09.08.2019 - 15:20 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Neustadt im Bild aus fränkischer Sicht

Bei Kunsthändlern finden sich Neustädter Ansichten, die die Stadt auch von hinten, von der Flußseite zeigen. Entstanden sind sie ab den 1930er Jahren. Sie stammen von Benno Zuber, der vermutlich einige Jahre an der Waldnaab verbracht hat.

Joe Arnold besitzt eine Portrait, das Benno Zuber zeigt. Der Maler aus Franken soll viel Zeit in dem Gartenhaus verbracht haben, das heute Arnold gehört.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Der Fürther hat zeitweise in einem Gartenhäuschen bei der Alten Schießstätte gewohnt. Das gehörte damals Josef Bäumler, besser bekannt als "Busl-Beck". Der wiederum stammt ab vom "Busl"-Hof in Mühlberg. Unterlagen über Zubers Aufenthalte in Neustadt sind über die Bilder hinaus nicht bekannt.

Der fränkische Maler hat möglicherweise über die Verwandschaft seiner Frau Anna Theresia den Weg in die Oberpfalz gefunden. Deren Vater Felix Bäumler war Postbeamter in Fürth und einer von Josef Bäumlers sechs Brüdern aus Mühlberg. Geheiratet haben Anna und Benno vor 80 Jahren, am 12. August 1939 in Fürth.

Zusammen mit der Bäckerei ist das 1928 von "Busl-Beck" Josef Bäumler erbaute Gartenhaus, das damals ohne Wasseranschluss war, mittlerweile im Besitz der Familie Joe Arnold. Die nennt auch einige Bilder Zubers sein eigen. Arnold vermutet aufgrund der Jahreszahlen auf Zubers Werken und den Erzählungen der ehemaligen Bäckereibesitzerin Maria Bäumler, dass der Künstler in den 30er Jahren erstmals in die Oberpfalz kam und hier im Laufe von 10 bis 15 Jahren immer wieder wohnte und malte.

Die Kriegsjahre soll Zuber nahezu komplett in Neustadt verbracht haben. Über die Beweggründe lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise wollte er so dem Kriegsdienst entgehen und man strickte in der Familie eine Legende um den Sohn. Seine Mutter Kreszentia hatte im Alter dem Cadolzburger Manfred Seeler, der sie mit Besorgungen unterstützte, gesagt, der Sohn sei in Russland gefallen, schreibt der frühere Cadolzburger Museumschef Hans Werner Kress. Er betont aber auch, dass das nicht stimmt, da Zuber zwar jung, aber erst sieben Jahre nach Kriegsende gestorben sei. Kress hat sich intensiv mit Zubers Großvater mütterlicherseits, dem Professor Tobias Weiß (1840 bis 1929), einem Kirchenmaler, Bildhauer und Architekt, beschäftigt und war dabei auch auf Benno Zuber gestoßen.

Zubers künstlerisches Betätigungsfeld erstreckte sich über Franken rund um seine Heimat Nürnberg und Fürth sowie in der Oberpfalz bis ins Stiftland. So hatte der Heimatverein Fuchsmühl in seinen Jahreskalender 2016 ein Gemälde Zubers von der längst verschwundenen "Binnerdoamermühle" am Teichelberg mit aufgenommen.

Ein weiteres Werk, ein Stillleben mit Blumenstrauß im blauen Krug und einer Schale mit grünen Äpfeln, findet sich bei Rudi Bäumler in der Radschinmühle. Rudi Bäumler selbst kannte den Maler nicht, wohl aber dessen Frau Anna. Nach dem Tod ihres Vaters Felix sei sie immer wieder nach Neustadt zur Verwandschaft in die Radschinmühle gekommen. "Sie hat uns besucht, hat eine Ente und eine Gans mitgenommen, wie das damals eben so war, und ist wieder nach Fürth gefahren." Das Bild hatte sie vermutlich als Gegenleistung oder Dank irgendwann mitgebracht.

Rudi Bäumler bewahrt gut geschützt vor Staub auf dem Dachboden ein großes Gemälde von Benno Zuber auf. Zubers Frau Anna hat es der Verwandschaft in Neustadt mitgebracht.

Bäumler erinnert sich an ein großes Gerede unter den Leuten, als Zuber im Alter von nur 44 Jahren starb. "Der Anni ihr Mann ist gestorben." Dieser Satz habe sich wie ein Lauffeuer in der Verwandtschaft verbreitet. Rudi war damals noch ein Bub und über seinen Stiefvater, den Radschinmüller Johann Bäumler, weitläufig mit den Nachkommen vom "Busl"-Hof in Mühlberg und damit auch mit Anna Zuber verwandt. Geboren wurde Benno Zuber am 17. März 1908 in Nürnberg als Sohn des Prokuristen Josef Zuber und seiner Gattin Kreszentia.

Das geht aus Daten auf dem Personalbogen des Stadtarchivs Fürth hervor. Ab dem Wintersemester 1928/29 war der Franke im Fach Malerei bei der Akademie der Bildenden Künste in München immatrikuliert. So steht es in der online veröffentlichten Fassung des Matrikelbuchs. An weiteren Daten ist bekannt, dass der Maler am 6. Februar von Heilsbronn nach Fürth zog. Seit 1939 lautete seine offizielle Adresse dort Martin-Luther-Platz 3. Gestorben ist Benno am 22. Juli 1952 ebenfalls in Fürth.

Tod mit 44 Jahren

Berichte der Seniorchefin

"Busl-Beck":

1885 gründete Josef Sparrer die heutige Bäckerei Arnold. Auf ihn folgten drei Josefs als Meister: Josef Bäumler, Josef Arnold senior und derzeit Josef "Joe" Arnold. Ab dem nächsten Jahr endete die Weitergabe von Josef zu Josef. Dann soll Arnolds Sohn Michael Herr der Teige, Brotlaiber und Gebäckstücke werden. Arnold senior lernte bei Bäumler das Bäckerhandwerk, pachtete dann den Betrieb und übernahm ihn samt Gartenhaus nach dem Tod von Seniorchefin Maria Bäumler. Die hatte immer wieder - auch Arnolds Sohn - von Benno Zubers Aufenthalten in Neustadt erzählt. Der erinnert sich, dass Maria Bäumler gelegentlich für längere Zeit zur Verwandschaft, darunter Zubers Frau Anna, nach Fürth gereist sei. (ui)

Joe Arnold besitzt mehrere Werke von Benno Zuber.
Benno Zuber hat auch das Neustädter Gartenhaus gemalt, in dem er zeitweise wohnte.
Fast mannsgroß ist das Stillleben von Benno Zuber, das Rudi Bäumler geerbt hat.
Die Katze aus Holz (Privatbesitz) fertigte Benno Zuber nach dem Krieg an.
Das Aquarell "Friedhofssteg über die Regnitz" von Benno Zuber ist in Privatbesitz.
Aus den Nachkriegsjahren stammt der Elefant aus Holz von Benno Zuber (Privatbesitz).
Die Flusslandschaft von Benno Zuber erinnert an Neustadt und die Waldnaab.
Kommentar:

Warten auf die Ausstellung

Die Neustädter sind findig und haben offenbar immer wieder Künstler hervorgebracht oder beherbergt, die es zu mehr oder weniger großer Berühmtheit gebracht haben. Man denke nur an den Kirchenmaler Thaddäus Rabusky, den Musiker Franz Gleißner oder den Dichter Oswald Hafner.
Jüngste Entdeckung ist der aus Fürth stammende Maler Benno Zuber, dessen Frau Wurzeln in Mühlberg hat und der interessante Ansichten der Kreisstadt malte. Was die Neustädter auch auszeichnet, ist dass sie es gerne aufnehmen, in Ausstellungen und Konzerten auf ihre Vergangenheit zu verweisen und sie so vor dem Vergessen bewahren. Man darf gespannt sein, wann genügend Material über Zuber zusammengetragen sein wird, um eine Ausstellung zu bestücken.

Von Uwe Ibl

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