21.06.2019 - 16:24 Uhr
NittenauOberpfalz

Landfrauentag in Kenia

Eine Kuh, drei Tagwerk Grund. Das reicht gerade zum Überleben. Oder zu etwas mehr: Landfrauen aus Bayern, unter ihnen Kreisbäuerin Sabine Schindler, unterstützen ihre Kolleginnen in Kenia.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Frauen in Kenia nehmen beschwerliche Wege auf sich. 50 Kilometer und mehr. Auf irgendeinem Moped, zu Fuß. "Ganz Kenia geht", sagt Sabine Schindler. Die Kreisbäuerin hat auch einen langen Weg hinter sich, Frankfurt, Nairobi, Kisumu. Mit einer Delegation der bayerischen Landfrauen ist sie zu Gast bei einer Premiere in dem ostafrikanischen Staat: Landfrauentag, "rural Women's Day", in drei Counties. "Die entsprechen ungefähr unseren Landkreisen," erzählt Schindler am Esstisch in Öd nach ihrer Rückkehr. Von Pfingstsonntag an waren Schindler, BBV-Direktorin Dr. Andrea Fuß, Landesbäuerin Anneliese Göller und die ehemalige Milchkönigin Sonja Wagner in Kenia zu Gast. Die bayerischen Landfrauen unterstützen in einem vom Bundes-Entwicklungshilfeministerium finanzierten Projekt mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) den Aufbau und die Arbeit der "Women Farmers Association of Kenia" (WoFaAK).

Drei Themen stehen im Mittelpunkt. Zuerst die gesunde Ernährung. "Auch wenn die Kenianer wohlgenährt wirken, sie leiden an Mangelerscheinungen," erzählt Schindler. Hauptnahrungsquelle sind weißer Mais und Süßkartoffeln. "Sie könnten jetzt während der Regenzeit Gemüse und Früchte haben, wenn sie es pflanzen würden", sagt die Kreisbäuerin. Mineralien, Vitamine kommen in der Ernährung zu kurz. Die kenianischen Frauen hier anzuleiten, ist ein Ziel der WoFaAK.

Die Kleinbauern haben meist nur ein, zwei Kühe. Die nötigen Futtervorräte für die lange Trockenzeit zu schaffen, die Kühlung der Milch und die Veredelung zu anderen Produkten, gehört auch zu den Projekten. Allerdings: "Kenianer essen keinen Käse", erzählt Schindler. Die Vorratshaltung von Viehfutter für den Winter komme oft zu kurz. "Im Dezember ist das Futter aus, dann stirbt die einzige Kuh und muss teuer wieder beschafft werden." Händisch betriebene, einfache Heupressen oder Folien-Silos können eine Lösung sein. Auf gut laufenden, etwas größeren Farmen werden die Landfrauen in der Praxis unterrichtet, mit Unterstützung der WoFaAK.

Netzwerke schaffen

Drittes großes Thema: Netzwerke unter den Frauen schaffen, deren Selbstbewusstsein zu stärken. Zwar ist Kenia eine stark Männer-dominierte Gesellschaft, den Frauen obliegt die Feldarbeit und die Arbeit mit den Tieren. Gemeinsam ließen sich aber Strukturen brechen, die Politik überzeugen. So war bei einem der "rural Days" der kenianische Wasser-Minister des Landes zu Gast. Er wollte sich nur zehn Minuten Zeit nehmen. "Er blieb eineinhalb Stunden und versprach den Frauen Wassertanks", erzählt die Kreisbäuerin. Wichtig jetzt während der Regenzeit. Ansonsten muss Wasser kilometerweit herbeigeschafft werden.

Mehr als 200 Bäuerinnen kamen jeweils zu den "rural Days" in Kakamega, Bungoma und Siaya. Die Landfrauentage waren jeweils Premiere, unter großem medialen und politischem Interesse. "Ganz wichtig ist der Zugang zu Bildung," sagt Schindler, zwar herrscht Schulpflicht in Kenia. "Das ist aber mehr Betreuung", ist der Eindruck der Kreisbäuerin. Deshalb sei die Fortbildung auf den größeren Farmen so wichtig.

"Eine ganz andere Welt"

"Afrika ist wuselig, und alles geht übers Tanzen", sagt Schindler, jeder Empfang, jedes Treffen ist mit Musik verbunden. Ihr Resümee: "Es ist eine ganz andere Welt. Ich bin dankbar, dass ich hier geboren bin. Die Gegend ist sehr arm. Aber die Kraft der Frauen, aus wenig viel zu machen, gemeinsam und mit vielen Ideen, hat mich tief beeindruckt." In den kommenden Wochen erwartet Schindler einen Gegenbesuch von zwei Farmerinnen. "In Nairobi ist der Pass-Drucker kaputt. Mal sehen, ob es klappt".

Im Blickpunkt:

Finanziert durch Bundesministerium

Die BBV-Landfrauen Internationale Zusammenarbeit GmbH (BBV-LIZ) organisiert seit Mai 2017 ein Projekt, um kenianische Bäuerinnen bei der Vertretung ihrer Interessen zu stärken, ihnen bei der Schaffung zusätzlicher Einkommensquellen, insbesondere bei der Wertschöpfungskette Milch, behilflich zu sein und sie im Bereich der Ernährungsbildung zu unterstützen. Im Zentrum stehen die kenianischen Bäuerinnen und ihre kleinbäuerlichen Familienbetriebe in den drei Countys Siaya, Kakamega und Bungoma im Westen von Kenia. Das Projekt der Landfrauen ist eingebunden in die Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter dem Titel: "EINEWELT ohne Hunger - Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft". Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vollzieht das Programm im Auftrag des Ministeriums durch und ist Vertragspartner der BBV-LIZ. Das Projekt läuft noch bis Dezember 2019. Ehrenamtlich begleiten Landesbäuerin Anneliese Göller und sechs Bezirksbäuerinnen das Projekt, das Angelika Eberl hauptamtlich leitet.

Weitere Infos:

http://www.bbv-liz.de/

Aktuell und Wissenswert

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