09.08.2021 - 15:15 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Karl Holmeier blickt zurück auf zwölf Jahre Bundestag

Vor Corona hat der Schwandorfer Wahlkreisabgeordnete täglich oft über 50 Hände geschüttelt. Spätestens im Oktober wird es ein wenig ruhiger um Karl Holmeier. Aber er hat schon Pläne, "um nicht in ein Loch zu fallen".

Karl Holmeier sagt auch vor dem Brandenburger Tor in Berlin lieber "Grüß Gott" als "Guten Tag".
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Zwölf Jahre und so viele Themen": Karl Holmeier staunt selbst, was da alles in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter zusammen gekommen ist. Eine Zeit, die sich nun dem Ende entgegen neigt. Es ist dem 64-Jährigen, der dreimal das Direktmandat für den Wahlkreis Schwandorf/Cham holte, wichtig, auf über 100 Seiten noch einmal zu dokumentieren, was in dieser Zeit passiert ist - von Sonder-Briefmarken bis hin zur Bahn-Elektrifizierung. "Es war mir einfach wichtig, dass das alles nicht vergessen wird, was hier beackert wurde", so seine Bilanz im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Erledigt seien viele dieser Themen deshalb noch lange nicht.

Ja, es sei ein sehr vielseitiger Job gewesen, meint der Abgeordnete im Rückblick. Im Mai 2008 war er gerade als Nachrücker in den Landtag gekommen, als bald darauf die Kandidatur für den Bundestag im Raum stand. "Ich habe damals lange überlegt, es war ein schwierige Entscheidung", gesteht der CSU-Politiker, "und plötzlich bist du Pendler". Er macht keinen Hehl daraus, dass der Anfang in Berlin nicht leicht war. Von wegen "jetzt heben wir die Welt aus den Angeln - da bist ein Depp", erinnert er sich an die völlig neue Welt, an die Gänge, in denen er sich auch einige Male verlaufen hat, und an die erste Sitzung, für die es nicht einmal ein Ritual gab. "Später habe ich den Antrag gestellt, dass bei diesem Termin die Nationalhymne gespielt wird", berichtet er. Mit Erfolg: Seit 2009 geht es nun ein wenig feierlicher zu bei der "Premiere".

Auf Lederhose verzichtet

Vor allem auf die guten Büroleute führt es der frühere Weidinger Bürgermeister zurück, dass man sich schließlich gut einarbeiten konnte. Was die Politik betraf, so brachte der Neuling schon viel Erfahrung mit, immerhin war Politik in seinem Elternhaus allgegenwärtig, der Vater über drei Jahrzehnte Rathauschef. Und bei den Terminen im Wahlkreis gab es erst recht keine Probleme. Immer sei er "bestens aufgenommen worden", in Schwandorf ebenso wie in Cham. Mit allen sei er gut ausgekommen, die Landkreisgrenze jedenfalls sei für Unterschiede nicht entscheidend: "In Schönsee sind die Leute ja auch ein bisserl anders als in Maxhütte." Verbogen hat er sich in Berlin als Bayer nicht, hat in der Bäckerei weiter "Semmeln" statt "Schrippen" bestellt und "Grüß Gott" gesagt, auch wenn es Reaktionen darauf gab wie "den hab ich noch nie gesehen". Lederhose oder Tracht, darauf hat Holmeier aber verzichtet - "hab ich auch gar nicht im Schrank".

Wenn man sich umhört, dann ist eines seiner Markenzeichen die Gelassenheit. Wie er das schafft? "Das lernt man", so die Antwort. E-Mails unter der Gürtellinie, Kritik, ja Hass - auch von diesem Aspekt blieb der Abgeordnete nicht verschont. So manchen Verfasser böser Kommentare hat er zurückgerufen. "Das Gespräch lief dann ganz anders ab", sagt er mit einem Schmunzeln. Und mit Todesdrohungen sei er schon im früheren Hauptberuf als Bankkaufmann konfrontiert gewesen, wenn das Geldinstitut einen Kredit versagte. Zu den schönsten Erlebnissen Holmeiers gehört hingegen der Besuch von Papst Benedikt im Bundestag, während die Nähe zur Kanzlerin schnell selbstverständlich wurde. Mit leuchtenden Augen erzählt er von dem Moment, als 2010 der Anruf kam, dass alle vier Bundeswehrstandorte in seinem Wahlkreis gesichert sind: "Vier Standorte in diesem Abstand, das gibt es in ganz Deutschland nicht."

Sorge um Mobilität

Ein wesentlicher Schwerpunkt in seiner Karriere war allerdings der Verkehr. Ob Bahn-Elektrifizierung, neue Radwege, Lärmschutz an der Autobahn oder Bundesstraßen-Ausbau: "Die Weichen sind gestellt. Jetzt gilt es, das umzusetzen", sagt Holmeier und räumt gleichzeitig ein, dass man mit den Straßen nie fertig wird. "Die Menschen müssen sich die Mobilität in Zukunft auch leisten können", ist ein Sorge, die ihn umtreibt, gerade in Bezug auf faire Bedingungen in Stadt und Land. Blauäugig sieht der CSU-Mann nun auch dem Ruhestand nicht entgegen, der erste Schritt für den Abschied ist schon erledigt. "Im Juli habe ich die Wohnung in Berlin geräumt", berichtet der 64-Jährige. Bis zur offiziellen Verabschiedung ist noch etwas Zeit, der Termin dafür ist erst vier Wochen nach der Bundestagswahl.

Alpakas und der Eisstock

Weil er nach so viel Unterwegssein nicht in ein Loch fallen will, hat sich der künftige Pensionär schon einiges vorgenommen. Tiere, vielleicht zwei Alpakas, will er sich anschaffen in seiner bislang verpachteten Landwirtschaft, seinem zweitältesten Sohn mit der Schreinerei helfen und seine über Jahre zusammengetragene Sammlung alter Sachen ordnen, von alten Uhren bis zum Spinnrad. Vier Enkel, Waldarbeit und Schwammerlsuche, das dürfte nicht langweilig werden und den Abschied versüßen. "Die Zeit im Bundestag hat unwahrscheinlich Spaß gemacht, ich habe diesen Weg nie bereut", sagt Holmeier. "Ich war sicherlich ein kleines Rad, aber man hat für die Region doch etwas bewegen können." So mancher Anstoß kommt ja auch erst mit etwas Verspätung zum Tragen, beispielsweise der Antrag zur Aufnahme des Eisstockschießens als olympische Disziplin. "Dafür wurde ich mal ausgelacht", sagt der scheidende Politiker und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. "2026 ist es soweit, dann lacht keiner mehr."

Neue Regeln für den Nachfolger

Schwandorf
Der Abschied steht an: Karl Holmeier blättert in in seinem über 100 Seiten starken Bericht über zwölf Jahre Arbeit im Bundestag, einem persönlichen Resümee.
Bei der Nominierung 2009 gab es für Karl Holmeier (Mitte) von den Parteikollegen schon mal einen dezenten Hinweis auf die Kilometer, die nun vor ihm lagen.
Hintergrund:

Vom Bankkaufmann zum Bundestagsabgeordneten

  • Privates: Jahrgang 1956, verheiratet, drei erwachsene Kinder, vier Enkel.
  • Berufliches: Nach Volksschule Weiding, der Realschule Furth im Wald und Fachoberschule Cham von 1974 bis 1991 Bankkaufmann bei der Sparkasse im Landkreis Cham.
  • Politik: seit 1979 Mitglied der CSU, 1984 Kreisrat, 1989 CSU-Ortsvorsitzender, 1998 Vorsitzender der CSU-Fraktion im Kreistag Cham, 1990 bis 2014 Bürgermeister der Gemeinde Weiding, seit 2015 CSU-Kreisvorsitzender, 1. Mai bis 28. September 2008 als Nachrücker im Landtag, seit 2009 Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Schwandorf/Cham.
  • Ehrenamt: neben parteipolitischen Ämtern stellvertretender Kreisvorsitzender des Bayerischen Landessportverbandes, stellvertretender Kreisvorsitzender des Bayerischen Roten Kreuzes, Kreisvorsitzender der Eisstockschützen Cham, stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Wettbewerbswirtschaft.
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