06.09.2021 - 15:40 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Bundeswehr-Standorte Pfreimd und Oberviechtach fit für die Zukunft machen

Die meisten Bundeswehrstandorte in einem Wahlkreis liegen deutschlandweit im Bereich Schwandorf/Cham. Wir fragten zum Ende der Legislaturperiode nach, was sich in den vier Kasernen getan hat und was dort in den nächsten Jahren ansteht.

Im Wahlkreis Schwandorf/Cham wird die Oberpfalzkaserne Pfreimd (Bild) ebenso fit für die Zukunft gemacht, wie auch die drei weiteren Bundeswehr-Standorte Oberviechtach, Cham und Roding.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Abgeordneten aus dem Wahlkreis Schwandorf, welche die Region die nächsten vier Jahre in Berlin vertreten, müssen nicht mehr zittern: Der Erhalt der vier Bundeswehrstandorte Pfreimd, Oberviechtach, Cham und Roding scheint gesichert. Aktuell laufen zahlreiche infrastrukturelle Bemühungen für einen zielgerichteten Ausbau und Erhalt der Bundeswehrliegenschaften. Das Infrastrukturkonzept sieht für die vier Kasernen in der östlichen Oberpfalz über 160 Millionen Euro vor. Der Zeitraum ist bis etwa ins Jahr 2037 abgesteckt.

Der Bund investiert im Hinblick auf den Aspekt „moderner Arbeitgeber Bundeswehr“ nicht nur in zeitgemäße Truppenunterkünfte, sondern auch in die Technik und die Sicherheit bei Ausrüstung und Ausbildung. Neu ist die anvisierte Trennung von Unterkunft und Funktion. Die früheren Kompanieblocks mit Stuben und Waffenkammer unter einem Dach haben künftig ausgedient. Ebenso die Sechser-Belegung der Grundausbildung und auch die aktuellen Zweibett-Zimmer. Es entstehen komfortable Einzelzimmer mit Nasszelle, Wlan, Fernseher, Kühlschrank und Stehlampe. In der Grenzlandkaserne Oberviechtach werden die Unterkunftsgebäude nach und nach saniert. Während der Bezug der ersten Einheit nach neuestem Standard für Februar 2022 geplant ist, startet die Ausschreibung für einen Neubau (4,4 Millionen Euro) im August 2022 mit Bezug Ende 2023.

Puma löst Marder ab

In der 1971 eröffneten Oberpfalzkaserne Pfreimd können sich die Soldaten ebenfalls freuen: „Der Bezug des Neubaus mit komfortablen Einzelzimmern ist Ende des Jahres geplant“, berichtet der stellvertretende Kommandeur, Oberstleutnant Christian Märkl, im Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Abgeschlossen ist seit Mitte August die Grundsanierung des Sanitärbereichs; die Standortschießanlage wird aktuell noch umgebaut. Demnächst steht der Neubau der logistischen und technischen Gebäude an. „Die Instandsetzungshalle wird ein moderner Arbeitsplatz“, freut sich der stellvertretende Kommandeur.

Ein Meilenstein in der Grenzlandkaserne stand 2018 an, als der erste Schützenpanzer Puma durchs Tor rollte und den seit 1973 bewährten Marder ablöste. „Mit dem Puma und dem System Infanterist der Zukunft sind die Oberviechtacher Grenadiere für alle Aufträge bestens gerüstet“, stellt der Kommandeur, Oberstleutnant Andreas Bleek, gerne fest. Für die simulatorgestützte Panzerausbildung steht die neue Halle kurz vor ihrer Fertigstellung. Die Infrastrukturmaßnahmen an den vier Bundeswehr-Standorten werden sich noch Jahre hinziehen. „Das ist dem Rückstau geschuldet“, erklärt Oberstleutnant Märkl. Die Kasernen seien immer wieder auf der Kippe gestanden, „da wurde wenig Grundsätzliches investiert“. Doch jetzt sehe man sich „absehbar struktursicher“.

Neubau der Waffenkammer

Der CSU-Abgeordnete Karl Holmeier, der nach zwölf Jahren im Bundestag nicht mehr für den Wahlkreis Schwandorf/Cham kandidiert, erinnert sich gerne an den entscheidenden Abend im Jahr 2013 zurück: „Ich befand mich gerade mit einer Besuchergruppe in der Bayerischen Vertretung in Berlin, als mitgeteilt wurde, dass alle Standorte im Wahlkreis erhalten bleiben.“

Aktuell sei laut einer Pressemitteilung Holmeiers für den Monat September 2021 ein Investitionsvolumen von rund 2,9 Millionen Euro in Oberviechtach und von rund 3,2 Millionen Euro in Pfreimd, jeweils für den Neubau eines zentralen Waffenkammergebäudes, vorgesehen. Mit den Maßnahmen wird in beiden Liegenschaften ein bedarfsgerechtes und funktionales Lagergebäude für Waffen, optisches Gerät und Fernmeldemittel zur Verfügung gestellt. „Für mich ist das ganz klar auch ein Zeichen für eine stabile und nachhaltige Entwicklung der Bundeswehrstandorte Oberviechtach und Pfreimd", freut sich Holmeier zu seinem Abschied aus der Bundespolitik über diese Stärkung als „wesentlichen Beitrag zur Auftragserfüllung der Bundeswehr“. Im Gespräch will er dann auch noch ein Kompliment loswerden: „Die Bundeswehr leistet mit ihren Auslandseinsätzen eine tolle und wichtige Arbeit.“

Litauen, Kosovo und Mali

Einer der größten Aufträge des Oberviechtacher Panzergrenadierbataillons 122 war die Aufstellung der ersten Rotation der verstärkten Vornepräsenz der Nato in Litauen von Januar bis August 2017. Im Frühjahr 2021 gab dort das Pfreimder Panzerbataillon 104 das Kommando nach sechsmonatigen Einsatz ab. 2024 geht es erneut nach Litauen. Schon ab 2023 sind 350 Soldaten der Oberpfalzkaserne an einer Nato-Bereitschaftstruppe beteiligt, welche mit einer Abrufzeit von nur fünf Tagen als logistische Unterstützung vorgehalten wird. Der angedachte Mali-Einsatz der 3. Kompanie aus Oberviechtach ist laut dem stellvertretenden Presseoffizier, Hauptmann Sandro Gärtner, „aktuell vom Tisch“. Das Panzergrenadierbataillon 122 bleibt jedoch der Leitverband für das 26. und 27. Kontingent der EU-Trainingsmission in Mali und ist damit verantwortlich für die personelle und logistische Planung sowie für die Verlegung und Betreuung der Soldaten. Aus dem Bataillon selbst werden im September 23 Soldaten nach Mali gehen. Auch Einzelabstellungen in den Kosovo laufen weiter.

Einen entscheidenden Wandel gibt es seit Herbst 2020 beim Nachwuchs. So kehrt ein Teil der fachlichen Ausbildung der Offizier- und Feldwebelanwärter in das Oberviechtacher Bataillon zurück, nachdem dies längere Zeit in zentralen Ausbildungseinrichtungen stattfand. Prägend war auch die Corona-Pandemie ab dem Frühjahr 2020: Die vier Bundeswehrstandorte im Wahlkreis unterstüzten die zivilen Behörden deutschlandweit mit Personal im Rahmen der Amtshilfe. Immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit stehen auch die Soldatenfreizeitheime. Auch wenn die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (KAS) zuständig ist, werden bei Problemen gerne die Bundestagsabgeordneten bemüht. Mit einem Pächterwechsel wurde in Roding das Soldatenheim Haus Ostmark/Stadthalle im November 2019 wiedereröffnet. Auch beim seit Januar 2019 leerstehenden Emil-Kemmer-Haus/Soldatenheim in Oberviechtach ist „Licht am Horizont“. Das Gebäude wurde 2015 für rund 2,83 Millionen Euro umfassend saniert, so dass Saal, Küche und Konferenzräume barrierefrei erreichbar sind. Bürgermeister Rudolf Teplitzky wird die neuen Pläne in Kürze bekanntgeben.

Karl Holmeier nimmt Abschied vom Bundestag

Schwandorf
Die neue Puma-Ausbildungshalle in der Grenzlandkaserne Oberviechtach ist ab Januar betriebsbereit.
Mit Maske und Waffe: Das Panzergrenadierbataillon 122 bei der Einsatzausbildung.
Hintergrund:

Infrastrukturkonzept fördert Ausbau der Bundeswehrliegenschaften

Bei der Umsetzung des Infrastrukturkonzeptes landen über 160 Millionen Euro in den vier Kasernen im Wahlkreis Schwandorf/Cham. Die Maßnahmen im Bundesinvestitionsprogramm sind teilweise angelaufen und werden noch mindestens 15 Jahre andauern. Die angeführten Zahlen stammen aus einer Mitteilung des Wahlkreisbüros von MdB Karl Holmeier, beziehungsweise aus den Kasernen selbst.

  • Grenzlandkaserne Oberviechtach (Einzug 1961): Im Zeitraum von 2015 bis 2037 sind Investitionen in Höhe von rund 55 Millionen Euro geplant. Diese betreffen nahezu alle Bereiche. Baumaßnahmen in Höhe von 7,7 Millionen Euro sind bereits abgeschlossen, aktuell laufen Projekte für 7,2 Millionen. In Planung ist ein Investitionsvolumen von etwa 40 Millionen Euro, darunter eine neue Sporthalle (3,38 Millionen Euro), ein sicherer Panzer-Abstellbereich (6 Millionen Euro) und auch die Umstellung der Heizung von Gas auf Holzpellets.
  • Oberpfalzkaserne Pfreimd (Einzug 1971) konnte 2021 ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Die Investitionen belaufen sich auf rund 50 Millionen Euro. Einen hohen Anteil daran haben Hallenschießanlage und Waffenkammer, sowie die Unterkunftsgebäude und die bereits abgeschlossene Grundsanierung des Sanitäts-Versorgungszentrums (3,2 Millionen Euro).
  • Nordgaukaserne Cham (Einzug 1959): Von den derzeit geplanten 31 Millionen Euro wurden bis 2018 bereits 14 Millionen Euro verbaut (Neubau Stabsgebäude sowie Um- und Neubau Unterkunftsgebäude). Weitere 17 Millionen Euro sind für zahlreiche Einzelbaumaßnahmen vorgesehen (wie weiteres Unterkunftsgebäude, Anpassung der Sportanlagen, Umbau Wirtschaftsgebäude).
  • Arnulfkaserne Roding (Einzug 1958): 27 Millionen Euro sind für 21 Projekte in verschiedenen Bereichen gelistet, darunter Neubau Lagergebäude für Waffen/Geräte, Anpassung des Sanitäts-Versorgungszentrums, Erweiterung des Werkstattgebäudes, Erneuerung der Wärmeerzeugungsanlage.

„Für mich ist das ganz klar auch ein Zeichen für eine stabile und nachhaltige Entwicklung der Bundeswehrstandorte Oberviechtach und Pfreimd.“

MdB Karl Holmeier (CSU)

 

 

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