Niedermurach
19.12.2022 - 14:39 Uhr
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Nach Jagdunfall bei Niedermurach: Spezialisten des LKA in Ermittlungen eingebunden

Der Treiber, der bei einem Jagdunfall am Samstag bei Niedermurach (Landkreis Schwandorf) verletzt wurde, ist wohlauf. Die Polizei Oberviechtach arbeitet bei den Ermittlungen mit Spezialisten des Landeskriminalamts zusammen.

Bei einer Drückjagd auf Wildschweine nahe Niedermurach wurde ein Treiber verletzt. Symbolbild: Fredrik von Erichsen/dpa
Bei einer Drückjagd auf Wildschweine nahe Niedermurach wurde ein Treiber verletzt.

Das wichtigste vorweg: Der 72-jährige Treiber, der am Samstagnachmittag bei einem Jagdunfall nahe Niedermurach verletzt wurde, ist wohlauf. "Wir haben mit ihm telefoniert", sagte der Leiter der Polizeiinspektion Oberviechtach, Hauptkommissar Dominik Höfner, auch Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Es gehe dem Geschädigten den Umständen entsprechend gut, so Höfner. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun darauf, wer den Schuss abgegeben hat, der den Mann am Bein verletzte. Dazu arbeitet die Polizeiinspektion mit Spezialisten des bayerischen Landeskriminalamts zusammen.

"Der Notarzt vor Ort sprach von einem glatten Durchschuss", erläuterte Höfner. Der 72-Jährige sei von einem Projektil in Höhe des Knöchels getroffen worden. "Die Waffen der beteiligten Jäger wurden sichergestellt", so der Oberviechtacher Polizeichef. Außerdem auch das Schuhwerk des Verletzten. Denn: Daraus könnten die Spezialisten des Landeskriminalamts möglicherweise Erkenntnisse gewinnen.

Mögliche Schmauchspuren

Das Projektil könnte Schmauchspuren an den Schuhen hinterlassen haben, erläuterte Höfner, daraus lasse sich auf die verwendete Munition schließen, eventuell lasse sich durch Ein- und Ausschusslöcher am Schuhwerk auch ein Winkel herausfinden, unter dem das Projektil den Mann getroffen hat. Daraus und aus den ermittelten Standorten des Verletzten und der Jäger am Unfallort könnten sich auch Rückschlüsse darauf ziehen lassen, woher der Schuss kam. "Wir ermitteln wegen fahrlässiger Körperverletzung", sagte Höfner, die Polizei gehe von einem Unfallgeschehen aus. Die Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Oberviechtach arbeite eng mit der Amberger Kriminalpolizei und dem LKA zusammen.

Ein wichtiges Beweisstück fehlt: Das Projektil wurde bislang nicht gefunden. "Das ist wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen", betonte Höfner, "noch dazu bei den momentanen Witterungsbedingungen." Im Laufe der Woche würden die Vernehmungen der sechs Jäger und sieben Treiber beginnen, die an der Drückjagd am Samstag teilgenommen hatten. Die Jagdgesellschaft hatte es auf Wildschweine abgesehen. Es gelang auch, einen Keiler aufzuscheuchen, mehrere Schüsse wurden auf das Tier abgegeben.

Einer davon prallte offenbar ab und traf den 72-Jährigen. Er war nach der Erstversorgung mit dem Hubschrauber in eine Amberger Klinik geflogen und dort operiert worden. Schon am Sonntag berichtete die Oberviechtacher Polizei auf Nachfrage, dass es dem Mann so weit gut gehe. Laut den ersten Ermittlungen noch am Samstag am Unfallort haben alle Jäger und Treiber entsprechend auffällige Kleidung getragen, auch die Belehrung der Jagdteilnehmer sei wie vorgeschrieben erfolgt, berichtet der Hauptkommissar. Der nach Polizeiangaben rund 60 Kilogramm schwere und offenbar auch verletzte Keiler entkam, trotz einer Nachsuche mit Hunden und Wärmebildgerät.

"Der Unfall ist trotz allem relativ glimpflich ausgegangen," sagte Höfner. Auch er erinnert an den schweren Jagdunfall im August 2018, als eine verirrte Kugel bei Nittenau den Beifahrer eines auf der nahe gelegenen B16 fahrenden Autos tötete. Erst nach äußerst aufwändigen Ermittlungen konnte damals festgestellt werden, welcher Jäger den Schuss abgegeben hatte.

Durch die Seitenscheibe

Wie das Landgericht Amberg in seinem Urteil gegen knapp ein Jahr nach dem Unglück feststellte, hatte die Kugel zunächst die Weichteile einer Wildsau durchschlagen, war leicht abgelenkt worden, die Seitenscheibe des Autos durchschlagen und dann den Beifahrer tödlich getroffen. Der verantwortliche Jäger wurde zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Außerdem musste er 20 000 Euro an die Hinterbliebenen des Opfers und 10 000 Euro Geldauflage bezahlen.

Ob es nach dem Unfall in Niedermurach zu einem Strafverfahren wegen eines Körperverletzungsdelikts kommt, ist noch offen – noch laufen schließlich die Ermittlungen. Außerdem, so Höfner, spiele auch eine Rolle, ob der verletzte Treiber Strafantrag stellt. Auch die Staatsanwaltschaft könnte das "besondere öffentliche Interesse" an dem Fall befürworten und so ein Verfahren auslösen.

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