23.02.2021 - 12:26 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Von wegen heile Welt: Jugendhilfe im Landkreis Neustadt/WN immer teurer

Der Trend scheint nicht aufzuhalten. Der Landkreis Neustadt musste auch 2020 für Jugendhilfe tiefer in die Tasche greifen. Die Fülle der Einzelschicksale kostete statt kalkulierter 10,5 Millionen Euro satte 11,5 Millionen.

Heimunterbringung, Pflegeeltern, teilstationäre Hilfen: Die Mitarbeiter des Kreisjugendamts sind in vielfacher Hinsicht gefordert.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Alles wird teurer. Das sagt sich leicht. Wenn es um die Jugendhilfekosten geht, ist der Hintergrund meist bitter. Denn er zeigt, dass immer mehr Eltern und Kinder in der Gesellschaft nicht mehr zurechtkommen. Die Ursachen sind vielfältig. Jugendamtsleiterin Andrea Höning und ihr Team rechnen damit, dass sie auch 2021 rund eine Million Euro mehr ausgeben müssen. Das gaben sie im Jugendhilfeausschuss des Kreistags bekannt.

Der dickste Brocken sind dabei die Kosten für Heimunterbringung, die aber vermieden werden soll, wo es nur geht. Trotzdem lebten zum 31. Dezember 2020 73 Kinder und Jugendliche auf Kosten des Landkreises in Einrichtungen. Im Vorjahr waren es noch 61. Das ist eine Steigerung um fast 20 Prozent, der höchsten seit über sieben Jahren. Das Durchschnittsalter lag bei knapp 15 Jahren.

Abgesehen von den individuellen Problemen, sind die Kosten dahinter horrend. Der durchschnittliche Tagessatz für Heimunterbringung lag 2020 bei 192 Euro, das sind 10 Euro mehr als im Vorjahr. Im Fall eines Mädchens waren sogar 425 pro Tag fällig, Tendenz steigend. Auch Mutter-Kind-Maßnahmen kamen rund 100000 Euro teurer als geplant.

Ist also die Welt im Landstrich zwischen Kirchenthumbach und Eslarn nicht mehr in Ordnung? Nein, auch wenn manche Fallzahlen es nahelegen. Etwa die, dass immer mehr Kinder ohne erwachsene Schulbegleiter in einem Klassenzimmer überhaupt nicht mehr zurechtkommen. Das kostete zuletzt rund 800000 Euro im Jahr. "Vieles ist eine Momentaufnahme", betont Andrea Höning. So geht zum Beispiel die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Ausländer, die im Landkreisgebiet aufgegriffen werden, ständig zurück.

Mehr Sorgen bereiten manche Schulen. Daher soll die Grundschule Vohenstrauß ab September einen Jugendsozialarbeiter als Vollzeitkraft mit 39 Stunden bekommen. Die Kosten dafür, rund 34000 Euro, teilen sich Freistaat und Landkreis. Das muss allerdings die Regierung der Oberpfalz noch absegnen. Ausschuss und Kreisjugendamt sind sehr dahinter. Ihr Credo: Je früher Aggression, Vernachlässigung oder psychische Störungen bei Kindern angepackt werden, desto besser sind sie in den Griff zu kriegen. Das dürfe nicht erst bei Fünft- und Sechstklässlern beginnen.

Die zehn Jugendsozialarbeiter an den Landkreisschulen sind dabei auch im Homeoffice kreativ. Jüngstes Beispiel: Um ihre Schützlinge im Faschingslockdown bei Laune zu halten, riefen sie die Kinder vor Kurzem dazu auf, zu Hause Karnevalsmasken zu basteln und Fotos oder Videos davon einzureichen. Wie bei einem bunten Treiben in einer Stadthalle oder einem Pfarrheim gab es dafür Prämien. Das Ergebnis hat die Sozialpädagogen begeistert: Vom süßen Reh, über den futuristschen Roboter bis zum Paradiesvogel war alles dabei.

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