23.11.2020 - 09:13 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Begegnung in der Dämmerung: Leitstute vertreibt vermeintlichen Wolf

Dora und Hubert Schecklmann sind sich sicher: Es muss ein Wolf gewesen sein, der vergangenen Samstag direkt vor ihrer Pferdekoppel in Unterbibrach stand. Das Tier, das sich am frühen Morgen aus der Deckung traute, fasziniert das Ehepaar.

Die Landwirte Dora und Hubert Schecklmann haben in Unterbibrach ein Haflinger-Gestüt. Leitstute Monique war nur mäßig vom mutmaßlichen Wolfbesuch beeindruckt.
von EDOProfil

„Ich bin wie jeden Tag um circa halb sieben Richtung Kuhstall gegangen und dabei werfe ich auch immer einen Blick auf die Pferde“, erzählt Hubert Schecklmann. Er ist Landwirt und betreibt in Unterbibrach mit seiner Frau Milchviehhaltung und Ackerbau. Sein großes Hobby ist außerdem die Haflingerzucht, für seine Edelblutpferde hat er bereits mehrere Auszeichnungen erhalten. Die Tiere verbringen die Nacht in einem großen Stall. Sobald es hell wird, grasen sie auf den feuchten Grünflächen, wo der von Osten herkommende Biberbach in die Creußen mündet.

Am besagten Morgen sei ihm zunächst aus dem Augenwinkel heraus aufgefallen, dass die Leitstute auf der gegenüberliegenden Bachseite war. „Das macht sie ab und zu“, sagt er, fügt jedoch hinzu: „Aber sie hatte den Kopf in der Höhe, stand angespannt und still und starrte auf einen Punkt.“ Schecklmann suchte den Grund dafür und entdeckte etwas hinter den Büschen, das er zunächst nicht erkennen konnte. Zuerst vermutete der Land- und Pferdewirt ein äsendes Reh. Als sich das Tier dann aber auf die Stute zubewegte, traute er beinahe seinen Augen nicht. „Das war auf jeden Fall kein Fuchs und auch kein Hund“, berichtet Hubert Schecklmann, der circa 100 Meter entfernt stand. Er habe seine Frau gerufen, sie solle schnell kommen. Der Landwirt vermutet, dass es sich bei dem Tier auf der Wiese um einen Wolf handelte. Auch Gattin Dora pflichtet ihrem Mann bei, dass es ein Wolf gewesen sein muss. Ihr sei sofort das gräuliche Fell des Tieres aufgefallen. Außerdem gebe es im Truppenübungsplatz nachweislich Wölfe und der ist Luftlinie nur wenige Kilometer entfernt, sagt Dora Schecklmann: „Wenn ein Wolf in der Nacht 50 Kilometer und mehr läuft, dann ist es bis zu uns nur ein Katzensprung. Wahrscheinlich war der sehr neugierig.“

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Um ihre Pferde und besonders um die Leitstute hatte das Paar keine allzu große Angst, denn diese blieb cool und erfüllte ihre Aufgabe als Verteidigerin mit Bravour: „Als der Wolf bis auf wenige Meter ans sie heran gekommen ist, hat sie angefangen zu schnauben und zu treten“, berichtet das Ehepaar. Davon sichtlich beeindruckt habe das Tier den Rückzug über die Äcker Richtung „Hirtenholz“, so der Name des Waldstücks zwischen Unterbibrach und Ernstfeld, angetreten.

In letzter Zeit sei es öfter vorgekommen, dass sich die Herde in Habachtstellung befand und Richtung Wald blickte, erinnert sich Schecklmann. Das könne aber viele Gründe haben, Jogger oder Spaziergänger zum Beispiel – auch wenn dort eher weniger Menschen unterwegs sind. Herbert Hermann aus Ernstfeld, der am Ortsrand circa 40 Schafe hält, berichtet, dass er in der jüngeren Vergangenheit am Waldrand immer wieder Rehe in ungewöhnlich großen Sprüngen sehe. Ob dafür aber ein Wolf oder die immer mehr werdenden Fahrradfahrer verantwortlich sind, wisse er nicht. Seit er allerdings von der nur zwei Kilometer entfernten mutmaßlichen Wolfssichtung erfahren habe, sichere er seinen Stall noch mehr.

Dass ein einzelner Wolf ein ausgewachsenes Pferd reißt, glauben Dora und Hubert Schecklmann nicht. Problematisch könnte es höchstens werden, wenn ein Rudel kommt oder der Wolf eine Stute beim Fohlen überrascht. „Mehr Sorgen machen wir uns aber, dass er die Pferde so aufscheucht, dass sie durch die Koppel brechen und am Ende noch auf die Hauptstraße laufen“, sagen beide. Aber Panik ist nicht die Sache der Schecklmanns, vielmehr wollen sie wachsam bleiben. „Solche Sichtungen“, sind sich beide sicher, „werde es in Zukunft häufiger geben.“ Gemeldet haben die Unterbibracher ihre mutmaßliche Wolfsbegegnung nicht.

"Das müssen sie auch nicht", informiert Frank Pirner, Leiter des Forstbetriebs Pegnitz der Bayerischen Staatsforsten, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Das Revier des Forstbetriebs reicht unter anderem bis nach Unterbibrach. Bekannt ist Pirner bislang nichts, dass sich in dieser Region ein Wolf aufhalten soll, doch es überrascht ihn nicht: "Es gibt ein Rudel im Veldensteiner Forst, das das dritte Mal Junge hat, ein Rudel im Manteler Wald. Es gibt überall Möglichkeiten, dass man einen vom Rudel gelösten Wolf sichtet." Er selbst ist in diesem Sommer bereits acht Mal einem Wolf begegnet – jedes Mal im Veldensteiner Forst, der nur gute sieben Kilometer Luftlinie von der Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach entfernt liege. In der Vergangenheit habe es aber natürlich auch schon Verwechslungen gegeben, berichtet Pirner von anderen gemeldeten Sichtungen. "Auf Fotos ist es außerdem eher schwierig, das Tier zu identifizieren."

Aus circa 90 Meter Entfernung nehmen die Schecklmanns dieses Foto auf: Auf der Wiese nahe des Waldrandes steht ein Tier - die Unterbibracher sind sich sicher, dass es ein Wolf ist. Nachgewiesen ist das aber nicht.
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