Vor allem die neugewählten Rathauschefs im Landkreis dürften die Ohren gespitzt haben, was ihnen Michael Braun, Geschäftsführer des Tourismusverbands Oberpfalz, in der Bürgermeister-Dienstversammlung in der Stadthalle Neustadt so über das touristische Potenzial ihrer Orte präsentiert hat. Die haben 2020 zwar mit Lockdown und Hygieneauflagen bei Übernachtungs- und Umsatzzahlen mächtig Federn lassen müssen, sind aber mittlerweile zurück auf der Überholspur.
Das untermauern zwei statistische Werte. Erstens: In Ostbayern, sprich Niederbayern und Oberpfalz, verbringen mehr Deutsche ihren Urlaub als in Mallorca. Das ist ein besserer Wert als ihn sieben Bundeländer insgesamt schaffen. Zweitens: Im Oberpfälzer Wald, der Region zwischen den Landkreisen Tirschenreuth und Schwandorf, liegen die Übernachtungszahlen seit über vier Jahren konstant über einer Million.
Ob sie zu halten sind, wird sich zeigen. Zwar ging es ab Juni mit den Übernachtungen steil bergauf, davor mussten die Pensionsbesitzer, Campingplatzbetreiber und Hoteliers aber ein Minus von 15 Prozent verschmerzen. Die Aussichten, das aufzuholen, sind nicht eindeutig. Normalerweise fahren in der Herbst-Winter-Saison 44 Prozent der Deutschen nochmal in den Urlaub, knapp die Hälfte davon bleibt im Inland. Braun zitiert jedoch eine Studie, wonach sich 2020 nur 20 Prozent der Deutschen noch einmal aufmachen wollen.
Und dennoch: Wer clever ist, kann von diesem Kuchen ein gutes Stück abbekommen. Das zeigen die Zahlen der Betriebe, die online buchbar sind. In ganz Ostbayern sind es 44 Prozent. "Super", sagt Braun zu diesem Schnitt. Die Kehrseite: Je weiter ländlich es wird, sinkt diese Quote auf mickrige 10 bis 15 Prozent. Dabei müsse niemand Angst vor der neuen Technik haben, versichert Braun: "Der Quartiergeber muss sich um nichts kümmern. Über unseren Online-Buchungsservice kommt er in alle Portale."
Durchaus lohnenswert, zeigt die Statistik: Bei 160 Online-Betrieben im Oberpfälzer Wald sind heuer inklusive August bereits 20255 Übernachtungen registriert. Hochgerechnet könnte damit das 2019er-Ergebnis mit knapp 30000 geschafft werden.
Im Landkreis Neustadt sind 48 Quartiere via Internet reservierbar. Zusammen generierten sie zuletzt 300000 Euro Jahresumsatz. Für Braun ein klares Zeichen, dass die Markenkampagne "Denk mal NEW", die Urlaubsangebote mit zielgruppengerechter Ansprache verbindet, fruchtet.
Auch ohne Neuschwanstein, Meeresstrände oder Tiefschneepisten in der Umgebung ist mit Urlaubern Geld verdient. Das belegen jüngste Zahlen des Tourismusverbands Ostbayern. Er errechnet einen Jahresumsatz von 234,6 Millionen Euro mit Übernachtungen. Die verteilen sich über vier Gruppen:
- Dauercamper/Reisemobilstellplätze: 7,7 Millionen Euro
- Kleinere Privatvermieter unter zehn Betten: 21,2 Millionen Euro
- Gewerbliche Vermieter: 80,3 Millionen Euro
- Tagesreisen: 125,4 Millionen Euro

















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