Es war die Zeit von Disco und Dauerwelle, als das Ehepaar Baumgärtner im Jahr 1979 den Friseursalon in der Schönseer Straße eröffnete. Und die Zeit der wilden Locken-Mähnen. "Ich hab damals viel gewickelt", erinnert sich Monika Baumgärtner (66). Denn auch die Männer trugen damals gerne lockiges, langes Haar. Und für den Afro-Look brauchte es viele sehr kleine Wickler. "Das war immer ein Drama, wenn die Burschen für die Bundeswehr einen Kurzhaarschnitt benötigten. Die haben fast geweint." Ein Kleinbus brachte jeweils fünf Soldaten vorbei und es hieß "Haare ab". Für die Anfangszeit des Salons sei vor allem der Grundwehrdienst eine gute Starthilfe gewesen.
Farbe und Pflege gefragt
Vor 40 Jahren waren Dauerwelle und Schnitt gefragt. Gefärbt wurde nur, wenn sich die ersten grauen Haare zeigten. Jetzt ist es umgekehrt. Monika Baumgärtner spricht von "ganz viel Farbe und Pflege". Und schon Grundschüler würden sich Strähnen wünschen. "Eigentlich dürfen wir erst Kunden ab 16 Jahren die Haare färben. Aber mit dem Einverständnis der Eltern geht das auch früher", meint die gebürtige Neunburgerin. Sie ist eine gelernte Damenschneiderin und hat sich mit Kursen für den Salon weitergebildet. "Aber nie geschnitten." Sie legte Dauerwelle und war für alle "Nebenarbeiten" und auch fürs Kassieren zuständig. "Es kann nur einer Chef sein. Mein Mann und ich haben uns super ergänzt", sagt die quirlige Senioren und lacht. Auf der Suche nach einem Ladenlokal wurde das Ehepaar Ende der 1970er Jahre in der Schönseer Straße fündig. Die Garagen im Hinterhof der Eisdiele, die zum früheren Hotelkomplex gehörten, wurden als Geschäft umgebaut. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Denn noch heute bestimmen die klassischen Trockenhauben und die mahagonifarbenen Möbel die Einrichtung.
Über der grünen Ledercouch hängt die Meister-Urkunde von Tochter Sabine aus dem Jahr 2002. Sie absolvierte ihre Ausbildung in Weiden, arbeitete vier Jahre in Schwarzenfeld und kümmert sich jetzt seit 16 Jahren um die Damen im elterlichen Salon. "Es wird Zeit, dass wir die Jungen ans Ruder lassen", sagt der Vater. Unternehmerin möchte Sabine nicht sein. Sie übernimmt nur die Geschäftsführung: Der Friseurladen wird nach einer kurzen Umbauzeit von der Schwarzenfelderin Lisa Hermann als Filiale geführt.
Lebewohl fällt schwer
Anton Baumgärtner (68) wird an zwei Nachmittagen in der Woche weiterhin für "seine Herren" da sein. Einen "sanften Übergang" nennt er das. Nach vier Jahrzehnten Lebewohl zu sagen, fällt dem Ehepaar schwer. "Man geht sich nicht so leicht, als wie wenn man in der Fabrik die Maschine ausschaltet", meint Monika nachdenklich. Viele ihrer Stammkunden wird sie vermissen. "Man freut sich mit und man leidet mit", erklärt sie zum Aufbau von Beziehungen vor dem Spiegel. Sie bezeichnet es als ein Geben und Nehmen in einem Beruf, in dem man sehr nah am Menschen arbeitet: "Als junge Frau hab ich beim Frisieren gelernt, meine Ungeduld zu zügeln und nachsichtiger mit älteren Leuten zu sein. Davon profitierten dann meine Omas."
Jetzt hält auch "Toni" kurz beim Haareschneiden inne: "Ohne unsere Kunden wäre es nicht das gewesen, was es war - eine schöne Zeit." In all den Jahren sperrten die Baumgärtners den Salon nie länger als eine Woche zu. Jetzt haben sie viel Zeit für Garten, Haus, Enkel und Hund. "Und wir machen alles einen Schritt langsamer als bisher", sagt Monika Baumgärtner. Wer sie kennt, kann sich das noch nicht vorstellen.














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