04.01.2019 - 15:16 Uhr
NiedermurachOberpfalz

Eine Stunde mit Meise und Spatz

Grünfink, Blaumeise oder Rotkehlchen: Bis 6. Januar läuft die bundesweite Aktion: "Stunde der Wintervögel". Professor Werner Schuler appelliert ans Mitmachen, und hat auch Tipps fürs Füttern der Piepmätze parat.

Professor Werner Schuler, Ehrenvorsitzender des LBV-Kreisverbands Schwandorf, hat auf der Terrasse (im Hintergrund die Niedermuracher Pfarrkirche) mehrere Futterstellen für Vögel angebracht.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Bisher gibt es nur Spekulationen, wie sich die langen Trockenphasen 2018 auf die Vogelwelt ausgewirkt haben. Die Zählaktion vom 4. bis 6. Januar soll deshalb genaue Daten liefern und Fragen klären, wie: "Gibt es mehr oder weniger Vögel?" Im Vorjahr landete in Bayern der Spatz (Haussperling) nur auf Platz zwei. Und damit hinter den Meisen, die nach dem Ausbleiben in 2017 wieder sehr stark vertreten waren.

Werner Schuler füllt die Futtersäule mit einer Fertigmischung.

Katzen oder der Nachbar

Im aktuellen Winter bleiben bisher etliche Futterstellen verwaist. "Deshalb ist es gut, wenn viele Leute nachschauen, wie viele Vögel genau da sind", sagt Professor Dr. Werner Schuler, Ehrenvorsitzender des LBV-Kreisverbands Schwandorf. Er appelliert ans Mitmachen bei der bundesweiten Aktion "Stunde der Wintervögel". Diese organisiert der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum 14. Mal, und sogar Tschechien ist erstmals dabei. Auch auf der Terrasse in Niedermurach gibt es diese Tage kein aufgeregtes Gezwitscher. Nur eine Amsel lässt sich blicken. "Das muss aber noch nichts heißen. Wenn Vögel ausbleiben, kann das auch daran liegen, dass Katzen oder Sperber auf der Lauer liegen", schwächt Schuler ab. Außerdem könnte auch das Angebot in der Nachbarschaft eine Rolle spielen - oder die Tatsache, dass Bäume und Sträucher im Herbst besonders viele Früchte getragen haben und teilweise noch immer einen reich gedeckten Tisch bescheren.

Der Naturfreund kennt ein "Rezept", wie man die Piepmätze anlocken und zum Verbleib animieren kann: sehr klein gehackte Nüsse. Damit können sie nicht davonfliegen, sondern müssen die Masse an Ort und Stelle aufpicken. Professor Schuler füllt seine Futtersäule mit den sechs Fressplätzen mit einer Fertigmischung aus Körnern, Rosinen und Samen. Am Holzbalken hat er eine Vorrichtung für Meisenknödel gebaut und in das hölzerne Häuschen gibt er ein besonderes Leckerli: Dafür wird ein Pfund Haferflocken mit elf Esslöffeln Sonnenblumenöl gut durchgemischt. Beliebt bei vielen gefiederten Freunden sind Sonnenblumenkerne. Spatzen, Buchfinken und Goldammern freuen sich über "kleinere Sachen", wie hirseartige Samen.

Von der Küche aus hat das Ehepaar Schuler einen Premium-Blick zur Futterstelle und genießt es, den Singvögeln nahe zu sein. "Ich hab schon als Kind gerne zugesehen, wie unser großes, hölzernes Vogelhaus am Baum vorm Fenster bevölkert war", erinnert sich der Hausherr. Wie früher mehr verbreitet, könne auch Schweinefett aufgehängt werden. Denn an sehr kalten Tagen benötigen Meisen, Specht & Co. viel Energie. Schuler berichtet davon, wie in seiner Jugendzeit die Meisenknödel selber gemacht wurden, und dafür vom Metzger Talg gekauft und ausgelassen wurde. Doch auch die gekauften Knödel seien das "schiere Fett".

Eiweiß finden die Wintervögel, wenn sie im Laub, in der umgegrabenen Gartenerde oder den Ritzen der Baumrinde nach Raupen und Spinnen suchen. "Im Frühling schlüpfen viele Schmetterlingsraupen und dann ist das Angebot wieder ganz gut", meint der frühere LBV-Kreisvorsitzende. Sauberkeit sei wichtig, damit sich an den Futterplätzen keine Infektionen ausbreiten. Letztes Jahr hatte er bis weit ins Frühjahr "reingefüttert" und erst anschließend die letzten Körner von der Terrasse gefegt. "Die Vögel sind nicht so geschaffen, dass sie den Teller leer fressen. Sie picken sich etwas Gutes raus, so wie sie es auch im Garten machen", erklärt er die Tatsache, dass es unter dem Vogelhäuschen oft "wild" ausschaut. Besondere Gäste waren 2018 drei Kernbeißer. "Die sind groß und dick und sehr imponierend", berichtet der Experte. Mit ihrem kräftigen Kegelschnabel knacken sie gern und mühelos Kerne, um an deren Samen zu gelangen. "Ich habe deswegen extra Kirschkerne gesammelt", sagt er und lacht. Leider sei der Kernbeißer, der wegen seiner Größe auch als Finkenkönig bezeichnet wird, bisher noch nicht aufgetaucht.

"Es ist interessant und faszinierend, sich nach der Hektik der Feiertage eine Stunde lang auf die Beobachtung der Vögel zu konzentrieren", sagt Professor Werner Schuler. Er appelliert zum Mitmachen und dazu, diese kleine "Auszeit für die Natur" zu genießen. Denn nur wenn viele Zahlen geliefert werden, könne man erfahren, wie sich der heiße Sommer, die Dürre und das tropische Usutu-Virus auf die Population ausgewirkt haben. Viele Naturfreunde freuen sich über die Standorttreue der Vögel, die sie schon mal an individuellen Merkmalen ausmachen können. Selbst Schwalben kommen nach ihrem Winterurlaub in Afrika dorthin zurück, wo sie geboren sind.

Ein Leckerli für viele Vogelarten: Haferflocken mit Sonnenblumenöl vermischt.

Weniger Goldammer

Im Vorjahr gab es in Bayern eine Rekordbeteiligung mit dem Ergebnis, dass im Freistaat insgesamt immer weniger Vögel beobachtet werden. Rund 32 000 Teilnehmer zählten insgesamt über 760 000 Vögel. Der Rückgang von typischen Feldvögeln wie Goldammer um fast 40 Prozent machte dabei nachdenklich. Näheres zur Aktion und zum Erkennen der Arten gibt es im Internet beim Landesbund für Vogelschutz.

Der Dompfaff (Gimpel) ist ein gerngesehener Gast am Futterhäuschen. Er gehört, genauso wie der Stieglitz, zu den heimischen Finkenarten.

www.lbv.de

Vögel zählen:

Mitmach-Aktion

Zwischen 4. und 6. Januar 2019 eine Stunde lang die Vögel zählen, die vor dem Fenster, am Balkon, im Garten oder im Park zu sehen sind. Der Zeitpunkt ist frei wählbar, denn die Uhrzeit, und ob es ein Futterhäuschen gibt, ist egal. Zu beachten ist jedoch, dass pro Vogelart, die in dieser Stunde gleichzeitig gesichtete Höchstzahl gemeldet wird (zum Beispiel: 3 Amseln, 4 Meisen). Die Beobachtungen können über das Online-Formular (www.stunde-der-wintervoegel.de), per Post (LBV, Eisvogelweg 1, 91161 Hilpoltstein) sowie auch per Fax (09174/477575) gemeldet werden.

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