29.09.2020 - 10:03 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Im Schutzanzug gegen den Riesen-Bärenklau

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Wer mit dem Riesen-Bärenklau in Berührung kommt, kann sich schwere Hautverletzungen zuziehen. Auch im Landkreis ist die Pflanze seit einigen Jahren heimisch. Doch nicht immer wird sie entfernt.

Der Riesen-Bärenklau ist längst auch im Landkreis heimisch.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Immer wieder melden sich aufmerksame Spaziergänger bei den Kommunen im Landkreis, weil sie Vorkommen des Riesen-Bärenklaus beobachtet haben. Die Pflanze, die ursprünglich aus dem Kaukasus stammt und auch Herkulesstaude oder Herkuleskraut genannt wird, wächst vorwiegend in Ufernähe der Waldnaab und der Haidenaab. Manchmal siedelt sie sich auch an Waldrändern abseits von Gewässern oder an Straßenrändern an. "Auch auf Deponieflächen oder im Truppenübungsplatz Grafenwöhr kann der Riesen-Bärenklau vorkommen", weiß Sebastian Müller vom Maschinenring Weiden-Neustadt.

Der Riesen-Bärenklau kann bis zu vier Meter hoch werden. Von Juli bis September fällt er durch seine weißen Blüten mit bis zu 50 Zentimeter großen Dolden auf. Doch vorsichtig: Die Pflanze ist giftig und enthält hautschädigende Substanzen. Wer mit ihr in Berührung kommt, kann sich unangenehme Hautverletzungen zuziehen. "Und wenn auf diese Stelle auch noch die Sonne draufscheint, gibt's Quaddeln oder Blasen", warnt Müller. Die Haut juckt stark und die Verletzungen ähneln Verbrennungen dritten Grades.

Wenn der Riesen-Bärenklau an Stellen wächst, an denen Wanderer vorbei kommen, ist es angebracht, die Pflanze zu entfernen. Selbst Hand anzulegen, ist aber keine gute Idee. Gleich drei Exemplare machten sich im Sommer auf dem Gelände des Hauses Johannisthal bei Windischeschenbach breit. "Die Pflanzen standen an unserer südlichen Grundstücksgrenze", erzählt Hausmeister Olaf Fröhlich. Er beauftragte den Maschinenring Tirschenreuth, der mit Schutzausrüstung anrückte, um den Riesen-Bärenklau zu entfernen.

Um ja nichts auf die Haut zu bekommen, tragen auch die Mitarbeiter des Maschinenrings Weiden-Neustadt einen Vollschutz. Die Männer, die ins Gelände ausrücken, könnten auch an einer Corona-Teststation arbeiten. Wie die medizinischen Kollegen sind sie mit einem weißen Ganzkörperanzug, Atemschutz, Schutzbrille und Handschuhen ausgestattet. "Das ist Vorschrift", erklärt Müller.

In den vergangenen Monaten hielten sich die Riesen-Bärenklau-Einsätze allerdings in Grenzen. "Wir waren 4 oder 5 Mal unterwegs", schätzt er. Doch nicht alle Pflanzen werden gemeldet oder müssen entfernt werden. Viele würden an Stellen stehen, an die niemand hinkommt. "Es ist auch eine Kostenfrage", gibt der Experte vom Maschinenring zu bedenken.

Riesen-Bärenklau fühlt sich auch im Steinwald wohl

Friedenfels

Auch das Wasserwirtschaftsamt Weiden hat gelegentlich mit dem Riesen-Bärenklau zu tun. Nämlich dann, wenn er in der Nähe von Gewässern auftaucht. "Wir schreiten aber nur ein, wenn der Kontakt mit Personen möglich sein könnte", sagt Manuel Schlegel. Ansonsten sei der Aufwand viel zu groß. "Eine gute Handvoll" an Einsätzen schätzt er, kommen im Jahr zusammen.

Ebenfalls ein wachsames Auge auf die Entwicklung des Riesen-Bärenklaus hat die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Die Pflanze wird inzwischen als invasive gebietsfremde Art auf der sogenannten „Unionsliste“ der Europäischen Union geführt. Das heißt, die Mitgliedsstaaten sollen Managementmaßnahmen entwickeln, damit die Auswirkungen dieser Arten auf die Biodiversität sowie gegebenenfalls auf die menschliche Gesundheit oder die Wirtschaft minimiert werden. Aktuell läuft bis 1. Oktober die Öffentlichkeitsbeteiligung zu den von den Bundesländern gemeinsam erarbeiteten Managementmaßnahmen.

Info:

Ebenfalls gefährlich: Eichen-Prozessionsspinner

Doch der Riesen-Bärenklau ist nicht der einzige Einwanderer, der dafür sorgt, dass die Arbeit nicht ausgeht. Auch der Eichen-Prozessionspinner hielt die Männer des Maschinenrings Weiden-Neustadt wochenlang auf Trab. "Das war heuer ganz massiv", blickt Sebastian auf die Sommermonate zurück. "Wir waren gut beschäftigt, sogar noch viel mehr als mit dem Riesen-Bärnklau. Der Eichen-Prozessionsspinner ist ein unauffälliger Schmetterling. Für Probleme auf der Haut sorgen die Brennhaare seiner Raupe. Die Folgen sind Ausschlag und im schlimmsten Fall ein allergischer Schock.

Schutzanzug, Handschuhe sowie Schutz für Augen und Atemwege gehören dazu, wenn die Männer des Maschinenrings Weiden-Neustadt ausrücken, um den Riesen-Bärenklau oder den Eichenprozessionsspinner zu entfernen.

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Kommentare

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Stefan Srp

Unverständlich. Wenn man die Pflanze sich ausbreiten lässt, hat man dann zukünftig dann doch viel mehr Einsätze? Clever?

15.10.2020