10.04.2020 - 07:02 Uhr
NürnbergOberpfalz

Christen als Versöhner und Brückenbauer im Bürgerkrieg in Syrien

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Die Christen sind eine Minderheit im Nahen Osten, obwohl sie ihre Geschichte bis in die Zeit Jesu zurückführen. Der Jesuit Sami Hallak aus Syrien spricht über die Rolle der Christen.

Der Jesuitenpater Sami Hallak in den Ruinen im syrischen Aleppo. Bild: Jesuitenmission
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Als Christ im Nahen Osten, das scheint ein Leben auf verlorenem Posten zu sein. Etwa in Syrien: Von den einst gut zwei Millionen Christen leben nur noch rund 700 000 im Land. Die meisten sind wegen des Bürgerkriegs geflohen. Geblieben ist Pater Sami Hallak. Der syrische Jesuit lebt und arbeitet in Aleppo, wo er sich seit nunmehr bald zehn Jahren um die Ärmsten kümmert .

Auf die Frage, was es heißt, in dieser Zeit des Krieges Christ zu sein, antwortet er, dem liege eine andere zugrunde: "Was bedeutet die Anwesenheit einer christlichen Minderheit in einem muslimischen Land?" Hallak verweist auf die Antworten der ostkatholischen Patriarchen, die einerseits die lange christliche Geschichte in der Region betonten und andererseits in der Anwesenheit der Christen einen Missionsauftrag sehen würden, ohne aber zu sagen "was diese Mission wirklich ist". Die Jesuiten und mit ihnen Hallak geben darauf eine Antwort. Für sie gehe es um die "Versöhnung zwischen den verschiedenen religiösen und ethnischen Gemeinschaften im Land".

Hallak schreibt in seiner E-Mail: "Die christliche Gemeinschaft hat keine politischen Ambitionen. Sie versucht nicht, die Macht zu übernehmen. Jeder weiß das. Deshalb kann sie die Rolle der Versöhnerin spielen." Christen könnten Brücken bauen und zu gemeinsamen Projekten einladen. "Alle unsere derzeitigen Aktivitäten als Jesuiten in Aleppo und Damaskus sind Aktivitäten, die Muslime und Christen zusammenbringen", betont Hallak.

Zur Begründung führt der Jesuit Ostern an. Nach seiner Auferstehung habe Jesu den Jüngern gesagt: "Ihr seid Zeugen für mich." Dieses Zeugnis dürfe nicht nur durch die Predigt sondern durch Vorbild erfolgen, argumentiert Hallak. Die Jesuiten wollen die gute Nachricht, die Botschaft Christi, "durch Zeugnis und nicht durch Sprache" verkünden. "Für mich ist es klar. Wenn Christen ihre Gegenwart retten wollen, müssen sie aus ihrer Gefangenschaft herauskommen und eine zusätzliche Mission erfüllen", sagt der Jesuit. Es gebe "viele Führende in den Kirchen in Syrien, die diese Ideen nicht kennen und sich für mehr Beschränkung, mehr Mission im Inneren einsetzen".

Vergangenes Jahr besuchte Hallak erstmals Deutschland. Diese Sabbatmonate dienten dazu "wieder zu Kräften zu kommen und die Mitglieder meiner Familie zu besuchen, die vor dem Krieg geflohen waren". Hallak erzählt, in Berlin habe er auch einen alten Freund getroffen, der dort seit 25 Jahren lebt. Dessen 21-jähriger Sohn, ein Christ, habe ihn gefragt: "Warum müssen wir glauben?" Seine Antwort an ihn gebe er jedem christlichen Deutschen, sagt Hallak: "Der Mensch, der sich von Gott entfernt, stirbt, denn Gott ist die natürliche Umgebung des Menschen. Gott ohne Menschen ist immer Gott. Aber der Mensch ohne Gott ist ohne Ressourcen. ... Ohne Gott stoßen wir ständig auf unsere Endlichkeit, die zu einer Sackgasse wird."

Interview mit Pater Sami

Regensburg
Hintergrund:

Jesuiten in Syrien

In Syrien sind die Jesuiten in Aleppo, Homs und in der Hauptstadt Damaskus aktiv. In drei Nachbarschaftszentren – Al-Sakhour, Al-Kafroun und Jaramana – setzen sie mit ihren Projekten ein Zeichen in einem Land, dessen Infrastruktur durch den Krieg weitgehend zerstört ist. Dort betreuen sie unter anderem Kinder oder leisten medizinische Hilfe – dabei richtet sich die Hilfe immer an Christen und Muslime. In den Hochzeiten des Krieges betrieben die Jesuiten zudem Suppenküchen. Finanziert wird die Arbeit durch Spenden. In Deutschland ist die Jesuitenmission in Nürnberg Anlaufpunkt.

Jesuitenmission in Nürnberg

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