16.09.2021 - 12:48 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Alfred Tragl und Maria Schießl - Aktiv in Form und Farbe

Seit vielen Jahren bereichern sie das künstlerische Schaffen in der Region: Holzbildhauer Alfred Tragl und die Malerin und Töpferin Maria Schießl.

Maria Schießl und Alfred Tragl präsentieren im Atelier des Muschenrieder Holzbildhauers in einer Zusammenschau eigene Lieblingsobjekte. Dazu zählen die Acrylbilder in der Mitte und die janusköpfige Figur rechts.
von Georg LangProfil

Der Holzbildhauer Alfred Tragl aus Muschenried und die Malerin und Töpferin Maria Schießl aus Oberviechtach zeigten in der Vergangenheit bei gemeinsamen Ausstellungen, wie sie sich bei den unterschiedlichen Techniken ergänzen. Alfred Tragl hat sich seit nahezu fünf Jahrzehnten der Holzbildhauerei verschrieben und hat in dieser Zeit eine künstlerische Wandlung vollzogen. Stellten einst die volkstümlichen und sakralen Motive einen Schwerpunkt in seinem künstlerischen Schaffen dar, so sind es heute moderne Formen und Objekte. Köpfe, Gesichter und Masken sind in seinem Atelier in Muschenried zu bewundern. Manche Objekte erinnern an afrikanische Kunst. Die Werke sind entweder naturbelassen, geölt oder bemalt.

Maria Schießl bedient als Malerin und Töpferin ein breites künstlerisches Spektrum. Acrylbilder, Aquarelle, Filzbilder, Kreidezeichnungen, Reliefs und Skulpturen aus Ton und Gips prägen ihr Werk. Inspiriert von Friedensreich Hundertwasser schuf sie farbenfroh bemalte Reliefbilder, die sowohl in Räumen als auch im Außenbereich einen unverkennbaren Blickfang darstellen. Bei vielen ihrer Arbeiten aus Ton ist der Übergang zum Kunsthandwerk fließend. Dies wird auch deutlich, wenn man im Garten der Künstlerin unterwegs ist. Unterschiedliche Skulpturen begleiten einen auf dem „Kunstweg“ um das Haus der Familie Schießl, wobei bei der abwechslungsreichen Gestaltung eine erfreuliche Einheit zwischen Natur und Kunst erreicht wird. Aktuell steht aber bei Maria Schießl die Malerei im Vordergrund. Eine eben begonnene Ausstellung, die bis Anfang Dezember im Sybillenbad in Bad Neualbenreuth zu sehen ist, präsentiert abstrakt gehaltene Acrylbilder einer neuen Serie, zu der auch das Triptychon „Frühlingserwachen“ zählt. Dieses spiegelt die künstlerische Vielschichtigkeit der Malerin und Töpferin wider, die gerne auch den experimentellen Weg beschreitet und verschiedene Werkstoffe, Materialien und Techniken miteinander verbindet.

Holzbildhauer-Ausbildung

Wenn man Alfred Tragl in seinem Anwesen in Muschenried besucht, dann merkt man bereits im Hof, dass man es mit einem „Schnitzer“ zu tun hat. Diese volkstümliche Bezeichnung erfasst freilich nicht den wirklichen Beruf des Künstlers, der einst alle Stationen einer gediegenen Holzbildhauer-Ausbildung durchgemacht hat. Auf dem Weg zum Atelier, quer über den Hof passiert man aufgeschichtete Holzbohlen oder Stämme. Linde, Nussbaum, Eiche, Erle, Kirschbaum sowie anderes Obstbaumholz, manchmal mit einer selbst für den Laien erkennbaren faszinierenden Maserung, bilden das Material, aus dem filigrane Krippenfiguren, aber auch große Reliefs und Skulpturen entstehen, wie z.B. die janusköpfige spiralförmige Figur mit den zwei Gesichtern. Diese kann man zusammen mit vielen weiteren Kunstwerken im Ausstellungsraum bewundern, wo auch noch Objekte aus der früheren Schaffensphase zu sehen sind.

Einen Eindruck vom breit gefächerten sakralen Schnitzwerk Tragls gewinnt man in der Oberviechtacher Stadtpfarrkirche, wo in der Amtszeit von Stadtpfarrer Berthold Helgert die traditionelle sakrale Ausstattung durch Arbeiten Tragls ergänzt wurde. In der Taufkapelle findet sich neben anderen in der Kirche verteilten Objekten mit dem barocken Johannes der Täufer ein Glanzstück aus dem Atelier Tragl. Während der Weihnachtszeit ist der Besuch der Tragl-Krippe ein Erlebnis für Jung und Alt. Alfred Tragl stellt alljährlich die von ihm geschaffene Anlage mit vielfältigem Heimatbezug ehrenamtlich selbst auf. Die Landschaft hinter der Krippe zeigt die Johannisbergkirche und die Urkirche von Hof, aber auch manche Figuren erinnern an Oberviechtacher Charakterköpfe von einst. Auch die Aussegnungshalle am Friedhof, das Rathaus-Foyer und andere Einrichtungen der Eisenbarth-Stadt überraschen mit Arbeiten von Alfred Tragl.

Schnitzkurse für Schüler und Lehrer

Bei zahlreichen „Schnitzkursen“, in der gesamten mittleren Oberpfalz für Schüler, aber auch für Werklehrer durchgeführt, gibt Alfred Tragl seine Kenntnisse gerne weiter. „Ein gewisses Talent hat jeder, man muss es nur herauskitzeln“, bekennt der Holzbildhauer, der sich gerne auch an Kurse bei Menschen mit Handicap erinnert, als „äußerst kreative Produkte“ zustande kamen. Auf zahlreiche Ausstellungen können übrigens beide Künstler zurückblicken. „Man muss ja mit den Kunstinteressierten in Kontakt bleiben!“, bekennt Maria Schießl, die 2008 erstmals im Rahmen einer Herbstausstellung der „Freunde der Kunst“ ihre Werke einer breiten Öffentlichkeit präsentierte. Neben ihrem Heimatort folgten Ausstellungen in Schwarzach, Bad Neualbenreuth und Viechtach. Alfred Tragl blickt unter anderem auf Präsentationen in Roding, Arnbruck, Bad Kissingen, Weiden und Triest zurück.

Info:

Maria Schießl

Die Malerin und Töpferin, 1959 in Teunz geboren, absolvierte von 1995 bis 1998 eine Ausbildung zur Fachlehrerin in Hauswirtschaft, Textiles Gestalten und Werken in Regensburg und Nürnberg. Nach dem Einsatz an verschiedenen Schulen erlangte sie eine Weiterqualifizierung in Informationstechnologie. Nach einer Jahre langen Unterrichtungstätigkeit an der Gregor-von-Scherr-Realschule in Neunburg vorm Wald ist sie ab dem neuen Schuljahr an der Konrad-Adenauer-Realschule in Roding tätig.

In ihrem künstlerischen Werdegang fand sie als Autodidaktin vielfältige Anregungen bei Künstlern der Moderne. Eine Weiterentwicklung erfuhr sie in verschiedenen Kursen, unter anderem 2012 an der Kunstakademie Bad Reichenhall bei dem Dozenten Somyot Hananuntasuk und 2021 an der Kunstakademie Südtirol bei der Dozentin Daniela Pfeifer. Ihr aktuelles künstlerisches Schaffen bevorzugt die abstraktive Malerei unter dem Prinzip „Dynamik von Farbe und Form“. Die Offenheit für künstlerische Neuentwicklungen bei der Verbindung verschiedener Materialien und Techniken signalisiert eine kreative Dynamik. „Kunst und Kultur sind für mich gleichsam Grundnahrungsmittel!“, lautet ihr Credo.

Info:

Alfred Tragl

Der Künstler wurde 1948 in Breitenried bei Tiefenbach geboren. Nach dem Abitur 1970 am Augustinus-Gymnasium Weiden und dem anschließenden Wehrdienst folgte bis 1974 ein viersemestriges Studium an der Pädagogischen Hochschule Regensburg mit dem Schwerpunkt Kunst und Geografie. Im Anschluss realisierte er ein lang gehegtes Bestreben und wechselte an die Holzschnitzschule Bischofsheim a.d.Rhön. Dann folgte der Besuch der Ostbayerischen Meisterschule in Regensburg.

Alfred Tragl ist seit 1978 als freischaffender Holzbildhauer tätig. Bei seiner künstlerischen Arbeit ist er bestrebt, sich immer wieder neue Ausdrucksformen zu erschließen. Dadurch ergeben sich verschiedene Schaffensperioden mit wechselnden Stilausprägungen. Nach der beruflichen Etablierung galt sein Augenmerk dem volkstümlichen und sakralen Schnitzwerk. Der Zuwendung zu modernen Formen, etwa kolorierten oder geölten Masken indigener Völker, folgt ein experimentelles Arbeiten an unterschiedlichen Holzarten.

Welches Kunstwerk aus dem Zwetschgenstamm hervorgeht, an dem Alfred Tragl gerade mit Klüpfel und Eisen arbeitet, weiß es selbst noch nicht.
Das abstrakte Acrylgemälde, an dem Maria Schießl arbeitet, gehört zum Triptychon „Frühlingserwachen“ mit den dreifach gegliederten Ausrichtungen „extrovertiert, introvertiert und Gleichklang“.
Die Keramikstelen im Garten von Maria Schießl verdeutlichen die Einheit von Kunst und Natur.
Keramikkunst von Maria Schießl: Leichtigkeit und Unbeschwertheit vermittelt das Ensemble der tanzenden Figuren.
Die farbenfrohen Reliefbilder sind eine Hommage an den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser.
Archaisch anmutende Masken gehören zum neueren künstlerischen Repertoire von Alfred Tragl.
Ein modernes Kunstwerk der neuen Linie von Alfred Tragl.

 

 

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