25.09.2020 - 20:55 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Welle der Hilfsbereitschaft

Die Mitte August gestartete Spendenaktion „Für die Kinder von Kakooge“ übertrifft alle Erwartungen. Eine Zwischenbilanz ist herausragend. Dass jeder Euro dringend benötigt wird, schildert Pater Stanislaus Strojecki aus Uganda.

Die Menschen in Kakooge leben in ärmlichen Verhältnissen, wie diese kranke Mutter mit ihren Kindern.
von Felix StaffeProfil

Der polnische Franziskaner-Minorit, der 16 Jahre Guardian auf dem Neustädter Felixberg war und von hier die Missionsarbeit für die Krakauer Provinz koordiniert hat, ist überglücklich. Vor wenigen Tagen sind bei ihm in Kakooge die bisher eingegangenen Spendengelder eingetroffen. 25 000 Euro – eine Summe, die alle Erwartungen übertroffen hat.

Auch Guardian Pater Stanislaus Sliwinski, der Nachfolger Strojeckis im Kloster St. Felix, ist von der Hilfsbereitschaft und Solidarität der Oberpfälzer mit den Menschen im ostafrikanischen Land, das zu den ärmsten auf dem schwarzen Kontinent gehört, sehr angetan. "Ich bin überrascht, dass in so kurzer Zeit so viel Geld zusammengekommen ist." Deo Gratias allen Spendern.

Die Hilfsaktion, die noch weiter läuft, ist dringend notwendig. Die Missionsstation in Kakooge hatte bereits alle Reserven aufgebraucht und Schulden gemacht, um wenigstens in gravierenden Fällen helfen zu können. Wer noch seinen Beitrag leisten möchte, kann dies über das Konto DE 07 7535 1960 0300 1366 45 tun. Kennwort: "Für die Kinder von Kakooge". Außerdem ist in der Klosterkirche St. Felix weiter die Ausstellung mit Bildern aus Uganda zu sehen. Die Besucher können in eine Spendenbox Geld einwerfen. Wer eine Spendenquittung benötigt, schreibt seine Anschrift dazu.

Darüber hinaus laufen die Vorbereitungen für eine Bilder- und Filmpräsentation, die noch im Herbst in der Felixkirche über die Bühne gehen soll. Sie wird Einblick in die tägliche Arbeit von Pater Stanislaus und seinen Mitstreitern geben. Bestimmt werden auch etliche Patenkinder zu sehen sein. Geplant ist zudem eine Live-Schaltung nach Kakooge. Termin und weitere Einzelheiten werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Missonsarbeit in Uganda

Pater Stanislaus schreibt:

Uganda schon sieben Monate im Lockdown

"Das Geld ist mittlerweile angekommen, und ich konnte die Schulden begleichen. Herzlichen Dank allen, die so unglaublich schnell und großherzig geholfen haben!

Allerdings wird die Lage im Land immer dramatischer: Der Lockdown dauert nun schon sieben Monate. Das tägliche Leben wird für immer mehr Menschen zunehmend härter. Es ist trotz allem eine gute, gesegnete Zeit, wie die Menschen sagen. Es regnet ausreichend, und es gibt keine Hungersnot. In ländlichen Gebieten besitzen oder pachten die Einheimischen ein kleines Stück Land und können etwas anbauen: Cassava, Mais, Matooke, Sweet Potatoes, Bohnen. Damit halten sie sich einigermaßen über Wasser.

Die Probleme beginnen dort, wo ohne Geld gar nichts geht. Da es in Uganda keinerlei Krankenversicherung gibt, muss alles bar bezahlt werden, und zwar sofort und noch bevor die Untersuchung oder Behandlung überhaupt beginnt.

Etliche Branchen dürfen immer noch nicht arbeiten. Auch die Schulen sind immer noch geschlossen. Etwa zwei Millionen Lehrer sind arbeits- und mittellos. Märkte, ein Teil der Geschäfte, Post, Bars, Restaurants, Hotels bleiben bis auf weiteres zu. Es gibt kein Einkommen und keine Möglichkeit, über so lange Zeit die gemieteten Räume zu bezahlen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel dürfen nur noch die Hälfte der Passagiere befördern und sind deshalb doppelt so teuer geworden. Überhaupt ist Arbeit knapp geworden, die Bezahlung schlechter - alles mit der "wunderbaren Erklärung: Covid"!

Was tue ich mit dem Geld, das die Menschen in der Oberpfalz gespendet haben? In erster Linie werden die Kosten für Arzt, Krankenhaus und Medikamente übernommen - besonders für Kinder und Mütter, und ganz besonders bei kinderreichen Familien.

Das zweite, immer mehr wachsende Problemfeld sind die Mieten. Die Wohnungseigentümer sind zwar geduldig. Aber sie warten nun schon seit Monaten auf ihr Geld und und wollen wenigstens einen Teil davon.

Meistens informieren mich die Nachbarn, wenn es kritisch wird. Bevor dann eine Familie auf die Straße gesetzt wird, begleichen wir die Miete. Wenn es sein muss, auch noch ein, zwei Monate voraus, um den Leuten ein wenig Luft zu verschaffen. Man muss wissen, dass Uganda in keinerlei Hinsicht ein Sozialstaat ist. Wird eine Familie vom Vermieter rausgeworfen, sind die Menschen wie Flüchtlinge im eigenem Land.

Die nächste Gruppe der Hilfebedürftigen sind die Arbeitslosen, die als Folge von

Corona ihren Job verloren haben. Leider können wir in unserer Missionsstation nicht alle beschäftigen. Wir tun unser Möglichstes. Besonders greifen wir Lehrern unter die Arme, damit sie die Zeit irgendwie überbrücken können, bis die Schulen wieder öffnen.

Und wenn dann die Schulen wieder öffnen, wird ganz sicher eine neue Welle der Not auf uns zukommen: Viele Mütter können die Schulgebühren für ihre Kinder nicht bezahlen. Für die 400 Heranwachsenden in unserem Patenschaftsprogramm ist es kein Problem, ihre Schulgebühren sind auch dank vieler Pateneltern im Raum Neustadt-Weiden gesichert. Aber für die Unzähligen, die gerade nur einmal am Tag etwas zu essen bekommen, ist Hilfe schier unmöglich.

Aber auch hier gilt: Solange die Oberpfälzer uns unterstützen, kann ich und werde ich helfen. Und das erkläre ich den Leuten hier in Kakooge. Das Geld fällt nicht vom Himmel, es kommt auch nicht von einer reichen Regierung oder EU - nein, es kommt von Menschen, die es auch nicht einfach haben unter Covid, aber das Herz am rechten Flecken haben und bereit sind zu teilen. Dafür von den Menschen in Kakooge und von mir ein ganz großes Vergelt's Gott und Dankeschön!" (fef)

Missionar Pater Stanislaus Strojecki.
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