03.01.2021 - 14:45 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Elektrische Revolution kommt auf Raten in den Altlandkreis Oberviechtach

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Ein Schalter wird gedrückt und das Licht geht an: Stromversorgung gehört zum Alltag, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch vor rund 120 Jahren muss die Elektrizität im Altlandkreis Oberviechtach einige Hürden nehmen.

Der Transformator an der B 22 beim Gleiritscher Ortsteil Zieglhäuser steht noch. Die Hälfte der weiterführenden Leitungen sind bereits abgebaut, da die Kabel unterirdisch verlegt sind und ebenerdige Transformatoren seine Arbeit übernommen haben.
von Redaktion ONETZProfil

War das 19. Jahrhundert das Zeitalter der Dampfkraft, so begann um die Jahrhundertwende der Siegeszug der elektrischen Energie als neue Energieform. Bereits 1895 hatte Kommerzienrat Carl Wolf aus Zwickau in Rosenhof, das zwischen Gaisthal und Schönsee an der Ascha liegt, ein Holzverarbeitungswerk erbauen lassen, um Papier und Pappe zu produzieren. 1902 beantragte er die Errichtung einer elektrischen Beleuchtungsanlage für den Betrieb. Der Oberviechtacher Bezirksamtmann entschied damals, dass „unter den obwaltenden Umständen ein besonderes Genehmigungsverfahren nicht erforderlich ist.“

Seit dem Jahre 1909 betrieb der Müller Andreas Haberl in Höll (bei Schneeberg) an der Ascha eine Anlage, um Strom zu erzeugen. Diese versorgte die damaligen Gemeinden Lind, Pondorf, Schneeberg, Schönthal und Winklarn mit Elektrizität. Haberl hatte weitreichend Ausbaupläne. Oberviechtach sollte ebenfalls angeschlossen werden. Da aber die Wasserkraft der Ascha nicht ausreichte und ein eingebauter Dieselmotor keine wesentliche Verbesserung brachte, kam es im Juli 1912 zum Zusammenbruch des Unternehmens in Höll.

Weltweit wird immer mehr Energie verbraucht

Deutschland & Welt

Als 1910 die „Sachsenwerk-Licht und Kraft-Aktiengesellschaft“ beim Bezirksamt Oberviechtach anfragte, in Oberkonhof an der Murach ein Wasserkraftwerk errichten zu dürfen, wurde an allen Stammtischen in den Bezirksämtern Oberviechtach, Nabburg und Neunburg eifrig diskutiert, denn diese Bereiche sollte angeschlossen werden. Als Betriebssitz hatte das Sachsenwerk Altendorf auserkoren. Wie der Pertolzhofer Bürgermeister dem Bezirksamt Oberviechtach mitteilte, war das Projekt aber schon vor Baubeginn gescheitert, da der Grundstücksbesitzer seinen Grund nicht „für das neumodische Teufelszeug“ zur Verfügung stellen wollte. Im Jahre 1915 erhielt Oberviechtach erstmals von einem Privatunternehmen Strom. Die Energie diente aber nur der Beleuchtung.

"Neumodisches Teufelszeug."

Mit diesen Worten wurde 1910 der Grundstücksverkauf für ein Wasserkraftwerk verweigert

Zwischen 1908 und 1923 entwickelten sich in der Oberpfalz größere Stromverbünde, hauptsächlich an der Naab. Die Bayerische Überlandzentrale, die Naabwerke und das Kreisüberlandwerk erzeugten Elektrizität in großem Stil. Der Erste Weltkrieg dämpfte die aufkeimende Euphorie erheblich und die folgende Wirtschaftskrise ließ so dass manches E-Werk in Schwierigkeiten kommen, da sich der Betrieb nicht mehr rechnete. Die Inflationsjahre 1922/23 setzten den Versorgern mächtig zu.

1923 übernahm die „Oberpfalz Werke AG für Elektrizitätsversorgung“ (OWAG) mehr oder weniger das ganze Gebiet der Oberpfalz zur Stromversorgung. Stand in den Aufbruchsjahren die Wasserkraft als Antriebs- und Erzeugungsenergie im Vordergrund, unterstützt von der Technik der Dampfmaschinen, so entwickelte sich die Kohle immer mehr zum Energieerzeuger Nummer Eins. Die Braunkohlefelder nahe Wackersdorf, aus deren Abbaugruben das heutige Oberpfälzer Seenland hervorgegangen ist, zeugen von dieser Entwicklung.

Es gibt neue Erkenntnisse zur Geschichte der Burg Murach bei Oberviechtach

Oberviechtach

Bereits 1921 hatte man am Fluss Pfreimd bei der Kainzmühle mit dem Bau eines Kraftwerks begonnen, das die Entwicklung der Elektrizitätsversorgung im Altlandkreis Oberviechtach erheblich voranbringen sollte. Wegen der Hochinflation war dieses Projekt in der damaligen Zeit ein riskantes finanzielles Unterfangen. Am 17. September 1924 nahm man die Anlage in Betrieb. Die Tanzmühle war ein weiterer Knotenpunkt für die Elektrizitätslieferung. Über eine Ringleitung, die unter anderem in Richtung Tännesberg, Teunz, Oberviechtach, Schneeberg und Rötz führte, konnten auch kleinere Querverbindungen eingerichtet werden. So fand am 7. Februar 1925 in Gleiritsch eine „Lichtfeier“ statt, da der Ort erstmals mit elektrischer Energie versorgt werden konnte.

Heute findet man noch einige Transformatorhäuschen in den Ortschaften, die aus der damaligen Gründerzeit stammen. Einige davon sind in der Zwischenzeit abgebaut und durch ebenerdige Transformatoren ersetzt worden, da viele Stromleitungen im Boden verschwunden sind. Das Gleiche gilt für die vielen Stromständer auf den Hausdächern.

Im Kriegsjahr 1944 kam es zur Fusion zwischen OWAG und OSTROMAG. Die OBAG (Energieversorgung Ostbayern Aktiengesellschaft), die vielen Älteren noch in Erinnerung ist, war geboren. Lange Jahre war sie „der Energieversorger“ schlechthin. Mit den Änderungen des Marktes, neuen Energiequellen wie Photovoltaik, Biogas, Windkraft und technischer Weiterentwicklung hat sich der Energiesektor in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert.

Die Kainzmühlsperre am Fluss Pfreimd, die 1924 ihren Betrieb aufnahm, war der Ausgangspunkt der Versorgung mit elektrischer Energie im Raum Oberviechtach. In der Zwischenzeit wurde die Staumauer mehrmals saniert.
Rosenhof zwischen Gaisthal und Schönsee - die Wasserkraft der Ascha, die hier ein besonders starkes Gefälle hat, wurde für den Antrieb von Maschinen und die Erzeugung von Elektrizität genutzt.
An der Ascha stand bei Höll (Bildmitte links) nahe von Schneeberg vor gut100 Jahren ein Elektrizitätswerk, das umliegende Orte mit Strom versorgte. Die großen Expansionspläne schwammen aber bald die Ascha hinab.
Die Weihnachtsbeleuchtung, wie hier in Oberviechtach (2017) stimmt auf das Weihnachtsfest ein. Gerade in Coronazeiten, erhellt sie die Gemüter.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.