Sagenhafter Spaziergang rund um "Haus Murach" lockt in eine fantastische Welt

Moosweiblein, Schrazeln und ein geplagter Pfleger sind die Wegbegleiter. Mit großem Interesse folgen die Gäste bei der Premiere der Ovigo-"Zeitreise" um Obermurach dem Wanderführer. Spannende Geschichten entführen in die Welt der Sagen.

von Udo WeißProfil

„Es darf wieder losgehen!“, freute sich Florian Wein, künstlerischer Leiter der Theatergruppe Ovigo, als er beim Spielplatz in Obermurach die Teilnehmer des „Sagenhaften Spaziergangs zur Burg Murach“ begrüßte. Zur Premiere der „Zeitreise mit Schrazeln, Hoymännern und dem wilden Hans“ waren auch Bürgermeister Rudolf Teplitzky und die Laienspielbeauftragte des Bezirks, Eva-Maria Eiberger, anwesend. Die Erlebnisführung rund um die imposante Burgruine "Haus Murach" tauchte tief in die Geschichte der Region ein. Spannende, teils überraschende Schauspielszenen garnierten den Nachmittag.

"Die mindestens 900 Jahre alte Burg soll von Riesen erbaut worden sein", leitete Wein zu den Sagen über, die sich rund um die Burg ranken. Schrazeln, also kleine Wichtel, Zwerge oder Kobolde, wie sie in der Oberpfalz genannt werden, sollen den Bewohnern bei der Arbeit geholfen haben. „Mei Mo is a dämlicher Ochs, er hat den Schrazeln kloane Hoserln und Schucherln hingelegt, seit dem Doch woarns weg“, jammerte in der ersten Szene eine Bauersfrau (Christine Götz), die plötzlich zu der Gruppe stieß. Im Keller des Gasthauses Schießl in Oberviechtach soll es Schrazeln gegeben haben, führte Florian Wein weiter aus. Heute noch seien die Schrazellöcher zu besichtigen. Es wird vermutet, dass diese Verstecke oder religiöse Kultstätten waren.

Mit einer Satireshow auf Youtube überbrückte das Ensemble die durch Corona erzwungene Spielpause

Oberviechtach

Auf dem Weg in Richtung Nottersdorf saß eine „Bettlerin“ (Petra Sommer-Stark) und spielte mühsam Flöte. Bürgermeister Rudolf Teplitzky erbarmte sich ihrer und gab ihr Almosen. „Zwerge und Riesen kommen in Oberpfälzer Sagen oft vor, sie sind personifizierte Urkräfte“, erklärte „Reiseführer“ Wein. Bei Franz Xaver Schönwerth seien Zwerge Abbilder der Kelten. Die Sage von einem Mann, der wegen angeblichen Klauens von drei Äpfeln an den Schweif eines Pferdes gebunden und rund um die Burg geschleift wurde, wurde dramatisch von Bernhard Neumann in einer Szene thematisiert.

Moosweiblein, die in Erdlöchern oder hohlen Bäumen leben und die den Fleiß der Menschen mit Gold belohnen, kamen in den Szenen ebenso vor wie die wilde Jagd, bestehend aus Dämonen und Verdammten, die einmal im Jahr den Brocken verlassen und Unheil bringen. Hoymänner behüteten den Wald und riefen „Hoy, hoy“. Dem Volksglauben nach straften sie Waldfrevel und vertrieben manchen Holzdieb mit ihren Rufen. Die Ovigo-Schauspieler Petra Sommer-Stark und Bernhard Neumann sowie Christina Götz spielten die Szenen mit voller Hingabe und Dramatik und ernteten dafür Applaus.

In einer Szene im Bereich der ehemaligen Kapelle der Burg trat der Pfleger „Johann Georg Klement Ehrnlechner“ auf, der 21 Jahre auf der Burg gelebt und gewirkt hat. Er berichtete über seine Sorgen und Probleme mit seiner Aufgabe. Tief in die Geschichte tauchte die Szene im Burghof ein, bei der „Eleonore zu Frauenstein“ vom „Wilden Hans“ erzählte, der sie entführt hatte. Hans Satzenhofer zu Frauenstein wurde als ihr Vater erwähnt, mit dem Adligen Hans Zenger wurde die Brücke nach Neunburg geschlagen. In der letzten Szene ging es in einem lockeren Geplänkel um die Verwendung der Steine der Burg zum Bau von Wohnhäusern.

Zum Abschluss dankte Florian Wein Sigrid Breitschafter vom Tourismusbüro, die die Idee zu diesem „sagenhaften Spaziergang“ hatte, sowie Maria Oberleitner und Michael Zanner, die als Regisseure und Autoren die Zeitreise konzipiert hatten. Sein Dank ging auch an die engagierten Schauspieler. „Super, dass wir wieder Theater spielen können“, lautete der Tenor der Mitwirkenden.

Im Blickpunkt:

Die Geschichte der Burg

Den geschichtlichen Hintergrund rund um die Burg Haus Murach legte Ovigo-Vorsitzender Florian Wein dar. Er ließ die Geschichte der heutigen Ruine, die noch vor mehr als 200 Jahren imposantes Symbol der Macht war, Revue passieren.

Ab dem Jahr 1272 ging sie an verschiedene Pfleger, die die Burg mit Steuern, Gerichtsbarkeit und Soldatenbereitschaft zu verwalten hatten. Hussiten, Angriffe und die Pest – das alles hatte die Burg überlebt und ihre Mauern waren standhaft geblieben. Ebenso den mehrfachen Wechsel von Glaube und Religion der Bevölkerung sowie Seuchen, Brände und Hungersnöte. (weu)

Hintergrund:

Rund um die Sagenwanderung

Termine: Bis zum 27. September jeden Samstag und Sonntag ab 15 Uhr. Am Wochenende 1./2. August keine Vorstellung. Dauer: rund 100 Minuten. Treffpunkt: Erlebnisspielplatz Obermurach. Parkplätze: In der Dorfmitte von Obermurach und entlang der Hauptstraße.

Verlauf: Die „Zeitreise“ verläuft am Ortsrand einen Flurweg entlang, der zur Burg führt und dabei den Karl-Krampol-Weg streift. Die Wege sind leicht zu begehen. Die Führungen sind auch für Kinder (ab 8 Jahren) und Familien geeignet, jedoch nicht für Rollstuhlfahrer. Ein Führer leitet die „Zeitreise“ und bringt die Gäste am Ende wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Karten: Tourist-Information Oberviechtach; Restkarten-Kontingent bei Florian Wein (Telefon 0160/96227148 oder per Mail info[at]ovigo-theater[dot]de); Preis: 10 Euro, Kinder, Schüler, Studenten: 5 Euro. Bei manchen Terminen können – trotz Ausverkauft-Markierung – wegen der Lockerung der Corona-Vorschriften zusätzliche Tickets gekauft werden. Anfrage per Mail an Ovigo. (weu)

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