05.08.2020 - 16:31 Uhr
NittenauOberpfalz

Ein Bypass für die Große Regenbrücke

Neben der Großen Regenbrücke in Nittenau wird an einem Bypass gebaut. Er soll Ende des Jahres den Verkehr aufnehmen, damit die Regenbrücke erneuert werden kann. Bei den Arbeiten spielen auch Kampfmittelspezialisten eine Rolle.

Damit die Große Regenbrücke abgebrochen und erneuert werden kann, entsteht daneben eine Behelfslösung.
von Externer BeitragProfil

Das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach errichtet derzeit die Behelfsbrücke neben der bestehenden Großen Regenbrücke in Nittenau. Diese soll bis Ende des Jahres 2020 befahrbar sein, damit die marode Bestandsbrücke außer Betrieb genommen und ab 2021 abgebrochen werden kann. Anschließend folgt die Herstellung der neuen Großen Regenbrücke.

Da bereits aus der historischen Luftbildauswertung bekannt ist, dass der Bereich um die Regenbrücke 1944/45 bombardiert wurde, ist aus der Aktenlage grundsätzlich mit Bombenblindgängern oder anderen nicht detonierten Kampfmitteln zu rechnen. "Daher hat das Staatliche Bauamt bereits mit der Behelfsbrücke baubegleitende Kampfmittelspezialisten beauftragt", heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde.

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Auf der kleinen Regeninsel und auf der Südseite der Brücke wurden zur Erkundung Bohrlochsondierungen und andere geophysikalische Verfahren durchgeführt. Diese Bereiche konnten nach Auswertung der Messergebnisse für den Bau freigegeben werden. Kampfmittel wurden laut Straßenbauamt beim Aushub nicht gefunden.

Im Zuge der Bauarbeiten in der Flusssohle des Regens und im nördlichen Bereich wurden jedoch weitere sogenannte „Anomalien“ festgestellt, für die aufgrund der örtlichen Situation bislang keine Freigabe erteilt werden konnte. Damit können Kampfmittel im Baubereich nicht zuverlässig ausgeschlossen werden, was im späteren Verlauf bei Bestätigung des Verdachts auch zu einer Kampfmittelräumung beziehungsweise -bergung führen könnte. Diese wäre mit einer Evakuierung verbunden.

Das Straßenbauamt erläutert: "Der Umgang mit Kampfmitteln ist in Nicht-Corona-Zeiten ein Standardfall bei Brückenerhaltungsmaßnahmen". Aufgrund der aktuellen Situation und infolge einer derzeit gültigen Anordnung des Bauministeriums sei jedoch bis auf Weiteres alles zu unterlassen, was Evakuierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Beseitigung von Bombenblindgängerfunden erfordern könnte, insbesondere bei Betroffenheit von Krankenhäusern und Einrichtungen für Senioren oder Pflegebedürftigen im Umkreis. Das ausnahmsweise Öffnen von Verdachtspunkten wäre jedoch möglich, müsse aber mit der Kreisverwaltungsbehörde abgestimmt werden.

Daher wurde kurzfristig ein Fachstellengespräch mit Landkreis Schwandorf, Stadt Nittenau, mit den Rettungskräften, Feuerwehren usw. sowie den Vertretern der beiden umliegenden Seniorenheime anberaumt, um vorsorglich eine eventuelle Evakuierungsmaßnahme abzustimmen. Bis zu diesem Gespräch waren die Bauarbeiten eingestellt. Die Kurzfristigkeit war im Interesse der Stadt Nittenau, des Staatlichen Bauamtes als Vorhabensträger sowie aller betroffener Verkehrsteilnehmer und Nittenauer Gewerbetreibender, damit die Bauarbeiten umgehend wieder anlaufen können.

Warum hat es das Staatliche Bauamt so eilig? Der Bau der Behelfsbrücke soll aus fachlicher Sicht zwingend bis Ende des Jahres 2020, also vor Beginn der kälteren Jahreszeit, abgeschlossen werden, damit die marode bestehende Regenbrücke noch vor dem Winter außer Verkehr genommen werden kann. Die bestehende Brücke wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach abgelastet und wird derzeit mit deutlich reduziertem Verkehr betrieben. Bei entsprechenden Temperaturwechseln ist mit größeren Verformungen und Dehnungen zu rechnen, was zu weiteren Schäden führen wird.

Das Staatliche Bauamt skizziert kurz das Resultat des Fachstellengesprächs. Sollte man auf verdächtiges Material stoßen, erfolgt eine sogenannte "Volumenräumung". Dabei wird beim Aushub schichtweise sondiert und vorsichtig abgetragen. Wenn tatsächlich ein Blindgänger identifiziert werden würde, wird das Sprengkommando herbeigeholt. Es legt dann fest, wie die gefundenen Kampfmittel geborgen beziehungsweise entschärft werden, gegebenenfalls wird eine Evakuierung angeordnet.

Im Fachstellengespräch wurde des Weiteren besprochen, wie eine Evakuierung organisatorisch ablaufen würde mit – den entsprechenden Verhaltensregeln bei Corona. Bei der Stadt Nittenau würde ein Bürgertelefon eingerichtet, sobald sich der Kampfmittelverdacht bestätigen würde. Die betroffenen Bürger könnten sich dann hier Auskünfte wegen des Bustransfers in eine Ausweichunterkunft, Abholung und fachgerechter Betreuung durch die Rettungsdienste erkundigen und anmelden. Im Fachstellengespräch wurde von allen Beteiligten befürwortet, die Bauarbeiten umgehend weiterzuführen.

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