11.11.2019 - 10:05 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Wildunfall: Wen anrufen, wie läuft die Abwicklung, bremsen oder nicht?

Bis zu 50 Prozent der Verkehrsunfälle im Landkreis Neustadt werden durch Wild verursacht. Wo liegen Unfallschwerpunkte, wen soll man anrufen, wenn man einen Wildunfall hatte, und wie läuft die Abwicklung? Polizei und Jäger geben Tipps.

Wenn ein Wildunfall passiert ist, sollte in jedem Fall die Polizei unter der Rufnummer 110 verständigt werden - egal, ob das Tier getötet wurde, verletzt oder geflüchtet ist.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

„Im Jahr passieren in unserem Zuständigkeitsbereich 800 bis 850 Verkehrsunfälle. Mindestens 50 Prozent sind Wildunfälle“, sagt Martin Zehent, Leiter der Polizeiinspektion Vohenstrauß. Für seine Inspektion seien Wildunfälle ein großes Thema. Kollegen, die ebenfalls für bewaldete Gebiete zuständig sind, berichten ähnliches. „Wir sind relativ stark belastet“, sagt Werner Stopfer, Leiter der Polizeiinspektion Eschenbach. 458 Wildunfälle hat es im Bereich seiner Inspektion 2019 bereits gegeben. 2018 waren es insgesamt 445. Auch hier machen Unfälle mit Wild rund die Hälfte aller Verkehrsunfälle aus. Das gilt auch rund um die Kreisstadt: 1030 Verkehrsunfälle zählte die Inspektion Neustadt 2018, davon 506 Wildunfälle.

Im gesamten Landkreis Neustadt gab es im vergangenen Jahr 1384 Wildunfälle, berichtet Tobias Würth von der Polizei Neustadt. Sechs Menschen seien dabei verletzt worden. Für die Polizei Weiden, die für das Stadtgebiet sowie Schirmitz zuständig ist, hält sich der Aufwand wegen Wildunfällen laut Verkehrssachbearbeiter Hans Wurm in Grenzen. Heuer habe es bisher 1325 Unfälle gegeben, davon 81 Wildunfälle.

Lieblingsorte für Wildschweine

Verletzte gibt es eher selten. „Ich schätze, dass 95 Prozent der Wildunfälle ohne Personenschaden enden“, sagt der Vohenstraußer Inspektionsleiter. Der Sachschaden sei „teilweise ganz niedrig, teilweise massiv. Das kommt vor allem auf die Wildart an“.

Die Polizisten wissen, wo es häufig zu Wildunfällen kommt: auf Straßen durch Waldstücke und solchen, die an Maisfeldern entlang führen. „Das sind die Lieblingsorte für Wildschweine“, so Zehent. Wenn der Mais im Herbst abgeerntet ist, suchen die Tiere nach einem neuen Versteck.

Polizei und Hans Dittrich, erster Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägerverbands Weiden, nennen folgende Unfallschwerpunkte:

  • In den Randgebieten der Stadt Weiden, zum Beispiel auf der B 470 im Bereich Brandweiher und rund um den Fischerberg. Allein auf der Vohenstraußer Straße am Fischerberg passieren laut Dittrich 10 bis 15 Wildunfälle pro Jahr.
  • Die große Population von Reh- und Schwarzwild auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr macht laut Werner Stopfer die Straßen rund um den Übungsplatz zur Risikozone.
  • Weitere stark betroffene Gebiete machen Stopfer und seine Kollegen auf der B 299 im Bereich Kaltenbrunn und der B 470 im Bereich Kirchenthumbach aus.
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Polizei und Jäger raten, die Wildgefahr-Schilder zu beachten, die in Risikogebieten aufgestellt werden. „Wer hier fährt, muss mit einem erhöhten Risiko rechnen“, erklärt Werner Stopfer. Wie seine Kollegen warnt er vor Ausweichmanövern. Es bestehe Gefahr, in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum zu fahren. Besser sei eine Vollbremsung mit festgehaltenem Lenkrad. Ob das Fahrzeug rechtzeitig zum Stehen kommt, hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit und dem Abstand zum Tier ab (siehe Grafik).

Taucht ein Tier 60 Meter vor einem Auto auf, das 100 km/h fährt, kracht es. (Quelle: ADAC)

Verletzte Tiere werden erlöst

Kollisionen enden für das Tier meist tödlich. Im Landkreis Neustadt wurde 2018 durch Unfälle 1032 Mal Rehwild (Rehe, Rot- und Dammwild) getötet. In jedem Fall gilt es, die Polizei zu informieren. „Ein Autofahrer hat die Pflicht, seine Beteiligung an einem Unfall offen zu legen“, erklärt Zehent. Es sei zudem „menschlich verwerflich“ und ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, weiterzufahren. „Es kann sein, dass das verletzte Tier im Wald liegt und leidet.“

„Die meisten Autofahrer rufen die Polizei“, sagt Jäger Hans Dittrich. Diese informiere den Jagdpächter. Ein verletztes Tier werde von ihm oder der Polizei erlöst – „je nachdem, wer zuerst da ist“. Liegt ein getötetes Tier auf der Fahrbahn, könne es zur Sicherung der Unfallstelle an den Straßenrand gezogen werden. Laut Dittrich scheuen sich aber viele Autofahrer, die Tiere anzufassen.

Info:

Tipps für Autofahrer: Was tun bei einem Wildunfall?

- Rehe, Wildschweine und Rotwild sind in der Dämmerung unterwegs. In Waldgebieten, rund um Maisfeldern und in Gebieten mit Warnschildern Geschwindigkeit anpassen, Abstand halten, bremsbereit sein.

- Taucht ein Tier auf, abblenden, hupen und Vollbremsung durchführen, auch wenn dies eine Kollision bedeutet. Es muss mit weiteren Tieren gerechnet werden.

- Nach einer Kollision die Polizei unter der Rufnummer 110 informieren – auch, wenn das verletzte Tier geflüchtet ist. Die Polizei verständigt den Jagdpächter.

- Bei Verletzten Erste Hilfe leisten. Unfallstelle sichern: Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen.

- Verletzte Tiere nicht anfassen, weil sie aggressiv reagieren können. Getötete Tiere nach Möglichkeit an den Fahrbahnrand ziehen, um Folgeunfälle zu vermeiden. Dabei Schutzhandschuhe anziehen (Tollwutgefahr).

- Fotos machen und Versicherung informieren. Polizei oder Jagdpächter stellen eine Wildunfallbescheinigung aus. Schäden durch Haarwild begleicht die Voll- oder Teilkaskoversicherung. Ob Unfälle mit Federvieh oder Haustieren versichert sind, hängt vom Vertrag ab.

- Ein bei einem Unfall getötetes Tier ist Eigentum des Jagdpächters und darf nicht in Verkehr gebracht werden (Wilderei).

Quellen: Bayerischer Jagdverband, Polizei, Jäger Hans Dittrich

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