18.07.2021 - 14:57 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Blickwinkel der Kinder soll Oberviechtachs Profil schärfen

Bei der Stadtentwicklung räumt Oberviechtach der Sichtweise des Nachwuchses einen Platz ein. Eine Fragebogenaktion in Schulen und Kindergärten soll das Profil weiter schärfen. Verfolgt wird ein wichtiges Zukunftsziel.

Eine Szene vom Oberviechtacher Bürgerfest am Marktweiher im Jahr 2018. In einigen Mails, die im Rathaus zur Fragebogen-Aktion "Mit anderen Augen" eingetroffen sind, haben Kinder dieses Areal als ihren "Lieblingsplatz" bezeichnet.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Rund 1300 Handzettel sind Ende Juni an die vier Schulen, zwei Kindergärten und die schulvorbereitende Einrichtung in Oberviechtach verteilt worden. Mit der Aktion "Mit anderen Augen sehen" möchte die Stadtverwaltung das Meinungsbild jener Kinder und Jugendlichen abfragen, die im Stadtgebiet unterrichtet und aufs Leben vorbereitet werden. Bürgermeister Rudolf Teplitzky und Mitarbeiterin Margit Boch, im Rathaus zuständig für den Bereich Stadtmarketing, haben die Kartons mit den Fragen an die jeweiligen Leiter überreicht.

Die Idee dazu wurzelt in einem Vorschlag aus einem Elternbeiratsgremium, für die Buben und Mädchen etwas auf die Beine zu stellen – quasi als kleinen "Ausgleich" nach der Phase monatelangen Lockdowns und Unterrichts zu Hause. Jedes Kind sollte von der Stadt eine Kugel Eis spendiert bekommen. Den Gutschein dafür bekommen Schüler und Kindergartenkinder nun, wenn sie mit ihrer Meinung über Oberviechtach nicht hinter dem Berg halten.

An einer Fragebogen-Aktion der Oberviechtacher Jugendbeauftragten haben sich 200 junge Leute beteiligt

Oberviechtach

"Was ist dein Lieblingsplatz in Oberviechtach?" Diese Frage steht auf der Rückseite des Handzettels ganz oben. Die Teilnehmer werden dazu aufgefordert, jene Plätze, wo sich bevorzugt aufhalten, zu beschreiben, zu malen oder zu fotografieren. Gleichzeitig soll der Nachwuchs Vorschläge machen, wie sich die Heimat "noch schöner" machen lässt. "Wir wollen wissen, was die Kinder und Jugendlichen über Oberviechtach denken", erklärt Margit Boch, die sich daraus Impulse und weitere Denkanstöße in Sachen Stadtentwicklung erwartet, beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Sie sollen uns sagen, was sie schön finden und wo ihrer Meinung nach Verbesserungspotenzial besteht."

Projekt mit Gemeinschaftsgefühl

Die verschiedenen Altersstufen, an die sich dieses "Kreativprojekt der Stadt Oberviechtach" wendet, kommen auf den Flugblättern zum Ausdruck. "Die Welt mit Kinderaugen sehen" heißt es auf dem Bogen, der sich an die Buben und Mädchen in den Kindergärten richtet. Die Aktion für die Schüler ist mit dem Motto "Die Welt mit Neugier sehen" überschrieben.

Seitens der Eltern sei diese Initiative "ganz toll" aufgenommen worden, schildert Bürgermeister Rudolf Teplitzky. Für ihn sei es auch ein Beispiel dafür, wie sich durch so ein Projekt ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln lässt. So weiß er von einigen Schulklassen, die ihre Eisgutscheine zusammen mit dem Lehrer bei einem "Unterrichtsgang" einlösen und diesen gleich mit dem Besuch einiger Lieblingsplätze verknüpfen möchten. Bei Margit Boch im Rathaus sind erste Nennungen per Mail bereits eingetroffen – beispielsweise werden das Oberviechtacher Freibad und auch die Marktweiheranlage als "Lieblingsplatz" genannt. Per Mail können unter boch[at]oberviechtach[dot]de außerdem weitere Ideen und Vorschläge eingereicht werden.

"Pro Tag besuchen 1300 Kinder und Jugendliche aus Stadt und Umland die Schulen und Kindergärten in Oberviechtach", gibt Bürgermeister Rudolf Teplitzky zu verstehen. "Das stellt für uns ein enormes Potenzial dar." Und das nicht nur im Hinblick auf neue Ideen, sondern auch für die Zukunft: "Wir möchten natürlich, dass die jungen Leute möglichst in der Region bleiben." Er nennt die fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt, die neue Möglichkeiten eröffne. So sei es mittlerweile durchaus möglich, in einem Großunternehmen zu arbeiten, und trotzdem seiner Heimat treu zu bleiben.

Bis zur letzten Schulwoche

Das "generationenübergreifende Denken" werde bei der Stadtentwicklung künftig immer mehr in den Fokus rücken, so der Bürgermeister. Er verweist auf die Altersgruppe der 15- bis 20-Jährigen: "Sie sind diejenigen, die in den nächsten Jahrzehnten die Heimat gestalten." Weitere Ideen und Anstöße dazu werden sich offenbaren, nachdem die ausgefüllten Fragebögen in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien abgeholt worden sind. Danach geht's an die Auswertung der Ergebnisse. Übrigens: Die Eisgutscheine können die Kinder und Jugendlichen bis zum 31. August in den Oberviechtacher Eisdielen einlösen.

Hintergrund:

Anliegen verschiedener Generationen im Blick

  • Kindergartenkinder und Schüler: Unter dem Motto "Mit anderen Augen sehen" sollen die Jungs und Mädchen aus allen Schulen und Kindergärten in Oberviechtach ihren Lieblingsplatz verraten und Verbesserungsvorschläge zur Gestaltung ihrer Heimat machen. Die Fragebögen werden am Schuljahresende eingesammelt, die Teilnehmer erhalten eine Kugel Eis.
  • Beteiligte Einrichtungen: Doktor-Eisenbarth-Mittelschule, Doktor-Eisenbarth-Grundschule, Ortenburg-Gymnasium, Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung, Kinderpflege und Sozialpflege, Kindergärten in Oberviechtach und Pullenried, Schulvorbereitende Einrichtung Oberviechtach.
  • Jugendliche: Die fünf Jugendbeauftragten der Stadt haben zuletzt eine Fragebogen-Aktion zur Thematik "Freizeit-Angebot" initiiert. Knapp 200 Teilnehmer hatten sich daran beteiligt. Die Palette an Wünschen war vielfältig und reichte vom Ort zum Feiern, über einen Fahrrad-Parcours bis zu neuen Schaukeln am Spielplatz.
  • Senioren: Der Bestand an Sitzbänken im Oberviechtacher Friedhof wird demnächst deutlich aufgestockt. Dieser sei für die ältere Generation nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch der Begegnung und des Austausches, verdeutlichte Bürgermeister Rudolf Teplitzky. Die Stadt möchte dafür sorgen, dass ausreichend Sitzgelegenheiten vorhanden sind, um einen "Ratsch" nach der Grabpflege zu ermöglichen.

"Wir wollen wissen, was die Kinder und Jugendlichen über Oberviechtach denken."

Margit Boch, zuständig für Stadtmarketing im Oberviechtacher Rathaus

Margit Boch, zuständig für Stadtmarketing im Oberviechtacher Rathaus

"Die 15- bis 20-Jährigen sind diejenigen, die in den nächsten Jahrzehnten die Heimat gestalten."

Bürgermeister Rudolf Teplitzky

Bürgermeister Rudolf Teplitzky

Bürgermeister Rudolf Teplitzky und Mitarbeiterin Margit Boch (von links) überreichten die Schachteln mit den Fragebögen an Werner Winderl, Rektor der Doktor-Eisenbarth-Mittelschule.

 

 

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