Nicole Bäumler, seit ziemlich genau einem Jahr Vorsitzende der SPD im Landkreis, wird von 68 der 73 anwesenden Delegierten gewählt; sie soll für die SPD den Sitz im Landtag halten, den Annette Karl frei macht. Alle Stimmen der Delegierten bekommt der Weidener Stadtrat Florian Graf als Listenkandidat für den Landtag. Mit jeweils 72 Stimmen werden die beiden Kandidaten für den Bezirkstag gewählt, der 36-jährige Arzt am Klinikum Weiden, Christopher Birner (Direktmandat), und der Neustädter Bürgermeister Sebastian Dippold (Liste).
Bäumler, eigenen Worten zufolge „Arbeiterkind und Halbwaise“, ist seit zwölf Jahren SPD-Mitglied, „im Herzen aber immer noch ein bisschen Juso“. Über die Juso-Gruppe an der Uni Passau hatte sie drei Jahre vorher als Studentin zu den Sozialdemokraten gefunden. Sie bekommt mehrfach großen Applaus, als sie von der Notwendigkeit „echter sozialer Politik“ in Bayern spricht, die „mit Söder, Aiwanger und Co. nicht geht“. Die Probleme der Menschen seien im Moment existenziell und im Gegensatz zur Staatsregierung ducke die Bayern-SPD sich nicht weg, um den Menschen zu helfen.
Bäumler benennt als Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit die Kommunalpolitik, die Energie- und Umweltpolitik und - wenig verwunderlich für eine Lehrerin - die Bildungspolitik.
Bundestagsabgeordneter (MdB) Uli Grötsch dankt der Weidener Stadtverbandsvorsitzenden Sabine Zeidler, dass die Genossen in Stadt und Land sich auf die beste Kandidatin hätten verständigen können, in der aktuellen Situation komme es „auf jeden von uns an“. Die Lage sei ernst, es gebe nichts „schönzureden“. Nicht ganz klar ist, ob Grötsch in dem Moment von der Weltpolitik spricht oder vom Zustand der bayerischen SPD. Der Bundestagsabgeordnete bleibt in seinen Ausführungen dann aber beim Bund, lobt die Entlastungspakete als nur deshalb möglich, „weil die SPD den Kanzler stellt“, und kündigt gleichzeitig einen tiefen Griff in die gefüllten Taschen der Energie-Konzerne an, auch wenn das der FDP nicht gefalle („aber wir sind die stärkste Fraktion“).
Was der FDP gefällt oder nicht, ist zumindest für die Juso-Bezirksvorsitzende Christina Schmid längerfristig nicht entscheidend. Die Ampel-Koalition sei nicht das Ziel, sondern nur „ein Schritt von vielen, den wir gehen müssen“. Sie malt das Bild von einem „roten Bayern“, in dem Mobilität und Wohnen kein Luxus mehr seien.
Der SPD-Bezirksvorsitzende Ismail Ertug verbittet sich Ratschläge und Forderungen der bayerischen Staatsregierung. 40 Prozent der russischen Gasimporte seien nach Bayern geflossen, rechnet der Europaabgeordnete vor: „Gut, dass die SPD regiert im Bund, unsere Lager sind gefüllt.“ Und weil so viele Menschen derzeit Angst um ihre Existenz hätten, sei eine starke Sozialdemokratie umso bedeutsamer.
Die Wahlergebnisse
- Nicole Bäumler: 68 Ja-Stimmen von 69 gültigen, 1 Nein-Stimme, 4 Stimmen ungültig
- Christopher Birner: 72 Ja-Stimmen von 72 gültigen, 1 Stimme ungültig
- Florian Graf: einstimmig per Akklamation
- Sebastian Dippold: 72 Stimmen per Akklamation, 1 Enthaltung
- Weitere Vorstellungen: 1., 7. und 8. Oktober, jeweils 20 Uhr, im Max-Janner-Gasthof in Parkstein. Einlass 19 Uhr.














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