30.06.2020 - 15:44 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Berufsfachschule Oberviechtach leistet Amtshilfe für Oberbayern

Im Raum München ist der Bedarf an Kindergarten-Personal hoch. Bei den Prüfungen leistet die Berufsfachschule Oberviechtach "Amtshilfe". Ein Nebeneffekt: Die jungen Damen füllen in der Coronakrise auch Fremdenzimmer in der Stadt.

Diese jungen Damen aus dem Regierungsbezirk Oberbayern müssen ihre Prüfung zur Kinderpflegerin an der Oberviechtacher Berufsfachschule ablegen. Im Werkraum entstanden bunte Mobiles und Bilder.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Wir waren froh darüber, endlich wieder Gäste zu haben", sagt Maria Pösl. Zu Beginn der Coronakrise musste nicht nur der Gasthof "Lederer" am Marktplatz geschlossen bleiben, auch in den Fremdenzimmern darüber herrschte gähnende Leere. Das Wirtsehepaar Pösl freute sich deshalb über die Anmeldung von zwölf jungen Frauen aus Oberbayern. Diese benötigten ein Zimmer in der Eisenbarth-Stadt, nachdem sie ihre Prüfung als angehende Kinderpflegerinnen an der Berufsfachschule Oberviechtach abzulegen hatten.

Zu wenig Prüfungs-Kapazitäten

Besonders in den Ballungszentren boomt die Nachfrage nach Personal für die Kinderbetreuung. Die Berufsfachschulordnung gibt auch externen Bewerbern die Möglichkeit, den Abschluss "Staatlich geprüfte(r) Kinderpfleger(in)" zu erwerben. Private Bildungsträger schulen deshalb im großen Stil vor allem Frauen als Fachkräfte für Kindertageseinrichtungen um. "Gleichzeitig sind in Oberbayern aber nicht genügend Berufsfachschulen vorhanden, um diese Menge an externen Prüflingen zu bewältigen", berichtet Thomas Schiller, Leiter der Staatlichen Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung, Kinderpflege und Sozialpflege Oberviechtach. "In einem sogenannten Amtshilfeverfahren werden diese deshalb auf andere Regierungsbezirke verteilt." Der Außenstelle des Beruflichen Schulzentrums Oskar-von-Miller Schwandorf wurden heuer zwölf Prüflinge zugewiesen. Vier davon kommen direkt aus München, die anderen aus dem Umland (Germering, Gilching, Nandlstadt, Olching, Planegg, Puchheim, Rohrmoos). Im Gegensatz zu den Vollzeitschülern müssen diese Bewerber in jedem Fach eine Abschlussprüfung schreiben: Das sind dann acht Theorie-Prüfungen und sieben praktische Prüfungen, anstatt jeweils zwei für die Regelschüler.

"Für die Lehrkräfte der Berufsfachschule für Kinderpflege stellen diese Prüfungen einen hohen zusätzlichen Organisations- und Korrekturaufwand dar, zu welchem sie dienstverpflichtet werden", sagt der Schulleiter im Gespräch mit Oberpfalz-Medien im Werkraum. Bei der praktischen Prüfung steht die Gestaltung mit Farbe und Papier im Hinblick auf "Spielzeug" im Mittelpunkt. Die jungen Frauen haben bunte Mobiles, Bilder und Karten angefertigt. Fachlehrerin Maria Meyer nimmt anschließend die Bewertung vor. "Da in einer Woche oft zwei oder drei Prüfungen stattfinden, übernachten viele mehrere Nächte in Oberviechtach und lernen so auch diese schöne Stadt kennen", erklärt Studiendirektor Thomas Schiller. Er berichtet aber auch, dass einige "so gar nicht begeistert waren, als sie hörten, ihre Prüfung so weit weg ablegen zu müssen"

Die Großstädterinnen waren immer positiv von der nördlichen Oberpfalz überrascht

Thomas Schiller, Leiter der Staatlichen Berufsfachschulen Oberviechtach

Positiv überrascht

In den letzten Jahren hatte die Berufsfachschule stets zwischen 10 bis 15 externe Prüflinge, vor allem aus dem Raum München, zu bewältigen. "Die Großstädterinnen waren immer positiv von der nördlichen Oberpfalz überrascht", sagt Schiller. "Häufig wird uns zurückgemeldet, dass sie Oberviechtach als sehr angenehm empfinden und vielleicht einmal in diese Gegend zurückkommen wollen, um hier Urlaub zu machen."

Das ist auch der Tenor der aktuellen "Externen", die am vorletzten Prüfungstag mit "Corona-Abstand" in der Aula zusammensitzen: "Die Leute sind so freundlich und es ist sehr schön hier." Allerdings werden nicht alle zwölf jungen Damen positiv an Oberviechtach zurückdenken, denn vier davon (Stand 30. Juni) schafften die Anforderungen nicht und fielen durch. Sie müssen am 1. Juli die Rückfahrt nach Oberbayern ohne den begehrten Berufsabschluss "Staatlich geprüfte Kinderpflegerin" antreten.

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Hintergrund:

Coronakrise: Abschlussfeier heuer ohne Zeugnis

Auch die 14 Schülerinnen und vier Schüler der 11. Jahrgangsstufe der Oberviechtacher Berufsfachschule für Kinderpflege haben ihre Abschlussprüfungen hinter sich.

Im Fach "Praxis und Methodenlehre" konnte zwecks der Coronakrise nicht wie üblich im Kindergarten St. Marien geprüft werden. Die Praxisanwendung wurde deshalb in der Schule simuliert, wobei die Lehrer in die Rolle der Kindergartenkinder schlüpften. Und noch eine Besonderheit birgt die Pandemie für die Absolventen der drei Oberviechtacher Berufsfachschulen: Aufgrund der Abstandsregeln findet heuer keine gemeinsame Abschlussfeier statt, sondern getrennt am 20., 21. und 22. Juli.Die Schüler erhalten dabei auch nur einen entwerteten Zeugnisabdruck, da auf Bestimmung des Kultusministeriums das Zeugnis-Datum heuer auf den 24. Juli festgesetzt ist. Normalerweise sei dies der 15. Juli, "doch wegen den Corona-Einschränkungen hätten große Schulen es bis zu diesem Termin nicht geschafft", erklärt Studiendirektor Thomas Schiller. Das Abschlusszeugnis mit Unterschrift gibt es deshalb erst einige Tage nach der Entlassfeier.

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