03.04.2020 - 16:38 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

In Neustadt sollen große Feste neben der Zoiglstube steigen

Wegen der Coronakrise sind die Zoiglstuben geschlossen. Dennoch tut sich etwas bei der Neustädter Gastronomie. Mit dem weitgehenden Abriss einer Scheune ist der erste weite Schritt für eine große Baustelle beim "Brucksaler" gelaufen.

Michael Lang deutet mit Sohn Korbinian auf die Mauerreste des ehemaligen Kuhstalls, auf denen er einen neuen Stadl für ein zusätzliches gastronomisches Angebot neben der Zoigstube "Brucksaler" baut.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Michael Lang spricht von einer Investitionssumme von knapp über einer Million Euro. Mit diesem Geld will der „Brucksaler“-Wirt nicht seine Zoiglstube verändern. „Die bleibt, wie sie ist.“ Stattdessen wechselt er komplett den Beruf vom Diplom-Kaufmann zum Gastronom und errichtet mit Ehefrau Kerstin einen Eventstadl zwischen Haus und Biergarten sowie der Scheune, in der es in den vergangenen Jahren beispielsweise den legendären 7:1-Sieg der Nationalmannschaft gegen Brasilien zu sehen gab.

Der neue Stadl ersetzt den bis in die 70 Jahre genutzten früheren Heustadl und Kuhstall der Großeltern. Der vordere Teil mit den Granitmauern stammen aus der Zeit gleich nach der Währungsreform Ende der 1940er Jahre. „Der hintere Teil aus Holz war bereits 1933 gebaut worden.“

In Eigenleistung, mit der Motorsäge und einem Kran hat Lang in den vergangenen Tagen den Stadl bis auf die markanten Granitmauern abgetragen. Auch Korbinian, der mit acht Jahren jüngste Spross der Familie, ist auf der Baustelle aktiv. Die Idee zu dem Projekt war an Tagen ohne Zoigl am Tisch hinterm Haus mit Blick auf den ehemaligen Kuhstall gereift: „Wir machen eine Eventstadl mit eigener Küche.“

Die Genehmigung für das neue Lokal liegt für eine Kapazität von bis zu 199 Personen vor. Lang spricht von einem hochwertigen, barrierefreien Wiederaufbau des Gebäudes. Die Nachfrage nach Räumen für Hochzeiten sei enorm, so der 50-Jährige. „Wir hoffen auf einen überregionalen Effekt, wollen Arbeitsplätze schaffen, selber kochen, einmal pro Monat einen thematischen Menüabend veranstalten, damit der Koch zeigen darf, was er kann, und sonntags für den klassischen Restaurantmittagstisch öffnen.“ Der Zoigl laufe unabhängig davon weiter. „Wenn Zoigl ist, dann ist der Stadl zu“, bekräftigt Lang.

Das Projekt befindet sich derzeit in der Angebotsphase. Lang: „Ich wäre glücklich, wenn wir es bis Mitte nächsten Jahres schaffen“, sagt der Bauherr. In der Gastronomie sammelt er seit 15, 16 Jahren als Zoiglwirt Erfahrung, kennt aber auch seine Grenzen: „Warum ist das Essen bei uns so gut? Weil ich mich aus der Küche fernhalte.“, schmunzelt der Neustädter und lobt zugleich Ehefrau Kerstin, die sich in der Zoiglküche eine guten Ruf erkocht habe.“

Beruflich Zuhause ist Michael Lang bei den Zahlen. Dieses Wissen will er auch in Zukunft einbringen, sich um die gesamte Buchhaltung, Organisation und Steuererklärungen kümmern. Bis zur Insolvenz im Zuge des Niedergangs der Solarbranche war Lang Leiter des Konzernrechnungswesens international bei SiC Processing in Hirschau. 2015 begleitete er im Auftrag des Insolvenzverwalter, einer großen Kanzlei aus Heidelberg, die Liquidierung des Unternehmens. „Ich wickle quasi als letzter SiC-Mitarbeiter meine Firma ab.“

Mit 50 den eigentlichen Beruf aufzugeben, der in der Region schwierig auszuüben sei, sich noch einmal umzukrempeln, sich zu verschulden, etwas eigenes und Arbeitsplätze zu schaffen, nennt er einen guten Weg. „Mir ist es egal, womit man sein Geld verdient. Wichtig ist mir, dass man die Familie ernähren kann.“ Zu der zählen neben Korbinian noch die zwei Töchter Annika (12) und Theresa (10). „Und so bin ich in der Hoffnungsphase, dass das, was ich mir mit dem Großprojekt vorstelle, so eintritt.“

So stellen sich Planer und Bauherr den künftigen "Brucksaler"-Eventstadl hinter dem Biergarten der bestehenden Zoiglstube vor.
"Brucksaler":

Robert Wiedenhofer, Michael Langs Großvater, war der letzte Kommunbraumeister Neustadts. Bis zum Abriss des Kommunbrauhauses Anfang der 60er Jahre wurde im Geburtshaus von Langs Mutter Zoigl ausgeschenkt. Als Großmutter Therese 2003 gestorben, waren, standen die Investoren vor der Tür. Sie wollten einen Supermarkt auf dem Areal der Hofstelle an der Waldnaabbrücke bis hin zur Theisseiler Straße errichten.

„Wir entschieden, dass wir das Anwesen erhalten und wieder eine Zoiglstube machen“, erinnert sich Lang. Die entstand ganz im Stil der alten Stube, wie sie auf Bildern zu sehen war und in der Erinnerung von Langs Mutter fortlebte. Seit 2007 wohnt die Familie Lang im renovierten Wohnhaus, der Zoiglausschank startete schon zwei Jahre zuvor. (ui)

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