Der Kirchenbesuch in Verbindung mit anschließender Einkehr im nahe gelegenen Gasthaus entspricht einer alten Tradition. Bei Kirche und Wirtshaus mit Pfiff wird diesem Brauch entsprochen. Deshalb folgten rund 100 Interessierte der Einladung nach Niederärndt.
Nach dem Glockenklang von St. Josef leitete Alwina Niklas mit einer Suite für Blockflöte die Veranstaltung im vollen Gotteshaus ein. Pfarrer Konrad Schornbaum eröffnete mit dem Hinweis auf die Organisationen, die diese Aktion ermöglichen. Deshalb galt sein Dank dem Landkreis, den Städten Amberg, Sulzbach-Rosenberg und Auerbach, der AOVE, der Kulturwerkstatt Sulzbach-Rosenberg sowie den Bildungswerken der Kirchen beider Konfessionen.
Die historischen Daten der St.-Josefs-Kirche schilderte Kulturführerin Helen Werner. Die interessierten Zuhörer erfuhren, dass mit diesem Gotteshaus in Niederärndt eine der ältesten Kirchen des Landkreises steht, ursprünglich romanischen Baustils, Bauzeit vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts. Das Mauerwerk mit unterschiedlichen Steingrößen belegt ebenso wie die Doppelempore aus der Renaissance spätere Erweiterungen und Umbauten. Für adlige Herrschaften wurde ein eigener Eingang vorgesehen.
Früher St. Margareta
Das Gotteshaus war ursprünglich der heiligen Margareta geweiht. In der Nähe der Kirche stand vermutlich eine Turmburg als Verteidigungsanlage der Sulzbacher Grafen mit Blickkontakt zum Breitenstein und nach Boden. Auf Resten der Turmburg ist wahrscheinlich das Kirchenschiff errichtet.
Helen Werner streifte die geschichtliche Entwicklung dieser Region, den Wechsel zum lutherischen Glauben 1596, den Bildersturm mit der Entfernung aller Darstellungen im Innenraum, die Auswirkungen des 30-jährigen Kriegs, die in Niederärndt noch glimpflich verlaufene Pestepedemie um 1634 und die Einführung des Simultaneums ab 1652.
1816 nach Edelsfeld
In Berichten aus 1708 ist die Rede von der Kapelle St. Joseph in Niederärndt. Ein großes Bild an der Südseite des Kirchenschiffs bestätigt den neuen Schutzheiligen. Es stellt Jesus, Maria und Josef dar. Jahrhundertelang Filialkirche von Eschenfelden, wechselte sie die Zugehörigkeit 1816/17 nach Edelsfeld. 1892 erhielt das Gotteshaus anstelle des bisherigen Dachreiters einen Turm an der Westseite sowie eine Sakristei angefügt. In der Josefskirche finden jährlich nur drei Gottesdienste statt. Allerdings wird sie gerne für Hochzeiten und Konzerte genutzt. Pfarrer Konrad Schornbaum und die Zuhörer dankten mit viel Beifall Helen Werner für die interessanten Ausführungen zur Geschichte der Kirche ebenso wie Alwina Niklas, die mit ihrer Flöte die historischen Abhandlungen musikalisch bereicherte.
Der zweite Abschnitt dieser Veranstaltung verlagerte sich zum Café Konditorei Heldrich in Edelsfeld. Dort schilderte Dieter Heldrich die Geschichte seiner Familie. Vater Fritz Heldrich stammte aus der Edelsfelder Brauerei.
Er baute 1960 ein Wohnhaus und betrieb eine Landwirtschaft. 1970 eröffnete er mit seiner Ehefrau Erika das Café, das 1997 Sohn Dieter mit seiner Ehefrau Stefanie übernahm. Das Café, somit in zweiter Generation in der Familie Heldrich, ist inzwischen erweitert um eine Konditorei und Bäckerei und genießt wegen seiner feinen Backwaren einen hervorragenden Ruf.
Dieter Heldrich plant bereits eine weitere Erneuerung. Er hofft, dass einer seiner Söhne die Tradition weiterführt. Die Ausführungen und den Unterhaltungsteil bei Kaffee, Kuchen und Brotzeiten im Café umrahmte Andrea Haas mit Akkordeon-Musik.





















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