21.05.2021 - 10:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Proppenvolle Schulbusse im Landkreis Neustadt/WN: Gutachter-Rat ist teuer

Nur weil die Pandemie noch nicht vorbei ist, sind Beschwerden wegen übervoller Schulbusse zurzeit kein Thema im Landratsamt. Damit das auch so bleibt, wollen Kreispolitiker etwas Neues ausprobieren.

Vohenstraußer Realschüler sind fleißige Busfahrer. Doch auch auf der Linie von der Pfalzgrafenstadt Richtung Eslarn gibt es Beschwerden über zu wenig Sitzplätze. Seitdem Verstärkerbusse wegen der Pandemie eingesetzt werden, haben diese Klagen jedoch spürbar abgenommen, heißt es aus dem Landratsamt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Bei manchen Briefen und Telefonaten könnte Martin Koppmann meinen, es gehe um nahkampfähnliche Szenen. Der für ÖPNV und Schülerbeförderung zuständige Sachgebietsleiter am Landratsamt hört in regelmäßigen Abständen Klagen über übervolle Schulbusse und damit verbundene Gefahren. Kreistag und Landrat kennen diese Litanei ebenfalls.

Um sie abzustellen, prescht nun die CSU vor. Sie brachte im Kreisausschuss einen Antrag ein, bei einer Fachfirma ein Gutachten zum Schulbusverkehr zwischen Eslarn und Kirchenthumbach erstellen zu lassen. Es soll zeigen, wo dringend etwas getan werden muss.

CSU-Fraktionssprecher Edgar Knobloch lieferte dafür eine Reihe von Gründen. Einer davon habe sich seit seiner eigenen Schulzeit nicht geändert: "Man kennt das doch: Als Jugendlicher nehme ich in der Früh lieber den letzten Bus, um ein paar Minuten länger schlafen zu können und nach dem Schulschluss am liebsten den ersten Bus für den Heimweg." Die Folge: Diese beiden Verbindungen quellen über, während Busse auf der gleichen Strecke eine Viertelstunde später noch reichlich Platz hätten.

Freie Wähler zögerlich

Das Problem, so Knobloch: Eltern, Lehrer, Kinder, Busunternehmer und der Landkreis als Auftraggeber sehen das Problem aus unterschiedlicher Perspektive. Eine Untersuchung soll dies alles zusammenführen und Lösungsansätze aufzeigen. Knobloch nannte dabei zwei Stichpunkte - eine App und farblich unterschiedliche Fahrkarten, die nur die Benutzung bestimmter Busse zu bestimmten Zeiten erlauben.

Die SPD hätten die Christsozialen dabei auf ihrer Seite, versicherte Günter Stich. Auch ÖDP und Grüne, die wegen übervoller Busse schon mal den Kreishaushalt abgelehnt haben, wären dabei. Am skeptischsten sind noch die Freien Wähler. Ihr Sprecher Manfred Plößner sähe es lieber, dass die Kreisverwaltung nochmal nachforsche, wo es besonders hakt, bevor man ein teures Gutachten in Auftrag gibt. Laut Koppmann koste so eine Studie den Landkreis rund 30000 Euro. Sie könnte zudem erst zum Schuljahr 2022/23 fertig sein.

Karl Lorenz (Freie Wähler) aus Eschenbach wäre ebenfalls dafür, erst nochmal selber initiativ zu werden, bevor ein Auftrag nach außen vergeben wird. Sein Beispiel: "Warum nicht Fahrkarten mit Farben, die anzeigen, wer welche Verbindung nutzen darf? Dann könnte man bei einem Bus nach Grafenwöhr genau sehen, wer einen bestimmten Bus braucht, weil er einen bestimmten Anschluss erreichen muss." Barbara Kindl (ÖDP) brachte zusätzlich die Idee eines versetzten Schulbeginns ins Spiel. Das sei allerdings schwierig, wenn bei der Schülerbeförderung die Bahn mit dranhänge, wandte Lorenz ein. Trotzdem kann die zeitliche Staffelung des Unterrichtsbeginns auch funktionieren, erklärte stellvertretender Landrat Albert Nickl und nannte als Beispiel die Realschule Kemnath, die viele Kinder aus dem Raum Eschenbach besuchen. Oft stößt so etwa aber auf wenig Gegenliebe bei Busunternehmern, wenn der normale Linienverkehr ebenfalls mit betroffen ist, weiß Koppmann.

Verstärkerbusse nicht auf Dauer

Er betonte auch, dass Zusatzbusse, wie sie pandemiebedingt seit 4. Mai wieder im Einsatz sind, keine Dauerlösung sind, obwohl mit diesen Verstärkerbussen die Beschwerden vom Tisch sind, weil jedes Schulkind einen Sitzplatz vorfindet. Diese Busse würden zurzeit noch vom Freistaat mit 55000 Euro gefördert. Danach sehe es aber für das nächste Schuljahr nicht mehr aus.

Koppmann brachte schließlich einen Kompromissvorschlag ein, den alle Fraktionen guthießen. Er komme auf die Fraktionssprecher wegen einer Stoffsammlung zu. Daraus erstelle er eine Leistungsbeschreibung, die als Basis für die Ausschreibung eines Gutachtens dienen soll. Diesen Entwurf würde er in einer der nächsten Kreisausschuss-Sitzungen vorstellen. Sollte er auf Gegenliebe stoßen, könnte dann die Schulbus-Studie in Auftrag gegeben werden.

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Neustadt an der Waldnaab
Hintergrund:

Schulbusverkehr im Landkreis Neustadt

  • Fahrschüler: Schuljahr 2018/2019: 3479; Schuljahr 2019/2020: 3364; Schuljahr 2020/2021: 3268
  • Derzeit 3 Betreiber mit 19 Linien. Aber: Viele Schüler fahren nicht mit Schulbussen, sondern mit öffentlichen Linien zur Schule. Dies ist gesetzlich bedingt. Schulbusse müssen gegenüber dem allgemeinen ÖPNV nachrangig eingesetzt werden.
  • Beschwerden über zu viele Stehplätze auf folgenden Linien: Vohenstrauß-Pleystein-Eslarn; Thurndorf- Kirchenthumbach-Eschenbach; Windischeschenbach-Neustadt/WN; Neustadt/WN-Altenstadt/WN; Altenstadt- Parkstein-Hammerles-Schwand; Floß-Neustadt/WN
  • Weiteste Schulbusstrecke im Landkreis: Eslarn-Neustadt/WN

 

 

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