09.07.2021 - 12:36 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Streunende Katzen: Amt übernahm in drei Monaten Kastration von 50 Tieren

Für die Kastration streunender Katzen bewilligte der Kreisausschuss im März ein Budget von 8500 Euro. Damit sollten pro Jahr 85 Tiere kastriert werden können. Drei Monate danach zeigt sich: Die Hälfte des Budgets ist bereits ausgegeben.

Wenn es um hilfsbedürftige Katzen geht, hat Manuela Fritsch ein breites Kreuz. Das testet hier gerade Katerchen Steppke aus.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Kaputte Augen, Katzenseuche wegen fehlender Impfung, Würmer, Flöhe oder sogar Missbildungen und Wachstumsstörungen durch Inzucht: All das kennt Manuela Fritsch zu genüge. Die 58-Jährige pflegt seit über 20 Jahren Katzenbabys für das Weidener Tierheim. Oft handelt es sich bei diesen Katzen um herrenlose Fundtiere. Rund 50 solcher Katzen versorge sie jedes Jahr, schätzt die Weidenerin. Gegen die unkontrollierte Fortpflanzung wildlebender Katzen hilft vor allem die Kastration. Das Tierheim bekommt für solche Eingriffe vom Tierschutzbund einen Zuschuss. Im Landkreis Neustadt/WN gibt es seit März ein aus dem Kreishaushalt zur Verfügung stehendes Budget für die Kastration wildlebender Katzen. Und das wird bereits fleißig abgerufen.

"Jeder freiwillige Katzenretter kann zu einem Tierarzt im Landkreis gehen und mit ihm vereinbaren, wann und wie er Katzen zur Versorgung bringen kann", antwortet Amtstierärztin Corinna Kett schriftlich über die Pressestelle des Landratsamts Neustadt/WN auf eine Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Im März hatte der Kreisausschuss ein Budget von 8500 Euro durchgewunken, um der unkontrollierten Fortpflanzung herrenloser Katzen entgegenzuwirken. Da eine Kastration pro Tier um die 100 Euro kostet, sollte das Geld für 85 Katzen pro Jahr reichen. Bisher seien bereits 50 Tiere – 21 Kater und 29 weibliche Katzen – kastriert worden, so Kett. In nur drei Monaten. Bedenkt man, dass eine Katze bis zu drei Mal pro Jahr mit mehreren Jungtieren trächtig sein kann, lässt sich erahnen, wie viele unversorgte Kitten die kastrierten Weibchen wohl geboren hätten.

Private Katzenretter helfen

Wer eine freilebende Katze kastrieren lassen möchte, wendet sich an einen Tierarzt im Landkreis oder das Veterinäramt. Alle Tierärzte, die Katzenkastrationen durchführen wollen, haben mit dem Veterinäramt einen einheitlichen Festpreis für die Kastration wildlebender Katzen vereinbart, teilt die Amtstierärztin mit. Dieser wird dem Amt direkt in Rechnung gestellt. "Für Leistungen, die unabhängig von der Kastration sind, vereinbaren sich Tierarzt und Katzenretter wie bisher auf privater Basis", erklärt sie.

Freiwillige Katzenretter seien meist die Initiatoren solcher Kastrations-Aktionen. Sie kontaktierten vor einer Rettungsaktion den Tierarzt oder stellten die gefangenen Katzen dort vor. "Manche Tierärzte sprechen auch manchmal Kunden an, die ihnen als sehr engagiert bekannt sind, ob sie bei einer bestimmten Rettungsaktion unterstützen wollen."

Überwachte Fangaktionen

"Die Idee ist gut und wird sich sicher bewähren", sagt Mariele Junak, Vorsitzende des Tierschutzvereins Weiden, über das Landkreis-Projekt. "Man kann ja nicht willkürlich Katzenfallen aufstellen. Eine Fangaktion muss überwacht werden, damit das Tier nicht unnötig lange in der Falle bleibt." Sie wünschte, auch die Stadt Weiden würde ein Kastrations-Budget bereitstellen, denn auch bei ihr gingen vermehrt Anrufe aus dem Stadtgebiet wegen verwilderter oder halbwilder Katzen ein, die beispielsweise in Rothenstadt oder Trebsau leben.

Nach der Operation werden die Tiere der für den Landkreis zuständigen Amtstierärztin zufolge von privaten Helfern gepflegt und vermittelt. Falls es sich um verwilderte, freiheitsliebende Tiere handle, würden diese in ihren bisherigen Lebensraum zurückgebracht und dort weiter versorgt werden. Die Tierärztin spricht den Katzenrettern daher ein besonderes Dankeschön dafür aus, dass sie "ihre Freizeit opfern und mit unermüdlicher Geduld die Tiere fangen und pflegen und anschließend weiter versorgen oder vermitteln". Sie bezeichnet das Tierschutzprojekt als "vollen Erfolg". Landrat Andreas Meier bewertet das Projekt so: „Der Landkreis leistet mit dieser freiwilligen Aktion einen aktiven Beitrag zum Tierschutz und hilft dadurch, Tierleid zu vermeiden.“

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Hintergrund:

Kastration von streunenden Katzen: So funktioniert das Landkreis-Projekt

  • Das Kastrationsprojekt unterstützt private Helfer finanziell.
  • Wer notleidende, herrenlose Katzen entdeckt, ohne selbst aktiv werden zu wollen, kann solche Tiere beim Veterinäramt oder der nächstgelegenen Tierarztpraxis melden.
  • Laut Amtstierärztin Dr. Corinna Kett sind dort oft Katzenretter bekannt, an die die Information weitergegeben werden kann.
  • Die privaten Katzenretter helfen beim Einfangen wildlebender Tiere mit Lebendfallen und bringen sie zum Tierarzt.
  • Die Rechnung für die Kastration zahlt das Veterinäramt nach Prüfung. Eventuelle weitere Leistungen des Tierarztes müssen privat abgerechnet werden.
  • Die Helfer pflegen die Tiere und vermitteln sie anschließend oder lassen sie in ihrem gewohnten Lebensraum frei und versorgen sie dort weiter.
  • Wer selbst Hilfe leisten und beispielsweise ein herrenloses Kätzchen in Pflege nehmen möchte, kann sich ebenso bei einem Tierarzt oder dem Veterinäramt melden und wird bei Bedarf kontaktiert.
Der kleine "Baxter" ist erst zwei bis drei Wochen alt. In den Armen von Manuela Fritsch ist er gut aufgehoben. Sie versucht, sein verletztes Auge zu retten.

 

 

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