13.01.2021 - 12:51 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Altlandkreis und Oberviechtach geprägt: Vor 25 Jahren verstarb Josef Spichtinger

Die Spuren seiner kommunalpolitischen Arbeit sind noch heute zu sehen: Am 8. Januar jährte sich der Todestag des früheren Oberviechtacher Landrats und Bürgermeisters Josef Spichtinger zum 25. Mal.

Eine Delegation aus Oberviechtach mit Josef Spichtinger (links) an der Spitze, besuchte am 4. Oktober 1980 Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Eine Flasche Eisenbarth-Elixier als Geschenk durfte nicht fehlen.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Durch viele Weichenstellungen und Verdienste ist Josef Spichtinger als bedeutende politische Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte im Altlandkreis Oberviechtach in Erinnerung geblieben. Am frühen Morgen des 8. Januar 1996 war der Kommunalpolitiker im Alter von 69 Jahren überraschend einem Herzleiden erlegen. Noch am Tag vorher hatte Spichtinger am Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbandes Schwandorf teilgenommen, wie damals in einem Nachruf im NT zu lesen war.

Zum Todestag vor 25 Jahren beleuchtete CSU-Ortsvorsitzender Tobias Ehrenfried den Werdegang und das Wirken Spichtingers. Dieser kam am 8. Juli 1926 in Winklarn auf die Welt. Er wurde zum Konditor ausgebildet und geriet später im Dienst der Marine in italienische Kriegsgefangenschaft. In den Nachkriegsjahren legte Josef Spichtinger die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst ab und wechselte als Regierungsinspektor an das damalige Landratsamt Oberviechtach.

Auf Wahlvorschlag der CSU folgte Spichtinger ab 7. Juli 1968 Josef Zwick als Landrat des Landkreises Oberviechtach nach. Vielen Vereinen und Kulturschaffenden ist er in seiner Tätigkeit als Bezirksrat (fast 30 Jahre) und Vizepräsident des Oberpfälzer Kulturbundes in Erinnerung geblieben. Nach Auflösung des Landkreises Oberviechtach bewarb sich Spichtinger 1972 als Landrat im neuen Großlandkreis Schwandorf. In einem für viele unvergessenen Wahlkrimi musste er sich knapp Hans Schuierer (SPD) geschlagen geben.

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Ein Höhepunkt in den Jahren seines politischen Wirkens war für Josef Spichtinger die Wahl zum Ersten Bürgermeister der Stadt Oberviechtach im Jahre 1977. Zwölf Jahre lang leitete er die Geschicke seiner Heimatstadt – "mit seiner umsichtigen Art und großem Engagement", wie es Tobias Ehrenfried zum Ausdruck brachte. Vielen Zeitgenossen sei Spichtinger als ein Rathauschef in Erinnerung geblieben, der ein Gespür für Menschen hatte, die Hilfe benötigten und diese auch jedem, ohne Ansehen der Person, zuteil werden ließ.

Als Familienmensch sei Spichtinger das Vereinsleben in der Stadt sehr am Herzen gelegen. Spichtinger war Gründungsvorstand des Oberviechtacher Zweigvereins des Oberpfälzer Waldvereins. Der Verein erinnert mit dem Josef-Spichtinger-Rundwanderweg noch heute an seinen Gründungsvater. Den CSU-Ortsverband Oberviechtach führte er viele Jahre als politischer Vordenker und Motor.

Untrennbar mit dem Namen Josef Spichtinger verbunden bleibt wohl die Gründung einer GmbH zur Errichtung und zum Betrieb eines Alten- und Pflegeheims in Oberviechtach im Jahre 1990. Unmittelbar im Anschluss wurde das ehemalige Krankenhaus im Stadtkern erworben. Mittlerweile zählt das Altenheim mit 133 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern, und es ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt. 128 Menschen finden hier Heimat in der vollstationären Pflege. Die Einrichtung sei beispielgebend für den politischen Weitblick Spichtingers, würdigte Ehrenfried.

Bereits mit dem Bau des Kreiskrankenhauses Oberviechtach ab 1970 hatte Spichtinger einen Meilenstein für die medizinische Versorgung des Altlandkreises gesetzt, von dem die Bevölkerung im nordöstlichen Landkreis nach wie vor profitiert; 1976 wurde die Klinik eingeweiht. Möglich wurde dies unter anderem durch die Unterstützung von Ministerpräsident Alfons Goppel, auf dessen Unterstützung der bekannte Netzwerker setzen konnte.

Mit einer Vielzahl an Ehrungen wurde das Lebenswerk des ehemaligen Landrates gewürdigt. Seine Heimatstadt Oberviechtach verlieh ihm die Goldene Bürgermedaille und die einst selbständige Gemeinde Muschenried (jetzt Winklarn) sprach ihm die Ehrenbürgerwürde aus. Zu Josef Spichtingers höchsten Auszeichnung zählt die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse.

Für die Mitglieder des CSU-Ortsverbandes Oberviechtach war es bisher immer Tradition, den Todestag Josef Spichtingers in der Hauskapelle des Alten- und Pflegeheims zu begehen. Wegen des Pandemiegeschehens wurde heuer davon Abstand genommen. „Mit Josef Spichtinger erinnern wir uns einer prägenden Persönlichkeit, die sich in herausragender Weise um ihre Mitmenschen verdient gemacht hat", so CSU-Ortsvorsitzender Tobias Ehrenfried.

Josef Spichtinger

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