29.03.2019 - 09:50 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Paragraphen und Freudentränen

Katharina Mois heiratet in einem Monat. Die Feuertaufe für ihre neue Aufgabe ist das noch nicht. Die kommt vermutlich erst im Sommer.

Im Trauzimmer bekommt die neue Neustädter Standesbeamtin Katharina Mois die Bestellungsurkunde von Bürgermeister Rupert Troppmann (Zweiter von rechts). Amtsleiter Peter Spachtholz (von links) bekommt als Nachfolger seines Stellvertreters Thomas Kost künftig Christian Schell (rechts) an seine Seite.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Thomas Kost macht Platz, damit das Standesamt der Stadt keine reine Männerdomäne mehr ist. An die Stelle als Stellvertreter von Amtsleiter Peter Spachtholz rückt Christian Schell nach. Für ihn darf künftig auch Mois zum Jawort im Trauzimmer auffordern. "Ich freue mich auf Emotionen und Freudentränen", sagte die 29-jährige.

Die aus Denkenreuth stammende Neustädterin sei für diesen Posten in den Fokus geraten, weil ihre Tätigkeit im Einwohnermeldeamt eine inhaltliche Nähe zu der im Standesamt habe, sagte Bürgermeister Rupert Troppmann bei der Vorstellung der vom Stadtrat beschlossenen Änderung. Kost habe man von seiner Aufgabe verbunden. Er sei mit der Bearbeitung von Wahlen, Angelegenheiten der öffentlichen Sicherheit, Renten- und Gewerberecht mehr als ausgelastet.

Vier Standesbeamte – auch der Bürgermeister hat die Lizenz zum Trauen – seien notwendig, da die Stadt auch auf Sonderwünsche eingehe. "Wir sehen uns als Dienstleister mit einem kleinen, feinen Trauungszimmer." Zeitlich ist hier für das Jawort vieles möglich, egal ob Freitagnachmittag oder Samstagvormittag.

An ein "Nein" vor dem Standesbeamten kann sich Spachtholz nicht erinnern. Lediglich von einem verschobenen Termin weiß er. Grund war, dass sich der Bräutigam beim Fußballspielen ein Bein gebrochen hatte. Mit Gipsbein wollte er nicht heiraten.

Troppmann erinnert sich an eine Turbohochzeit, bei der dass Paar keine Rede wollte und nicht einmal Zeit für den Kuss danach hatte. "Die beiden kamen in Jeans und T-Shirt." Beim Verlassen des Zimmers drehte sich der Bräutigam noch einmal um: "Wir sind nicht komisch, sondern heiraten nächstes Jahr riesig. Ich wollte meiner Frau nur beweisen, dass ich sie liebe."

Die Hauptarbeit verrichtet der Standesbeamte am Computer. Da geht es um die Fortführung des Geburtenregisters, Folgebeurkundungen, Namensrecht und Sterbeurkunden. "Eheschließungen sind der Höhepunkt der Verwaltungsaufgaben", meint Spachtholz. Eine Traurede zu verfassen, sei eine recht kreative Tätigkeit für einen Verwaltungsjob, ist Mois auf die erste Hochzeit gespannt, die sie gestalten darf. Von einer Verwaltungstätigkeit, die schöner ist als das normale Geschäft, spricht auch der neue stellvertretende Standesamtsleiter Schell. "Da macht es auch nichts, am Samstag zu arbeiten."

Eheschließungen in Zahlen:

45 Paare heirateten im vergangenen Jahr in Neustadt. Davon waren die Hälfte Auswärtige. Der Grundpreis für die Trauung im Dachzimmer des Rathauses beträgt 60 Euro. Es können aber auch mehr werden beispielsweise durch Aufschläge für Sonderzeiten, zusätzliche Urkunden oder eventuell benötigte internationale Schriftstücke. So werden für eine Hochzeit am Samstag 70 Euro zusätzlich fällig. Bürgermeister Rupert Troppmann: "Das bekommen aber nicht die Standesbeamten." Für den Sekt im Anschluss an die Trauung muss man zwar ebenfalls extra, aber nicht sehr tief in den Geldbeutel greifen. (ui)

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