Oberviechtach
07.06.2019 - 11:17 Uhr

285 Jahre Johannisbergkirche

Heute befindet sich die Wallfahrtskirche zum Heiligen Johannes Nepomuk an einem abgelegenen Ort. Einst sorgte der Kreuzungspunkt vor der Kirche aber für ein reges Verkehrsaufkommen.

So sah die Wallfahrtskirche am Johannisberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus. Bild: lg
So sah die Wallfahrtskirche am Johannisberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus.

Die Wallfahrtskirche zum Heiligen Johannes Nepomuk wurde vor genau 285 Jahren fertiggestellt. Als aber der damalige Pfarrer Ferdinand Seeleuthner im Frühjahr 1734 beim Bischöflichen Konsistorium darum bat, die neue Kirche am Forst "simplici modo" (in schlichter Form) benezidieren zu dürfen, da bekam er eine rüde Absage. Die Wallfahrtskirche war nämlich ohne kirchenbehördliche Genehmigung innerhalb von zwei Jahren errichtet worden und mit der schlichten Einweihung noch vor dem Patroziniumstag am 16. Mai wurde es nichts. Ein Jahr später schickte dann Weihbischof Gottfried Langwart von Simmern die Heiligen Öle und das Gregorianische Wasser nach Oberviechtach, so dass 1735 das Patrozinium begangen werden konnte.

Bevor das heutige Gotteshaus erbaut wurde, existierte nachweislich schon 1704 eine kleine hölzerne Nepomuk-Kapelle zu Zeiten des Pfarrers Florian Sigismund Maximilian von Miller. Dieser hat bekanntlich im Spanischen Erbfolgekrieg als Bauernführer gegen die verhasste österreichische Besatzungsmacht Berühmtheit erlangt.

An wichtiger Kreuzung

Die Verehrung Nepomuks - ausgehend von einem einfachen Bildchen in einer Holzkapelle - erfolgte hier noch vor dessen offizieller Heiligsprechung. Als Ort wurde der Kreuzungspunkt zweier damals wichtiger Verkehrsverbindungen gewählt. Zum einen führte hier die böhmische Handelsstraße von Prag nach Regensburg vorbei, die im 15. und 16. Jahrhundert mit geschichtlichen Quellen reichlich belegt ist.

Für die Fuhrleute war dieser höchstgelegene Punkt von 621 Metern eine Anlaufstelle und sie mögen gerne in den Opferstock gespendet haben, was die Errichtung eines festen Kirchenbaus ab 1732 sicherlich beschleunigte. Die "Straß von Regensburg nach Behemb" (Böhmen) kreuzte hier aber auch der Winklarner Steig, also eine Nord-Süd-Verbindung, die heute noch in der Route des Kreuzwegs zum Ausdruck kommt, der von der Stadt zur Nepomuk-Wallfahrt heraufführt.

Standmarkt am 16. Mai

Dieser Weg wurde vor allem auch von Viehhändlern bei der Beschickung der zahlreichen einschlägigen Märkte benutzt. An der Kirche selbst wurde bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts am Patroziniumstag ein geschätzter Standmarkt gehalten. Für die bäuerliche Bevölkerung im Einzugsgebiet der Wallfahrtskirche war der 16. Mai folglich ein großer Festtag. Aus den Pfarreien der Umgebung kamen Prozessionen zum Johannisberg und auch die Oberviechtacher Schulkinder waren in diese religiöse und weltliche Festivität mit einbezogen. Heute finden das ganze Jahr über unterschiedliche Gottesdienste in der Wallfahrtskirche statt, bei der man die einstige Verkehrsbedeutung nicht mehr nachvollziehen kann. Allerdings erinnert der weite Blick in den Bayerischen Wald bis zum Osser und Arber an den Charakter der einst hier vorbeiführenden Hochstraße, die die Fuhrleute bei ihrer Reise nach Prag im Abschnitt von Denglarn bis zum Reichenstein nutzten.

Stadtpfarrer Alfons Kaufmann zelebrierte jüngst vor dem "Altar der drei Johannes" die Messe zum Bittgang. Bild: lg
Stadtpfarrer Alfons Kaufmann zelebrierte jüngst vor dem "Altar der drei Johannes" die Messe zum Bittgang.
Der Oberviechtacher Kunstmaler Lorenz Lehner fertigte eine Kopie des Altarbilds. Dieses Gemälde hängt heute am Aufgang zur Empore. Bild: lg
Der Oberviechtacher Kunstmaler Lorenz Lehner fertigte eine Kopie des Altarbilds. Dieses Gemälde hängt heute am Aufgang zur Empore.
Info:

Kirche der drei Johannes

Drei Heilige mit dem Namen Johannes werden am Hochaltar der Wallfahrtskirche verehrt. Dass im Gotteshaus an der böhmischen Handelsstraße Johannes Nepomuk im Mittelpunkt steht, ist nicht verwunderlich. Aber auch die beiden anderen Heiligen sind Johannes. Links steht Johannes der Täufer, der Patron der Stadtpfarrkirche und rechts Johannes Evangelist, dargestellt mit dem Kelch und darin die entweichende Schlange als Symbol für das Gift. Die beiden Seitenaltäre sind dem Viehpatron Sankt Wendelin und Maria als Himmelskönigin geweiht. (lg)

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.