02.02.2020 - 13:56 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Wahlversprechen mag ich nicht"

Sebastian Dippold verspricht nichts. Er biete Ideen an. Die größte davon ist die von der Landesgartenschau auf den Bleikristall-Brachen, für die er beim Wahlkampfauftakt noch einmal explizit wirbt.

Der SPD-Bürgermeisterkandidat Sebastian Dippold stellt sein Programm vor. Die Wirtschaft der Freizeitanlage ist voll besetzt.
von Gabi EichlProfil

Die Wirtsstube der Freizeitanlage ist voll, die Stadtratskandidaten der SPD sind fast vollzählig. Der stellvertretende Ortsvorsitzende Martin Filchner, der vor zwei Jahren den Chefposten im Ortsverein für den Bürgermeisterkandidaten Sebastian Dippold geräumt hat, spricht selbstbewusst davon, dass man zeigen wolle, dass man die besseren Ideen habe. Das Rathaus wieder in rote Hand zu bringen, dafür sei eine Mannschaft angetreten, die so wenig eine Notfall-Liste sei, wie Dippold ein Schnellschuss. Vielmehr bereite sich der 33-jährige Bürgermeisterkandidat seit zwei Jahren intensiv auf das Amt vor. Filchner sagt: „Wenn man ihn kennt, dann wählt man ihn.“ Im Moment sei Dippold wie schon seit Monaten mit dem Klingeln an jeder einzelnen Haustür in der Stadt beschäftigt.

Dippold kündigt einen großen Bruch an, große Veränderungen, aber auch eine große Chance für die Stadt. Er sagt: „Wahlversprechen mag ich nicht.“ Eine Landesgartenschau in Neustadt ist das große Thema dieses Nachmittags, und sie ist Dippolds Steckenpferd (siehe Kasten). Der langjährige Stadtrat Oskar Schwarz spricht davon, dass in den 70er Jahren schon einmal eine Landesgartenschau im Landkreis mit Hauptaugenmerk auf Neustadt, Altenstadt und Windischeschenbach geplant gewesen sei.

Initiiert von dem damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Otto Benner und unterstützt von CSU-Minister Gustl Lang sei das Projekt bis ins Detail ausgearbeitet gewesen, als die CSU im Kreistag unter Landrat Anton Binner das Vorhaben mit ihrer Mehrheit zu Fall gebracht habe. Zum Beispiel sei ein Rad- und Fußweg nach Windischeschenbach geplant gewesen, einschließlich Gemüsegärten am Rande, „es war alles definitiv fertig“. Selbst eine Broschüre habe es schon gegeben. Er habe alle Unterlagen, die das belegten, in seinem Archiv zu Hause. „Man sieht, dass manche nur verwalten und dich nicht zutrauen, etwas zu tun“, sagt Schwarz. Dippold bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass man in zehn Jahren sagen könne: „Schau, was wir da geschafft haben.“

Ein einziges Wahlversprechen macht Dippold an diesem Nachmittag aber doch. Es gebe eine rote Linie, die er niemals überschreiten werde, sagt er. Die SPD in Neustadt werde immer aufstehen, wenn die AfD versuche, hier Fuß zu fassen: „Darum kriegen die hier auch keinen Fuß in die Tür.“

Vision Landesgartenschau und drei Säulen:

Als ein „Projekt mit Strahlkraft“ bezeichnet Sebastian Dippold seine Vision von einer Landesgartenschau auf den Neustädter Industriebrachen entlang des Bockl-Radwegs an den Floß-Auen. Die Fabrik-Ruinen könnten mit verplant und soweit möglich nutzbar gemacht werden zum Beispiel für junge Firmengründer als Coworking Spaces für Startups. Der Bedarf sei in der Region allemal gegeben.

Eine Landesgartenschau sei eine „grandiose Möglichkeit, Flächen fachmännisch zu gestalten und somit langfristig zu sanieren“. Es gehe um weit mehr als darum, etwas „hübsch zu machen“, das zeige das Beispiel Tirschenreuth. Was in Tirschenreuth funktioniert habe, müsse doch auch in Neustadt möglich sein, sagt Dippold, wohlwissend, wie er sagt, dass die Schau in Tirschenreuth eine sogenannte kleine Landesgartenschau war, die es heute nicht mehr gibt.

Die Gartenschau ist Dippolds große Idee, die über den drei Säulen seines Wahlprogramms steht. Sie sind überschrieben mit "Raum geben": den Menschen, den Bürgern der Stadt und der Umwelt.

Den Menschen Raum geben ist Dippolds Schlagwort für die Schaffung neuen Wohnraums für alle Generationen, unter anderem mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft St. Martin. Dippold sagt, er verstehe darunter betreutes Wohnen ebenso wie barrierefreie Wohnungen, Wohnungen für Familien und Senioren. Zu all diesen Wohnungen gehört seinen Worten zufolge auch schnelles Internet, ob man es nutze oder nicht.

Unter dem Begriff „Den Menschen Raum geben“ seien aber auch Wohlfühlräume zu verstehen, die den individuellen Lebenswert ebenso steigern sollten wie die Attraktivität der Stadt als solche. Dippold spricht von einem Freizeitkonzept und nennt als Beispiel – „nur ein Zuckerl“ – einen Themen-Minigolfplatz zur Neustädter Glas-Geschichte. Innerhalb von drei Jahren sei die Stadt überdies barrierefrei zu gestalten.

Mit „Den Bürgern Raum geben“ meint Dippold eigenem Bekunden zufolge ein digitales Rathaus, in dem mehr oder weniger alles online beantragt und erledigt werden kann. Darüber hinaus ein aktuelles Rathaus, das seine Bürger von sich aus informiere und gleichzeitig Anlaufstelle für alle Bürgeranliegen wie auch Infobörse für Neuzugezogene, Bauherren oder Gewerbetreibende ist.

Die dritte Säule von Dippolds Programm nennt sich „Der Umwelt Raum geben“; sie umfasst den verstärkten Ausbau der Photovoltaik auf städtischen Gebäuden, finanzielle Anreize für Umweltschutzmaßnahmen etwa in Baugebieten wie Fördermittel für Regenwasserzisternen und Maßnahmen in puncto Verkehr in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. (eig)

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