07.08.2020 - 18:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

100 Tage im Amt: Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky zieht eine erste Bilanz

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Von der Wirtschaft ins Rathaus: Der neue Oberviechtacher Bürgermeister startet ohne politische Erfahrung, aber mit jugendlichem Elan. Auch wenn die Coronakrise bremst, fühlt sich Rudolf J. Teplitzky (37) angekommen. Es gibt viel zu tun.

Angekommen: Rudolf J. Teplitzky freut sich über den Arbeitsplatz im Herzen seiner Heimatstadt. Das Rathaus möchte er unter dem Aspekt „bürgerfreundlich“ auch digital öffnen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"In zwei Wochen wird es hier etwas heller", sagt Rudolf J. Teplitzky beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien in seinem Amtszimmer. Die schweren, dunkel furnierten Möbel, die noch vom Vorvorgänger Wilfried Neuber stammen, passen so gar nicht zur jugendlich-dynamischen Ausstrahlung des neuen PWG-Bürgermeisters. "Es ist abwechslungsreich und es macht glücklich, mit anderen Menschen gemeinsame Ziele zu erreichen", stellt er gleich eingangs fest. Nach 100 Tagen im Amt strahlt er noch wie am Wahlabend, als er mit 75,4 Prozent einen tollen Vertrauensvorschuss erhielt.

In den vergangenen drei Monaten packte er schon einige Themen aus der Wahlwerbezeit an - darunter den Leerstand Soldatenheim (siehe Kasten). Wichtig sind ihm eine zielführende Gesprächsführung und ein Zeitplan. Teplitzky präsentiert sich als Macher aus der Wirtschaft. Schließlich war der gebürtige Oberviechtacher bis 30. April als Produktmanager bei Siemens in Erlangen beschäftigt. Beim Emil-Kemmer-Haus appelliert er an die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (KAS), "zu mehr Flexibilität und Bewertung aller Optionen". Nachfrage nach Tagungsräumen bestehe, und für Übernachtungsmöglichkeiten habe er bereits eine Idee. Seine Vision: Dass der Neujahrsempfang 2021 wieder im Saal stattfindet. Vom Vormittagstermin in Berlin kam er am 14. Juli gerade noch rechtzeitig zur Sitzung ins Rathaus zurück.

Bürgermeister Teplitzky bekräftigte bei der ersten Stadtratssitzung, was ihm wichtig ist

Oberviechtach

Gute Stimmung im Stadtrat

"Es herrscht eine gute Stimmung im Stadtrat", freut sich Teplitzky. Vor den Sitzungen trifft er sich mit den Fraktionssprechern und Amtsleitern. Die Tagesordnung mit den bereits vorbereiteten Beschlüssen wird durchgesprochen- und falls notwendig noch eine "Feedback-Schleife" eingeschoben: "Es ist wichtig, verschiedene Perspektiven zu hören." Er versucht, "den gleichen Wissensstand den ich habe, an die Stadträte weiterzugeben". Bei den Ortsbesichtigungen, beispielsweise am Hochbehälter zur Wasserversorgung, habe er gemerkt, dass diese nicht nur für ihn spannend und aufschlussreich sind. Für alle Stadträte und Amtsleiter ist für Ende November eine zweitägige Klausurtagung geplant.

"Es ist etwas schade, dass ich mit angezogener Handbremse starten musste", meint Rudolf J. Teplitzky. Die Kommunikation mit den Bürgern leide durch die Corona-Pandemie noch immer. Zusammen mit Stadtpfarrer Alfons Kaufmann hat er sich darauf verständigt, die Geburtstagsbesuche vorerst noch bis Ende August auszusetzen. Ein anderes Corona-Kuriosum: Erst nach 99 Tagen im Amt ist der neue Bürgermeister zur ersten Jahreshauptversammlung (Handballverein am 7. August) eingeladen. Ausfallen mussten auch die vierteljährlichen Baby-Empfänge im Rathaus. Doch hier schwebt ihm sowieso eine Änderung vor: "Künftig laden wir die Familien mit Nachwuchs einmal im Jahr in die Mensa ein." Denn mit Rahmenprogramm könnte sich Oberviechtach noch viel stärker als familienfreundliche Stadt präsentieren. Auf die Frage nach den "Highlights" der ersten 100 Tage muss der er nicht lange überlegen: Die erste standesamtliche Trauung im Juli und auch die Besuche in Kindergarten und Schulen. Der junge Familienvater (das dritte Kind ist unterwegs) hielt bei den Ansprachen das Thema "Heimat" hoch, denn da stecke viel Potenzial drin. "Es ist wichtig, dass junge Menschen in der Region bleiben."

Was gibt es Schöneres, als für die Heimat zu arbeiten.

Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky

Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky

Netzwerke aufbauen

Teplitzky sieht sich als Netzwerker. Er hat bisher sechs Unternehmen besucht und Gespräche mit dem Wirtschaftsforum geführt. Für die Belebung der Innenstadt wünscht er sich eine bessere Verzahnung von Wirtschaft und Tourismus. Es gab auch bereits einen gemeinsamen Gesprächstermin mit den Marktplatz-Gastronomen. "Nach Corona folgt ein Treffen im größeren Kreis." Bürgernähe, Transparenz und Kommunikation ist ihm wichtig, "und stand nicht nur im Wahlprogramm". Bei den Hausbesuchen Anfang des Jahres hat er sich viele Themen aufgeschrieben, vom Ausbaggern eines Dorfweihers bis zum Aufstellen einer Straßenlaterne. "Ich konnte schon vielen Bürgern ein Feedback geben; ein Großteil ist schon abgearbeitet." Bei den Anrufen spüre er viel Wertschätzung und Freude über die Rückmeldung. Bei 60 Punkten sei der Bauhof "gleich losmarschiert". Aber er schränkt auch ein: "Es geht nicht alles." So müssten beispielsweise die 120 Feld-, Wald- und Wiesenwege von den Anrainern (in Abstimmung mit der Stadt) gepflegt werden. Ab 2021 soll es ein Bürger-Informationsblatt geben und bei der Nutzung der neuen Medien sieht der 37-Jährige noch eine "große Lücke". Hier wolle man künftig als Stadt stärker unterwegs sein. Nicht gefallen dem politischen Newcomer pauschale Aussagen, wie "die Stadt muss uns besser unterstützen". Hier wünscht er sich unter anderem von Vereinen eine Konkretisierung.

Es ist wichtig, verschiedene Perspektiven zu hören

Der Bürgermeister zur Stadtratsarbeit mit gemeinsamen Fraktionssitzungen

Dass er zum Amtsantritt im Corona-Lockdown quasi ins Rathaus "eingesperrt" war, hat auch sein Gutes gehabt: "Ich hatte mehr Zeit zum Einarbeiten." Der Siemens-Manager machte schon nach wenigen Wochen die Erfahrung: "Behörden sind eine andere Welt." In der Wirtschaft sei man oft freier bei den Entscheidungen, während "Behörden alles absichern müssen, was dann auch länger dauert". Bei der Digitalisierung sei die Wirtschaft schon viele Jahre voraus. "Hier muss einiges optimiert werden", sagt er mit Blick auf die massive Schrankwand, hinter der sich auch Aktenordner verbergen. "Die Coronakrise hat gezeigt, wie wichtig eine andere Struktur ist." Ausdrücklich lobt er das engagierte städtische Personal, allen voran Sekretärin Anni Hauer und den geschäftsleitenden Beamten Wolfgang Ruhland. Er erfahre jede Unterstützung, die er brauche. Stunden, welche durch die ausgefallenen Abendveranstaltungen eingespart wurden, gingen beispielsweise für das Corona-Hygienekonzept im Freibad drauf. "Es hat sich gelohnt. Es sind 50 Prozent mehr Saisonkarten verkauft, als wir gedacht haben." Aber das jährliche Defizit von rund 200 000 Euro wird in 2020 höher ausfallen. "Das soll es uns auch wert sein, nachdem das Ferienprogramm heuer nur minimalistisch möglich ist." Im Sitzungssaal - bisher konnte hier nur der Bauausschuss tagen - nimmt Teplitzky nicht wie seine Vorgänger vor der weißen Wand Platz, sondern genau gegenüber. "Hier habe ich den Beamer nicht im Rücken und auch einen besseren Blick zur Tür." Zum Ende des Gesprächs fällt dem Bürgermeister noch ein Zitat ein: "Was gibt es Schöneres, als für die Heimat zu arbeiten." Er freut sich sichtlich auf die nächsten 100 Tage im Oberviechtacher Rathaus. Für den 37-Jährigen könnten es auch mehr als 10 000 Tage werden.

Der neue Bürgermeister Rudolf Teplitzky startete im Mai gleich durch

Oberviechtach
Im Blickpunkt:

Wahlkampf-Themen angepackt

  • Parkplatzregelung Innenstadt
    Gespräch mit Ersten Polizeihauptkommissar Robert Feuerer am 28. Mai zur weiteren Vorgehensweise; Begehung zur Ist-Aufnahme mit der Stadtverwaltung am 19. Juni; Abstimmung mit der Feuerwehr folgt. Bürgerabend im Herbst 2020 mit Vertretern von Stadt und Polizei.
  • Verkehr und Raser
    Die Geschwindigkeitsmessanlagen der Stadt werden regelmäßig an verschiedenen Standorten aufgestellt. Mit dem PI-Chef sind Maßnahmen abgestimmt, wie verstärkte Kontrollen der Hotspots und Anschaffung einer weiteren Messanlage für Sensibilisierung und Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer. Der Erfolg soll 2021 geprüft werden. Der Eintritt in den Kommunalen Zweckverband für Verkehrsüberwachung wird kurzfristig nicht angestrebt.
  • Soldatenheim
    Der Bürgermeister war am 14. Juli in Berlin; nächstes Gespräch mit der KAS findet am 29. Juli statt. Gemeinsam mit der Garnison soll das Emil-Kemmer-Haus wieder eine Begegnungsstätte zwischen Soldaten und Bürger werden. Das sanierte Haus soll gesellschaftlich genutzt werden (temporäre und flexible Nutzung, Partnering-Modelle). Teplitzky betont, dass er gerne bereit ist, das Potenzial bei Gesprächen in oder außerhalb der Region vorzustellen.
  • Jugendarbeit
    Der Stadtrat hat fünf Jugendbeauftragte (bisher eine Person) aus verschiedenen Bereichen bestimmt. Diese freuen sich über Ideen von allen Oberviechtachern.
  • Wasser- und Abwasserversorgung
    Der Bürgermeister sieht dies als ein Top-Thema für die nächsten Jahre. Die Kommune besitzt größtenteils eine autarke Wasserversorgung mit Brunnen und Quellen sowie drei Kläranlagen. Diese Infrastruktur soll erhalten und modernisiert werden. Die Kläranlage in Nottersdorf (für Oberviechtach) muss mittelfristig den geänderten gesetzlichen Vorgaben angepasst werden. Dies wird nicht ohne Erhöhung der Gebühren und Beiträge möglich sein.
  • Nachhaltigkeit und Natur
    Im Fokus steht die Anlage von Magerwiesen und Blühflächen auf öffentlichem Grund. Der Bauhof arbeitet mit Landratsamt und Gartenbauvereinen zusammen (bereits Treffen zwischen Bauhofleiter und OGV-Vorsitzenden). (ptr)

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