27.10.2020 - 17:39 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Corona bremst Seniorenbeirat aus

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Altennachmittage und Weihnachtsfeiern der Risikogruppe sind heuer gestrichen. Seniorenbeirat Reinhold Malzer muss in der Coronakrise auch als Dozent für ehrenamtliche Wohnraumberater bei der Seniorenakademie Bayern pausieren.

Als Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Oberviechtach hält Reinhold Malzer gerne Referate bei Vereinen und Gruppen. Doch in der Coronakrise sind heuer alle Termine ausgefallen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Viele Senioren bedauern die aktuell wieder verstärkten Einschränkungen im direkten sozialen Kontakt. Und auch Reinhold Malzer, seit 2014 Sprecher des Seniorenbeirats Oberviechtach, betont: „Corona hat uns ziemlich hergebremst.“ Im Jahr 2020 konnte bisher keine Versammlung des Beirats stattfinden. „Wir sind Risikogruppe und werden wohl heuer nicht mehr zusammenkommen“, so seine Einschätzung.

Mit dem neuen Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky hat sich Malzer bereits zum Gespräch getroffen. Unter anderem ging es um Wohnraum für Senioren in der Altstadt. Hierzu hat der engagierte 74-Jährige bereits vor Jahren eine Abhandlung verfasst. „Es gibt viele Knackpunkte in unserer Stadt, aber nicht alle Wünsche sind machbar“, betont er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Durch seine Erfahrung aus 30 Jahren Stadtratsarbeit erkenne er „was ist möglich und was nicht“ und außerdem „wird man im Alter etwas einsichtiger und weiß, das alles eine bestimmte Zeit braucht“.

Handlungsbedarf

Ausdrücklich lobt er die gute und unbürokratische Zusammenarbeit mit dem früheren Bürgermeister Heinz Weigl sowie dem Stadtrat der vergangenen Legislaturperiode: „Ich hoffe, das läuft so weiter.“ Denn neben den positiven Beispielen wie Rathaus-Eingang, Behinderten-Toilette und sanierte Wege im städtischen Friedhof, gebe es noch Handlungsbedarf, wie beispielsweise bei der Absenkung von Bürgersteigen und Bordsteinen im öffentlichen Raum. „Ich bin ich dankbar für jeden Hinweis der Bürger, welche Punkte angegangen werden sollten“, appelliert Reinhold Malzer.

Der Diplom-Ingenieur, der zunächst als Bauzeichner startete und seine aktive Berufszeit als Studiendirektor an einer berufsbildenden Schule beendete, ist seit sieben Jahren als ehrenamtlicher Dozent bei der Seniorenakademie Bayern mit Sitz in München tätig. Der Einstieg war sportlich: Als Malzer 2014 vom Stadtrat als Seniorenbeirat bestellt wurde, meldete er sich bei der neu gegründeten Akademie zu einer Fortbildung an. „Es fiel ein Dozent aus und nachdem ich vom Fach war, habe ich diesen Komplex auf Anfrage halt übernommen.“

Anscheinend nicht schlecht, denn seither ist der Oberviechtacher mit Architekturstudium bayernweit bei der jährlichen Ausbildungswoche der ehrenamtlichen Wohnraumberater an Bord. Heuer konnte der für Mitte Oktober geplante Kurs in Haßfurt wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Daneben ist Malzer hin und wieder als Wohnraumberater in der Region gefragt: „Die Knackpunkte sind meist ein barrierefreies Bad und der Zugang zum Haus mit Rampe.“ Und er stellt klar: „In jedem Bad mit Wanne gibt es immer eine Lösung für eine barrierefreie Dusche.“

Er gibt Tipps und hilft bei der Kontaktaufnahme mit dem Landratsamt, um entsprechende Beihilfen zu bekommen. Der Zuschuss richte sich dann jeweils nach dem Einzelfall. „Barrierefreiheit ist nicht nur etwas für die Älteren und die Gehandicapten, denn beispielsweise auch alle mit einer Sportverletzung sind froh, wenn sie keine Treppen steigen müssen“, sagt Malzer. Sein Rat: Sich bereits beim Hausbau für das Thema zu sensibilisieren, denn hier sei die Barrierefreiheit mit einem minimalen Mehrkostenaufwand zu realisieren. Das zeige sich am Beispiel einer bodengleichen Dusche, die auch in jungen Jahren angenehm ist. Der Bauexperte erklärt: „Das barrierefreie Wohnen legt den Platzbedarf nach einer Gehhilfe aus, während für eine rollstuhlgerechte Wohnung ein Rollstuhl angesetzt wird.“ Letzteres sei „die zukunftsorientierte Wohnung für Sicherheit und Komfort“. Und er stellt fest: „Alle kommen irgendwann altersmäßig in diesen Bereich hinein und profitieren davon.“

Reinhold Malzer informiert über seniorengerechte Badezimmer

Sein Rat an die Senioren, die derzeit ohne ihre gewohnten Treffen in geselliger Runde auskommen müssen: „Aktiv bleiben, sich bewegen und die neuen Medien nutzen.“ Eine Vision, die ihm schon länger vorschwebt, ist die Vernetzung von Jugend und Alter. Selber Opa von zehn Enkelkindern denkt er dabei an Wohneinheiten für Jung und Alt unter dem Motto „Nebeneinander und miteinander“ sowie an Modelle von Oma/Opa auf Zeit, „damit junge Mütter auch mal zwei Stunden in Ruhe einkaufen können“.

Vernetzung läuft an

Der Vorsitzende des Oberviechtacher Seniorenbeirats dankt allen, die sich in der Corona-Pandemie in verschiedenen Bereichen um die älteren Mitbürger gekümmert haben. Und er freut sich über anfängliche Erfolge bei der Vernetzung der Organisationen und Vereine, die sich mit Senioren beschäftigen. Das schon vor einigen Jahren ausgesprochene Ziel, einen gemeinsamen Jahreskalender mit allen relevanten Veranstaltungen herauszugeben, konnte jedoch noch nicht verwirklicht werden.

Heuer sind bereits alle Weihnachtsfeiern abgesagt. „Das ist auch gut so, denn es ist momentan eine sehr kritische Zeit“, bekräftigt Malzer. Er wünscht allen, „dass sie gut und gesund durch die Coronakrise kommen und dass die Aktivitäten nicht ganz einschlafen“. Wann er wieder eine Versammlung mit einem Vortrag bereichern kann, steht nicht fest. Die Seniorenakademie Bayern hat ihr Jahresprogramm 2021 festgezurrt: Die nächste Schulung für Wohnberater steht im September in Miltenberg im Kalender.

Hintergrund:

Seniorenakademie Bayern

Um älteren Menschen den Weg ins Ehrenamt zu erleichtern, hat das Sozialministerium im Jahr 2014 die Seniorenakademie Bayern ins Leben gerufen. Über 2300 Menschen haben die kostenfreien Schulungen bisher besucht. Engagierte erhalten Tipps, zum Beispiel für die Öffentlichkeitsarbeit ihrer Initiative. Einige Veranstaltungen finden als Online-Seminare statt.

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