20.04.2020 - 10:32 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Mit neuer Routine durch außergewöhnliche Zeiten

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Nichts ist in Zeiten von Corona mehr so, wie es war. Auch für unsere Familie. Papa im Homeoffice, Kinder in der Heim-Schule, Mama ebenfalls. Keine einfache Situation. Die ersten Wochen aber zeigen: Routine hilft!

Auch die Kinder befinden sich im „Homeoffice“, Mama muss als Aushilfs-Lehrerin ran.
von Stefan Puhane Kontakt Profil

Der Morgen beginnt mit einem soften Klingelton – exakt um 6.15 Uhr. Von Montag bis Freitag. Dann ist morgendliche Routine angesagt: Duschen, anziehen, frühstücken, Zähne putzen. Meine Frau verlässt kurz vor 7 Uhr als Erste das Haus und macht sich auf den Weg in die Arbeit. Die Kinder packen sich rund eine Viertelstunde später den Schulranzen auf den Rücken und laufen los in Richtung Neustädter „Kulturhügel“, wo sich ihre Schulen befinden. Ich selbst verlasse als Letzter das Haus, so gegen 7.30 Uhr – die Kundenagentur im Verlagshaus von Oberpfalz-Medien in Weiden als Ziel.

So war es bis vor kurzem, doch diese Routine gehört der Vergangenheit an. Der Alltag in unserer Familie – wie vermutlich auch in vielen anderen – sieht derzeit völlig anders aus. Der Grund dafür ist klar und muss eigentlich gar nicht genauer erläutert werden: Das Corona-Virus bewirkt, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war. Natürlich hat man stets die Hoffnung, so bald wie möglich wieder zum Rhythmus von vor wenigen Wochen zurückkehren zu können, doch das alles steht (noch) in den Sternen.

Keine vergleichbaren Phasen

In meinem bisherigen 52-jährigen Leben zumindest gab es keinen Fall, keine Zeitspanne, die nur im Ansatz mit der Gegenwart zu vergleichen ist. Das lässt mich zum einen manchmal erschaudern, zum anderen kann man auch keine vergleichbaren Szenarien hervorholen, keinen alten Erfahrungsschatz heben und daraus seine Schlüsse ziehen. Alles ist neu, noch nie da gewesen – und muss entsprechend ohne jegliches Wissen, ob richtig oder falsch, angegangen werden.

Endlich wird das Arbeitszimmer mal so genutzt wie vorgesehen: Corona-Krise bedeutet auch Homeoffice-Zeit.

Geregelter Tagesablauf

Doch zurück zum Alltag, genauer gesagt zu Woche vier nach den Schulschließungen und im Homeoffice. Wir haben unsere beiden Kinder von klein auf an einen geregelten Tagesrhythmus gewöhnt, sei es beim Essen, bei den Schlafenszeiten und vielen weiteren Dingen. Das kam uns als Familie schon immer zu Gute – und beweist sich auch jetzt – wo wir alle vier den ganzen Tag „aufeinanderhocken“ – als absolut positiv. Meine Frau und ich waren uns schnell einig, diese Ausnahmesituation nur mit einem geregelten Tagesablauf meistern zu können.

Heißt konkret: Fast alles bleibt dem bisherigen Ablauf weitestgehend angepasst, nur mit einigen leichten zeitlichen Verschiebungen. Ich bin nun mittlerweile der Erste, der in den Tag startet: Morgentoilette, Frühstück – und ab ins (bisher nur selten zu diesem Zweck genutzte) Arbeitszimmer zum Homeoffice. Der Rest der Familie folgt mir gleich darauf – um 9 Uhr beginnt für Mia und Niklas die „Schule“. Sowohl die Lehrer von Grundschule als auch von Gymnasium übermitteln täglich umfangreiche Aufgaben, um kein allzu großes Bildungsloch entstehen zu lassen.

Keine verlängerten Ferien

Die Kinder wussten von Krisen-Tag eins an, was auf sie zukommt, nämlich dass sie derzeit keine verlängerten Ferien haben, sondern weiter fleißig arbeiten müssen – und sie haben es – auch dank des fließenden Übergangs ohne vermeintlich „freie Tage“ – ohne Murren akzeptiert. Sie sind (meistens) motiviert, dies alles von zu Hause aus zu bewältigen – selbst wenn sie ab und an natürlich lieber zum Spielen gehen würden. Aber das ist ja während der regulären Schulzeit auch nicht anders. Unser riesengroßer Vorteil gegenüber anderen Familien: Meine Frau arbeitet an einer Schule, ist ebenso von der Schließung der Bildungsstätten betroffen und kann so unseren Nachwuchs betreuen und beaufsichtigen, die Oma fällt ja aufgrund der akuten Gefährdung als Aufsicht weg.

Pause auf der Terrasse

Nach dem ersten Heim-Unterrichtsblock macht unser Kleiner manchmal den Gong der Schule nach: „Ding-Dong“ – und es ist Pause angesagt. Ein kleiner Snack zwischendurch und Basketball spielen auf der Terrasse, Bewegung, Essen und Trinken helfen, damit es danach mit frischem Elan weitergehen kann. Der Papa erledigt derweil seine Arbeit von zu Hause aus – im benachbarten Zimmer. Die Tür bleibt zu, auch hier helfen Selbstdisziplin und fester Ablauf sehr. Der Austausch mit den Kollegen funktioniert zwar nicht mehr per Zuruf durchs Büro, aber eine feste Telefonkonferenz und die eigens und neu ins Leben gerufene Whatsapp-Gruppe sind hierbei mehr als eine große Hilfe. In Zeiten von Schreibmaschine, analoger Fotografie und Seiten-Klebe-Umbruch im Verlagshaus – so waren meine Anfänge bei der Zeitung - wäre dies alles erheblich schwerer, wenn nicht sogar unmöglich gewesen.

Die Kinder haben es erstaunlich schnell akzeptiert, dass ihnen Papa nicht komplett zur Verfügung steht, sondern arbeiten muss – und ich selbst hab mich nach nur ein paar Tagen im Homeoffice ebenso problemlos umgestellt, meine Arbeit von daheim zu erledigen. Es gibt sogar ein paar charmante Vorteile, nämlich ganz allgemein gesagt, seine Lieben immer in unmittelbarer Nähe um sich zu haben. Sei es das Bussi zwischendurch, das man sich gerne abholt – oder aber das gemeinsame Mittagessen – das hat was, ganz ohne Zweifel.

Endlich wird das Arbeitszimmer mal so genutzt wie vorgesehen: Corona-Krise bedeutet auch Homeoffice-Zeit.

Belohnung in der Natur

Nach der Mittagspause geht‘s weiter, sowohl für mich als auch für die Kids. Die erledigen die restlichen Hausaufgaben, ich biege auf die Zielgerade meines redaktionellen Tages ein. Die Belohnung für Schulund Arbeitstag wartet bereits: Ein gemeinsamer Spaziergang durch die wunderschöne Natur rund um Neustadt/WN, den die Kids stets per Cityroller, auf Inlineskates oder mit dem Fahrrad begleiten, gehört bei uns seit ein paar Tagen zum festen Programm. Für die Kinder ist‘s natürlich auch willkommener Ersatz für das weggefallene Basketball- und Fußballtraining, das sie doch sehr vermissen. „Mens sana in corpore sano“ – zu deutsch „Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper“ – die alten Römer wussten schon, wovon sie sprachen. Ein Leben ohne Sport und Bewegung - für uns vier undenkbar.

Comeback der Gesellschaftsspiele

Die kleine Wanderung tut unendlich gut – und das wollen wir unbedingt auch in der Zeit nach Corona so beibehalten. Der Fernseher dagegen bleibt – wie gewöhnlich während einer (Schul-)Woche – für die Kids aus. Vielleicht mit kleinen Einschränkungen am Abend angesichts der momentan außergewöhnlichen Situation. Dafür werden jetzt wieder vermehrt Gesellschaftsspiele aus dem Kellerschrank hervorgeholt – Monopoly etwa, oder Risiko. Schon lange nicht mehr gespielt, aber – wow – supergut!

Auch das wollen wir künftig so beibehalten. Jede Krise bedeutet halt auch eine Chance, was anders zu machen – und das im absolut positiven Sinne!

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