Neustadt an der Waldnaab
02.10.2026 - 11:08 Uhr
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Die Schallerkapelle in Neustadt/WN wird als WC missbraucht und der Altar ist weg

Die Schallerkapelle in Neustadt/WN ist nach nur drei Jahren erneut sanierungsbedürftig. Der Putz bröckelt, das sakrale Kleinod dient angeblich als Toilette und der Altar scheint verschwunden. Wie geht es mit dem Kirchlein weiter?

Kaum hergerichtet ist die Schallerkapelle am Fuße der Felixallee in Neustadt/WN schon wieder ein Sanierungsfall. Im Innern bröckelt der Anstrich, der Altar ist verschwunden. Ein Stadtrat spricht von Drogenkonsum und Fäkalien in dem kleinen Gebäude. Rätselraten herrscht über den Verbleib des Altars. Nur die Zwiebelhaube des sechseckigen Kirchleins glänzt in der Herbstsonne. Doch es gibt Hoffnung auf ein gutes Ende für das Kleinod in der Zacharias-Frank-Straße.

Bier oder Urin

Schon vor eineinhalb Jahren kam der Zustand der Schallerkapelle in einer Sitzung des damaligen Kulturausschusses aufs Tablett. Im Stadtrat erinnerte jetzt Stefan Hausdorf (BNW) wieder an den schlechten Zustand der Kapelle aus dem 18. Jahrhundert. Hausdorf sprach von einer ungeeigneten und nicht abschließbaren Tür. "Innen fällt der Putz ab und unter der Tür sehe ich Flüssigkeiten herauslaufen." Das könne Bier sein oder im schlimmsten Fall daher kommen, dass jemand seine Blase entleert habe. "Wie kann man die Kapelle wieder so herstellen, dass sowohl der Denkmalschutz als auch ihre eigentliche Bestimmung wieder erfüllt werden?", lautete seine Frage.

"Ich habe das auf dem Schirm und sowohl Schimmelentferner als auch Farbe gekauft", sagt Peter Troppmann zu den Feuchtigkeitsschäden im Putz. "Wir wollten das noch finishen und ausstatten", berichtet der Regensburger Architekt und Vorsitzende des Neustädter Kunst- und Kulturvereins Hausfluss. 2022 und 2023 kümmerte er sich maßgeblich darum, die sechseckige Kapelle wieder herzurichten. Allerdings: "Die Kapelle steht seit über 300 Jahren auf einem Felsen." Deshalb werde es immer wieder Probleme mit Feuchtigkeit geben. Positiv: Neu eingeblecht und wieder in gutem Zustand ist die Zwiebelhaube.

Tür verhindert Luftzug

Bleibt das Problem mit der Tür. Die alte graue Metalltür ist wohl entsorgt worden. Ihr Vorteil: Sie war nicht dicht, hatte viel Abstand zur Wand und ließ die Luft im Inneren zirkulieren. Ersatz sei mit dem Denkmalschutz abgesprochen, sagt Troppmann. "Die eingebaute rote Tür ist noch nicht die endgültige Lösung." Der Schreiner, der sich darum kümmern wollte, sei gestorben, nennt der Architekt als Grund, warum es das Provisorium noch gibt.

"Hausfluss ist bemüht, das Denkmal zu erhalten und die Arbeiten auch weiter zu machen", bekräftigt Troppmann. Mit Bürgermeisterin Tanja Kippes habe er an der Alten Schießstätte gesprochen. Nun will der Regensburger mit ihr reden, wenn er wieder in der Stadt sei.

Altar entsorgt

Der Altar war wegen der Sanierung des Kirchleins ausgebaut und beim Bauhof der Stadt zwischengelagert worden. "Wir haben den Altar nicht", heißt es dort auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Auf die Frage, wo das hölzerne Stück sei, hört man gleichlautend von vielen Seiten in der Stadt, dass er angeblich entsorgt wurde, weil er wurmstichig war. Das erscheint ziemlich sicher, wenn man das Protokoll der Sitzung des Kulturausschusses vom 19. März 2025 liest. "Bei der Entfernung des vorhandenen Altars in der Schallerkapelle waren sich alle Anwesenden einig", heißt es dort.

Der Vorsitzende des Kunstvereins Hausfluss bezeichnet den Altar als kunstgeschichtlich wenig wertvoll, was auch im Kulturausschuss als Begründung der Entscheidung genannt wurde. "Es wäre nicht finanzierbar gewesen, ihn herzurichten und wieder einzubauen", erinnert Troppmann an die Bewertung einer Restauratorin. Allein die Aufarbeitung der Predella, des hölzernen Holzsockels für den Altaraufbau, hätte 10.000 bis 15.000 Euro gekostet. Vielleicht seien in 10 bis 15 Jahren genügend Gelder für eine Erneuerung des Altars zusammen, meint Troppmann.

Übergangsweise könne man die Kapelle mit einem Werk des in Regensburg geborenen Münchner Glaskünstlers Bernd Nestler ausstatten, hatte Troppmann nach seinen Worten der Stadt vorgeschlagen. "Es kam nie eine Beauftragung", bedauert er. Geplant sei ein Lichtkreuz, das auf einer Alu-Dibond-Platte gedruckt sei. "Vielleicht gibt es auf einem Dachboden irgendwo ein verstaubtes Schmuckstück, das in der Schallerkapelle eine neue Heimat finden könnte", überlegt Bürgermeisterin Tanja Kippes einen möglichen Ansatz, zu einem geeigneten Altar zu kommen.

Vorbesitzerin

"Bevor ihr den Altar wegschmeißt, würde ich ihn gerne zurückhaben." Das habe sie Troppmann im Zuge der Kapellensanierung mitgeteilt, sagt jetzt eine enttäuschte Andrea Riebl, die ehemalige Besitzerin des Kirchleins. Gehört habe sie in dieser Sache seither nichts mehr. Im März 2020 sei sie einem Wunsch des damaligen Bürgermeisters Rupert Troppmann gefolgt und hatte die Schallerkapelle samt Ausstattung und 18 Quadratmetern Grund der Stadt geschenkt. "Als ich 1987 das Nachbarhaus gekauft habe, hat mir der Notar gratuliert: ‚Sie haben eine Kapelle mitgekauft.‘" Gebaut habe die Villa der Prokurist einer Neustädter Glasfabrik namens Prollius in den 20er oder 30er Jahren.

In der Denkmalliste ist die Schallerkapelle als „kleiner sechseckiger Zentralbau mit spitzer Zwiebelhaube, wohl 18. Jh.; mit Ausstattung“ verzeichnet. Das vermutlich 1740 gebaute Kirchlein stiftete der Pfarrer Adam Paul Schaller auf einem Grund, den er von seinem Vater Thoma Schaller, einem Beamten der Fürsten Lobkowitz, ererbt hatte. Nach den Worten von Joseph König, der viel zur Geschichte der Schallerkapelle zusammengetragen hat, ist es die älteste erhaltene Kapelle Neustadts. Früher standen daneben die Totenbretter der Stadt.

Drei Sanierungen im 20. Jahrhundert

Im Laufe der Zeit erfolgten immer wieder Sanierungen, wie 1900, als das Dach erneuert wurde. Ungewöhnlich war der Zeitpunkt der von Stadtrat Andreas Wirth vorangetriebenen umfangreichen Renovierung kurz nach Kriegsende 1946. Die jetzt entsorgte Eisentür wurde bei der nächsten vollständigen Renovierung 1968 eingebaut.

Laut Jahresrechnung 2023 hat die jüngste und in diesem Jahr abgerechnete Renovierung der Stadt 27.262 Euro gekostet. Im Haushalt für 2025 waren noch einmal 6000 Euro für die Sanierung der Schallerkapelle eingestellt. "Ich bin gespannt, wie es weitergeht", spricht Andrea Riebl sicherlich vielen Neustädtern aus der Seele.

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