesen acht Kommunen, dem Landesamt für Pflege, dem Landkreis Neustadt/WN und der Caritas.

Neustadt an der Waldnaab31.01.2025
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